Hietzing hat seit Dienstag eine neue Großbaustelle. In der Schrutkagasse, Spohngasse, Veitingergasse und Wambachergasse werden in den nächsten eineinhalb Jahren fast 1,5 Kilometer Wasserleitungsrohre erneuert. Die Abwicklung erfolgt in vier Abschnitten, in den kommenden 19 Monaten muss mit Straßensperren, temporären Einbahnregelungen, Parkverboten und Nacht- sowie Wochenendarbeiten gerechnet werden.

In der Übergangskammer Mauer beim Lainzer Tiergarten kommt die zweite Hochquellenleitung vom Hochschwab an. - © Rösner
In der Übergangskammer Mauer beim Lainzer Tiergarten kommt die zweite Hochquellenleitung vom Hochschwab an. - © Rösner

"Über die Hauptwasserrohre, die im Hietzinger Untergrund verlaufen, wird die Trinkwasserversorgung von fast 25 Prozent der Wiener Bevölkerung gewährleistet", sagt Bezirksvorsteherin Silke Kobald. Um das auch in Zukunft zu gewährleisten und den Verlust von Trinkwasser in den Leitungen zu minimieren, sei eine Erneuerung angezeigt. Schließlich hätte ein Großteil der betreffenden Rohre fast 100 Jahre am Buckel.

"Die Arbeiten betreffen die Transportleitungen. Da muss man das Wasser nicht abdrehen. Das kompensieren wir über das übergeordnete Leitungsnetz. Und selbst wenn es zu kurzen Sperrzeiten kommen sollte, werden die Wasserkunden davon nichts merken", erklärt Paul Hellmeier, Betriebsvorstand der MA31 (Wiener Wasser). Transportleitungen haben nämlich keine direkte Verbindung zu den Kunden, die seien "eine Autobahn ohne Abfahrt", hin zu den 30 Wiener Wasserbehältern, von wo aus das Wasser dann via Versorgungsleitungen und Anschlussleitungen in die Haushalte gelangen würde.

30 Kilometer jährlich

Womit man es bis Ende März 2022 in Hietzing zu tun hätte, seien uralte Stahlgussrohre mit einem Durchmesser von einem Meter. Ausgetauscht werden sie durch moderne metallische Rohre, die dann wieder so 50 bis 100 Jahre halten sollen. "Es kommt immer drauf an, wo die Rohre verlegt sind. Unter Straßen mit einem hohen Verkehrsaufkommen, also großen Erschütterungen, muss früher erneuert werden", sagt Hellmeier.

Jährlich tauscht "Wiener Wasser" rund 30 Kilometer Wasserrohre aus. Den Großteil in eher kleinere Teilstücken, überwiegend in innerstädtischer Lage. Die Baustelle Hietzing sei da schon eine ganz andere Nummer. In der Regel nutze man für derlei Arbeiten Synergieeffekte, meistens mit ebenfalls notwendigen Erneuerungen im Bereich von Gas, Fernwärme oder der Kanalisation. Mindestens 1,5 Meter tief muss man in Wien graben, um auf Wasser oder Gas (gemeint sind natürlich die Leitungen) zu stoßen. Um bis zur Kanalisation vorzudringen, sind weitere 1,5 bis 2,5 Meter notwendig. Rohrleitungen befinden sich in Wien ausschließlich in der Fahrbahn, Gehsteige wiederum werden von den Kabelbetreibern genutzt. Saniert, erneuert und meistens sogar erweitert werden regelmäßig auch Wiens Wasserbehälter - selbst jene, die unter Denkmalschutz stehen. Das historische oberirdische Ensemble bleibt dabei unangetastet, unterirdisch wird die Wasserkammer jedoch kontinuierlich ausgebaut.

95 Prozent der Wiener Wasserversorgung können übrigens rein gravitativ, also das natürliche Gefälle ausnutzend, erledigt werden. Das ist auch der Grund dafür, warum der Großteil der Wasserbehälter im vergleichsweise hügeligen Westen, also "Höhenlagen" der Stadt zu finden ist. Weniger exponiert gelegene Behälter, wie etwa jener in Unterlaa, haben lediglich Speicherfunktion. In der Lobau wiederum erfolgt die Wasserversorgung über ein Brunnenfeld, das jedoch nicht permanent via Pumpsystem eingespeist wird. Auch im Bereich der Wasserbehälter stehen Bauarbeiten an. So soll der Wasserbehälter am Schafberg erweitert werden, für Liesing ist sogar ein Neubau geplant.