Mit 31. Juli 1752 wird der Zoo in Wien erstmals urkundlich erwähnt. Im Vergleich zur "Wiener Zeitung" - gegründet 1703 - ist er damit zwar noch immer ein Jüngling, aber ebenfalls ein Weltrekordhalter: Als erster offizieller Tiergarten der Welt genoß er schon damals Berühmtheit.

Jetzt tut er das aufgrund einer Totalreform seit 1991 ganz zu Recht wieder. Seine Einrichtungen gelten als besonders tier- und besuchergerecht. Dazwischen gab es oft recht deprimierende Erinnerungen und Bilder, etwa von apathischen Großkatzen, die in winzige barocke Käfige gesperrt waren und ein erbärmliches Dasein fristeten.

Unbestreitbare Verdienste um den Wandel haben der zu Beginn der 90er-Jahre zuständige schwarze Wirtschaftsminister und spätere Kanzler Wolfgang Schüssel sowie der von ihm betraute rote Reformdirektor für den gesamten Schönbrunner Schlosskomplex, Wolfgang Kippes. Sie setzen den inzwischen längst zur Legende gewordenen Zoodirektor Helmut Pechlaner ein (bis 2007) und starteten zusammen mit vielen anderen ein Monster-Umbauprojekt.

Der Generalplaner und Architekt von damals, Hans Lechner, erinnert sich an die Herausforderung: "Du baust für jemanden, mit dem man ja nicht reden kann. Denn es geht um Attraktionen für das Leben der Tiere und erst in weitere Folge für Menschen."

So entstanden erste spektakuläre Projekte, wie der "Jagdlift" für die Geparden. Lechner: "Man sagte uns, die brauchen für ihre Geschlechtsreife eine ordentliche Laufleistung. Sonst fühlen sie sich und verhalten sich auch wie im Altersheim." Am Anfang fuhr die Seilanlage zur Fütterung nur in eine Richtung. Lechner: "Das durchschauten die Katzen bald und nahmen einfach Abkürzer." Der Architekt war deswegen eine Nacht lang "echt deprimiert". Am Morgen hatte er eine bestechend einfache Lösung: "Der Umkehrschalter. Er ist nicht zum Gaudium für die Menschen gedacht, sondern zwingt einfach die Tiere, ihre Beute zu hetzen."

In "vielen Gesprächen mit Pflegern" fanden sich mehr originelle Lösungen, wie die Lochbleche bei der Tigeranlage. Sie garantieren den Tieren Ruhe: "Das Tigerauge kann da nicht durchschauen, der Mensch schon."

Lechner baute auch den neuen Wirtschaftshof. Dabei wurden ökonomische Lösungen eingeplant, Altbrot gesammelt und beim Grünmarkt Vegetarisches organisiert. Lechner: "Vorher kaufte man Shrimps für Pinguine beim Meinl am Hietzinger Platzl." Unter Pechlaner und den Nachfolgern Dagmar Schratter sowie nunmehr Stephan Hering-Hagenbeck, folgten dann auch noch so manche Panda- und andere Publikum-Hypes.

Das alles war aber nichts gegen die Hysterie, welche vor genau 192 Jahren, am 7. August 1828, Wien erfasste, als die erste Giraffe nach monatelangem Weg hier eintraf. Die Stadt stand kopf. Giraffentorten wurden gebacken, Leute kleideten sich in gefleckte Textilien, Giraffenbälle wurden veranstaltet und die feinen Damen hatten alle Mühe mit ihren kunstvoll aufgetürmten Frisur-Kreaturen "à la Giraffe" in den Kutschen und Droschken Platz zu finden.

Seit ein paar Tagen setzt der Tiergarten erneut auf Giraffen: Sie können nun mittels Aufbauten bei ihrem Gehege von Aug’ zu Aug’ beobachtet und sogar gefüttert werden. Die neue Attraktion bedarf wegen der großen Nachfrage jedoch der Voranmeldung. Kaum bekannt, sind nämlich alle Termine dafür schon wieder auf Monate hinaus ausgebucht.