Durch den langen Lockdown und die weiterhin geltenden Abstandsregeln bleiben vielen Wiener Kaffeehäusern wichtige Einnahmen aus. Eine Kampagne soll jetzt helfen, die finanzielle Situation zu verbessern. "Wir stehen vor der Situation, dass uns einfach unsere Gäste fehlen", so Wolfgang Binder, Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser der Wirtschaftskammer Wien.

Ausbleiben der Gäste

Warum die Gäste ausbleiben, hat mehrere Gründe. Viele Betriebe sind weiterhin im Homeoffice, weshalb Geschäftstermine häufiger per Videoanruf stattfinden und nicht im bei einer Melange im Kaffeehaus. Zusätzlich führen Reisebeschränkungen, Grenzschließungen und das allgemein gedämpfte Reiseverhalten dazu, dass viele Touristen ausbleiben. Laut der Fachgruppe Kaffeehäuser besuchen 80 Prozent der Touristen in Wien die Kaffeehäuser.

Aber selbst, wenn wieder mehr Menschen in die Kaffeehäuser gehen würden, gelten weiterhin die Abstandsregeln, aufgrund derer im Moment nur maximal 50 bis 60 Prozent der Sitzplätze in den Kaffeehäusern vergeben werden können.

Hohe Umsatzeinbrüche

"Die Corona-Krise, der zweimonatige Shutdown, die rasante Veränderung des Ausgehverhaltens danach sowie die herrschende Unsicherheit führten bei vielen Kaffeehäusern zu dramatischen Umsatzeinbrüchen und existenziellen Sorgen. "Die Auslastung liegt aktuell oft nur bei 40 bis 50 Prozent", beschreibt Wolfgang Binder die Situation.

Nun soll eine Werbekampagne der Fachgruppe Kaffeehäuser auf die Lage der Betriebe aufmerksam machen. In sieben Videos rufen bekannte Persönlichkeiten dazu auf, ins Kaffeehaus zu gehen und dort gleich zwei statt nur einen Kaffee zu trinken. Dadurch soll der halbierte Umsatz ausgeglichen werden. Unter den Prominenten sind Kabarettisten und Schauspielerinnen wie Josef Hader, Adele Neuhauser, Nicholas Ofzarek, Thomas Maurer und Michael Ostrowski.

Denn im Moment sei es häufig so, dass "oft nur ein Kaffee auf der Rechnung" stehe, so Alexandra Psichos, Eigentümerin des Café Haller. Durch die Werbekampagne hofft sie darauf, dass es "in Zukunft hoffentlich zwei" werden.

Laut der Fachgruppe gibt es derzeit in Wien um die 2200 Kaffeehäuser. Unter ihnen sind knapp 130 sogenannte Traditionscafés, deren Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. In der gesamten Gastronomie und Beherbergungsbranche sind 51.000 Angestellte tätig. Alleine in der Sparte der Kaffeehäuser, werden 200 Lehrlinge ausgebildet.