Das Geschäft mit Diätmitteln boomt. Tees, Shakes und Pillen, die schnellen Gewichtsverlust versprechen, können sich großer Erfolge erfreuen. Werden diese jedoch mit schädlichen Inhaltsstoffen versetzt, kann einem schnell mehr als nur der Appetit vergehen.

Ein deutsch-österreichisches Ehepaar aus Wien steht derzeit unter Verdacht, sich mit dem Verkauf derartiger Pillen strafbar gemacht zu haben. Über viele Jahre hinweg vertrieb der 50-Jährige in Deutschland und in weiterer Folge gemeinsam mit seiner Ehefrau auch in Österreich seine Diätmittel. Die Kapseln wurden als reine Naturprodukte verkauft, eine chemische Analyse zeigt aber, dass das Produkt nicht nur künstliche Duftstoffe, sondern auch Phenolphthalein beinhaltet. Dieses war in der Vergangenheit als Abführmittel verkauft worden, wurde aber nicht zuletzt wegen seiner schädlichen Wirkung auf die Magen-Darm-Region wieder vom Markt genommen.

Angeklagte beteuern Unschuld

Das Paar muss sich nun wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz vor Gericht verantworten. Von den Nebenwirkungen habe sie nichts gewusst, erklärte die 44-Jährige. Sie habe nur gute Erfahrungen mit dem Produkt gemacht. Ihr Mann erschien nicht zum ersten Verhandlungstermin Anfang Juni. Sein Strafverteidiger teilte dem Wiener Landesgericht mit, dass sich der Angeklagte in Deutschland befindet, er soll sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Ob der 50-jährige nach seiner Genesung nach Österreich zurückkehrt, ist noch ungeklärt. Der Prozess, der am Montag fortgesetzt werden hätte sollen, wurde jedenfalls vertagt.

Auch in Deutschland laufen, in Zusammenhang mit den Pillen, Ermittlungen gegen den Mann. Mehr als 700 deutsche Auftraggeber soll er beliefert haben. Erstmals kam es 2017 zu Beschwerden bei Verbrauchern. Herzrasen, Schwindel und Kreislaufprobleme waren oft genannte Symptome der Opfer.

Der Mann meinte, er habe selbst versucht, eine chemische Analyse durchführen zu lassen, dies sei aber an den Absagen deutscher und österreichischer Labors gescheitert. Sein Geschäftspartner, der den Vertrieb der Pillen veranlasste, soll ihm versichert haben, dass ein Gutachten aus der Türkei die Sicherheit des Produkts bestätigen könne. Der Deutsche beteuert seine Unschuld, nur der Vertriebspartner und dessen Vater, der die Kapseln entwickelt hatte, sollen von den Inhaltsstoffen gewusst haben. Bis jetzt konnte der Hintermann nicht ausfindig gemacht werden. Der nächste Verhandlungstermin ist der 1. September, bis dahin soll das türkische Gutachten ausgewertet sein.(red)