Obwohl bereits mehrere Ärzte bei ihm eine paranoide Schizophrenie feststellten und er deshalb auch unter Sachwalterschaft stand, verleugnete ein Wiener jahrelang seine Krankheit und verweigerte jegliche Therapie. Im März ging er dann mit einem Messer auf seinen Vater los, weil die Eltern ihn für krank hielten. Die Staatsanwaltschaft Wien hatte beantragt, dass der 26-Jährige aufgrund seiner Krankheit und der von ihm ausgehenden Gefährlichkeit in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden sollte.

Seit seinem 17. Lebensjahr veränderte sich das Wesen des jungen Mannes, der laut Staatsanwalt ein exzessiver Marihuanakonsument war. "Er machte oft komische Äußerungen, etwa vom dritten Weltkrieg und dass wir alle überwacht werden", berichtete sein Vater im Zeugenstand. Bei einem stationären Aufenthalt wurde dann paranoide Schizophrenie diagnostiziert.

Doch eine Therapie lehnte der 26-Jährige immer wieder ab. "Die Eltern haben mich dazu gezwungen", die Psychopharmaka hätten ihm "nicht gutgetan". Eine Depotspritze verbesserte die Situation laut seinem Vater: "Wir sind sogar gemeinsam in den Urlaub gefahren." Doch dann verweigerte der 26-Jährige wieder die Behandlung.

Blutuntersuchungen bei stationären Aufenthalten zeigten, dass der Medikamentenspiegel nicht sehr hoch war. "Wahrscheinlich hat er die Tabletten wieder ausgespuckt", meinte sein Vater. Sogar nach seiner Festnahme verweigerte er die Medikamente in der Justizanstalt Josefstadt.

Zunehmend gewalttätig

Für den 26-Jährigen waren die Maßnahmen "der ärgste Horror, den ich je erlebt habe in meinem Leben", sagte er der Schwurgerichtsvorsitzenden Claudia Zöllner. Auch in der Verhandlung beteuerte er immer wieder, zurechnungsfähig zu sein und "genau gewusst zu haben, was ich getan hab’". Drei Wochen vor der Attacke war der junge Mann bei den Eltern ausgezogen, doch sei er von den beiden immer wieder verfolgt worden. Die neue Wohnung sei von Vater und Mutter ständig aufgebrochen worden, um zu sehen, ob er Drogen nehme.

Laut Staatsanwaltschaft habe sich kurz vor der Attacke auf den Vater "etwas aufgebaut". Im Dezember 2019 wurde ein Kampfmesser bei ihm gefunden, im Jänner 2020 schlug er auf einen blinden Pensionisten in einem U-Bahn-Waggon ein und im Februar ging er auf einen Security-Mitarbeiter in einem Wiener Einkaufszentrum los.

Am 6. März ging er mit einem zuvor in einem Waffengeschäft erworbenem Gartenmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge zum Wohnhaus seiner Eltern in der Donaustadt. Er wollte den Vater umbringen, "als Rache, weil sie mein Leben kaputtmachen, stech’ ich ihn ab", berichtete der Betroffene. Er läutete an und versteckte dabei das Messer hinter seinem Rücken. Wie üblich - die Eltern wollten den oft berauschten Sohn nicht in der Wohnung haben - kam der Vater vor das Haus und wollte ihm Essen und Zigaretten überreichen.

"Wie ich für die Zigaretten in die Tasche greife, hat er mich attackiert. Ich hab’ noch nicht mal gewusst womit. Dass es ein Messer war, hab’ ich erst bei der Polizei erfahren." Der 56-Jährige erlitt laut Gerichtsmediziner Martin Grassberger tiefgehende Verletzungen in Bauch und Rücken sowie einige Abwehrverletzungen. Zum Glück wurden keine vitalen Organe getroffen. Er wollte "eigentlich auch die Mutter" töten, doch das "wär vielleicht wirklich blöd gewesen", gab der 26-Jährige vor Gericht zu.

"Er hat keine Einsicht"

Auch der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann kam zu dem Schluss, dass der 26-Jährige unter paranoider Schizophrenie leide. Weil er jegliche Behandlung ablehne und aufgrund des multiplen Drogenmissbrauchs sei die Gefährlichkeitsprognose "denkbar ungünstig". "Er hat keine Einsicht und es gibt niemanden, auf den er hört", so Hofmann. Die Krankheit sei unheilbar und bedarf einer lebenslangen Behandlung. "Wir sind von einer bedingten Maßnahme unendlich weit entfernt", sagte Hofmann, der die Einweisung empfahl. Die Expertise wurde von dem Betroffenen lautstark kommentiert mit: "Es passt schon, ich bin schizophren!"

Die Geschworenen schlossen sich der Empfehlung an. Der Betroffene protestierte dagegen lautstark. Er wolle in keine Anstalt eingewiesen werden, er habe "nichts gemacht", meinte der Betroffene. "Ich akzeptier’ das sicher nicht." Und weiter: "Kann ich wenigstens keine Medikamente nehmen in dieser Einrichtung. Wieso soll ich Medikamente nehmen, wenn ich gesund bin?" Das Urteil ist nicht rechtskräftig.