Die Umgestaltung der Neubaugasse in eine Begegnungszone ist so gut wie fertig. Zwar fehlen noch die Möblierung und ein Teil der Pflanzen. Die Bodenarbeiten wurden unter großem Politikerauflauf allerdings mit Donnerstag abgeschlossen. Damit kann die zuletzt geteilte Buslinie 13A ab Montag wieder durchgängig und erstmals in beide Richtungen durch die Neubaugasse fahren.

11 Millionen Euro Umbaukosten

11 Millionen Euro kostete der Umbau. Auf einer Länge von 800 Metern wurde die Einkaufsstraße im 7. Bezirk mit hellem Granit und niveaugleich gepflastert. Der Untergrund ist nun entsiegelt und kann Regenwasser aufnehmen. Außerdem sollte mit diversen Maßnahmen der Wohlfühlcharakter der Shoppingmeile gehoben werden. Auf dem gesamten Abschnitt herrscht eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Radfahren ist nun in beide Richtungen möglich, herkömmliche Parkplätze bzw. Gehsteigkanten gibt es nun keine mehr.

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Auffällig ist, dass am Boden trotzdem ein Fahrbahn-Mittelstreifen aufgetragen wurde, der Menschen eventuell vom Spaziergang in der Straßenmitte abhalten könnte. Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) sagte, dass die Markierung nur ein Provisorium sei und bald wieder entfernt werde.

29 Bäume werden noch gepflanzt

Bei der offiziellen Schlusssteinlegung, der u.a. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und seine Vize Birgit Hebein (Grüne) beiwohnten, war aber auch zu sehen, dass in den kommenden Wochen darüber hinaus noch Arbeit ansteht. Ausständig ist etwa noch die Pflanzung der insgesamt 29 neuen Bäume, die wetterbedingt erst im Oktober gesetzt werden können. Auch die Rankgerüste für die schattenspendenden Klettergewächse, Radbügel, zwei Wasserspiele und eine Reihe von Nebelstelen oder die vorgesehenen Sitzmöbel fehlen noch.

"Uns war wichtig, dass der Bus ab dem Schulbeginn wieder fahren kann", erklärte Neubaus Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne). Der 13A war seit Mitte Jänner wegen der Arbeiten geteilt unterwegs. Mit der Baustellenunterbrechung durch den Corona-Lockdown erhöhte sich der Zeitdruck. Trotzdem kann ab Montag eine der meistfrequentierten Linien Wiens dann wieder durchgängig geführt werden - aber in einer neuen Routenführung.

Drei neue doppelseitige Haltestellen

Denn die Umgestaltung macht es möglich, dass der Bus künftig in beiden Fahrtrichtungen in der Neubaugasse unterwegs sein kann. Drei neue doppelseitige Haltestellen bei der Mariahilfer Straße, dem Theater der Jugend und der Burggasse wurden dafür errichtet. Im Vergleich zur früheren 13A-Strecke ersparen sich die Fahrgäste, die Richtung Alsergrund fahren, nun den langen Umweg u.a. über die Windmühlgasse und Mariahilfer Straße.

Ludwig und Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) erinnerten  an die "zähe Partie" der Planungen. Denn seitens des Bezirks bzw. der Kaufleute gab es lange Zeit großen Widerstand gegen den Wunsch der Wiener Linien, den Bus in beide Richtungen durch die Neubaugasse zu schicken. Der Bürgermeister freute sich, dass es nach vielen Gesprächen gelungen sei, alle Beteiligten zufrieden zu stellen. "Alle profitieren davon", ergänzte Hebein.

Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck räumte ein, dass seit dem Zwist um die Verkehrsberuhigung auf der Mariahilfer Straße - die Kammer leistete damals massiven Widerstand - "alle viel gelernt" hätten. Derartige Projekte würden den stationären Handel stärken. Auch Kurt Wilhelm, Obmann der IG Kaufleute am Neubau, meinte, in schöner gestalteten Straßen kauften die Menschen umso lieber ein.

Kogler als Überraschungsgast

Als - im Vorfeld nicht angekündigter - Überraschungsgast tauchte nicht zuletzt Vizekanzler und Grün-Parteichef Werner Kogler bei der Eröffnungsfeierlichkeit auf. Er freute sich, dass insbesondere im vergangenen Jahrzehnt so viel in Wien weitergegangen sei und die Stadt sich in diversen internationalen Rankings auf Platz 1 behauptet habe. "Das kann kein Zufall sein", spielte Kogler wenige Woche vor der Wien-Wahl am 11. Oktober darauf an, dass die Grünen seit zehn Jahren Teil der Rathauskoalition sind.

Teilstück bis Lerchenfelder Straße folgt 2021

Insgesamt ist die Neugestaltung der Neubaugasse allerdings noch nicht abgeschlossen. Jenes Teilstück von der Burggasse in Richtung Josefstadt bis zur Lerchenfelder Straße fehlt noch. Reiter kündigte heute an, dass die Umsetzung dort im kommenden Sommer stattfinden wird. Die Planungen laufen gerade und werden mit Jahresende abgeschlossen sein. Im noch fehlenden Abschnitt soll es dann noch grüner werden als im nun fertiggestellten Teil, versprach der Bezirkschef. (apa)