Am Abend, erklärt Ilse resolut, "gibt es ein Gulasch". Glücklicherweise ist die Küche schon fertig eingerichtet, was man vom Rest des Hauses in der Favoritner Leebgasse nur bedingt behaupten kann.

Der Akkuschrauber ist im Dauereinsatz, das Stiegenhaus wird gekehrt, Kisten stehen herum. Eile ist durchaus geboten, denn am Abend soll nicht nur Gulasch kredenzt werden, es werden darüber hinaus auch die ersten Gäste erwartet: Gäste, die die Eröffnung des VinziPort schon herbeigesehnt haben. Im alten Quartier am Rennweg konnte man nicht länger bleiben, das neue, bereits im Oktober des Vorjahres angemietete Objekt im zehnten Bezirk musste erst adaptiert werden. "Und dann ist uns Corona dazwischengekommen und alles stand still", erzählt Ilse Scheucher. Sie führt das Haus, ehrenamtlich.

Neben ihr sitzt Felix Feichter. Er hat heute Empfangsdienst. Auch Feichter ist ein ehrenamtlicher Mitarbeiter. An sich studiert er an der Hauptuni "Internationale Entwicklung". Vor 1,5 Jahren hat er für sich selbst beschlossen, "sich nützlich zu machen", sagt er. Sein Dienst hier sei durchaus mit dem eines Rezeptionisten vergleichbar, erzählt er. Zwischen 18 und 21 Uhr können wohnungs- und obdachlose Männer hier einchecken, ein Bett in einem Mehrbettzimmer kostet inklusive Abendessen und Frühstück zwei Euro. Check-out ist am nächsten Tag um 7 Uhr Früh.

Am neuen Standort startet man vorerst mit halber Kraft. Eigentlich stehen 50 Betten zur Verfügung, Corona-bedingt würde man aktuell aber nur 25 Betten belegen. Die 4-, 6- und 8-Bettzimmer sind neu gestrichen. In den Stockbetten liegen neue Matratzen, teilweise noch originalverpackt. Corona-bedingt. Der neue VinziPort in der Leebgasse fungierte vorher als Asylwerberunterkunft.

Immer weniger Freiwillige

Die Dusche und die kleine Küchenzeile, die in jedem Zimmer zur Verfügung standen, musste man rausreißen. Warum? "Weil unsere personellen Kapazitäten nicht dafür ausreichen, neben den Betten auch noch weitere Möbel in den Zimmern zu reinigen", sagt Ilse.

Freiwillige, also ehrenamtliche Mitarbeiter seien derzeit Mangelware. Schuld daran hätte Corona. "Ein Großteil derer, die regelmäßig helfen, kann derzeit nicht kommen. Viele sind in meinem Alter, also Pensionisten. Die meisten haben gesundheitliche Probleme, zählen zur Risikogruppe", erzählt Ilse. Aus Selbstschutzgründen blieben die derzeit lieber daheim. Deshalb setze man im VinziPort jetzt verstärkt auf die jungen Menschen, meint sie und strahlt Felix an.

Dass Felix auch während der Sommermonate in Wien ist, trifft sich gleich doppelt gut. Viele Studentinnen und Studenten, die so wie Felix in der Notschlafstelle aushelfen, würden den Juli, August und oft auch den September nämlich nicht in Wien verbringen. Bitter für den VinziPort, bitter auch für die zahlreichen anderen karitativen Einrichtungen Österreichs, die ohne ehrenamtliche Mitarbeiter Probleme bekommen, ihre Serviceleistungen aufrechtzuhalten. Der Anteil jener, die sich in ihrer Freizeit unentgeltlich engagieren, liegt seit Jahren österreichweit konstant bei knapp 46 Prozent. Darunter fallen auch Personen (über 15 Jahre), die in Vereinen aktiv sind oder in der Nachbarschaft helfen.

Alterslimit gibt es an sich keines, erst ab 80-plus sinkt der Anteil jener, die Freiwilligenarbeit verrichten, merklich. "Traditionell" sind es eher Frauen als Männer, die sich im karitativen Bereich engagieren. So auch im VinziPort, wo man das Verhältnis 70:30 einschätzt.

Ilse arbeitet seit 3,5 Jahren ehrenamtlich. "Vinzi macht süchtig", erklärt sie lachend. Probleme mit den männlichen Gästen hat sie keine. "Die Herrschaften, die zu uns kommen, sind nach dem Tag auf der Straße so müde. Die essen noch schnell was und um 19 Uhr schlafen die meisten bereits tief und fest."