Durch die insgesamt 34,5 Millionen Euro teure Neugestaltung des Alten Universitätsviertels soll das Areal im Zentrum Wiens vom "Schattenteil der Altstadt" zur Forschungsmeile mutieren. Das erklärten Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und der Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), Hans-Peter Weiss, am Dienstag bei einer Baustellenführung am künftigen "Campus Akademie".

Dabei handelt es sich um das denkmalgeschützte Hauptgebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz, das zusammen mit Gebäuden im Alten Universitätsviertel in der Postgasse saniert und modernisiert zu einem offenen Ort der Forschung- und Wissenschaftsvermittlung werden soll.

In den einstigen Uni-Gebäuden neben der Jesuitenkirche inklusive dem Platz dazwischen sowie Teilen der Bäckerstraße wird seit Jahresbeginn intensiv an der Realisierung des Konzepts des Architekturbüros Riepl Kaufmann Bammer gearbeitet. Für ÖAW-Präsident Anton Zeilinger ist das Vorhaben "eines der wichtigsten Sanierungsprojekte in der Innenstadt".

Im Endeffekt werde ein Wissenschaftszentrum für 1100 Menschen entstehen, das trotz Bauverzögerungen im Zuge der Corona-Epidemie bis zum Frühjahr 2022 - dem 175-Jahr-Jubiläum der ÖAW - fertiggestellt sein soll, wie Weiss betonte. Während das Hauptgebäude eine grundlegende Modernisierung inklusive Ausbau der Veranstaltungsräumlichkeiten erfährt, will man das Ensemble in der Postgasse aus seinem "Dornröschenschlaf" holen, sagte Zeilinger.

Von der Uni-Bibliothek zur Tischtennishalle und zurück

Darunter befindet sich auch die Bibliothek der Alten Universität. Der 240 Quadratmeter große Saal mit seinem barocken Deckenfresko wurde nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 zur Uni-Bibliothek, wechselte dann Anfang des 20. Jahrhunderts zur Postsparkasse (PSK) und war dann jahrelang Tischtennishalle für den Polizeisportverein. Er soll dann von der ÖAW wieder als Wissens-, Studien und Lernort für junge Menschen, vulgo Bibliothek betrieben werden. Dazu wird laut Zeilinger im weiteren Sinne auch der lange vernachlässigte ehemalige Garten der Jesuiten - bisher "die schönste Gstätten im Ersten Bezirk" - gehören.

Diese Ecke der Inneren Stadt kennt Heinz Faßmann spätestens seit seiner Zeit als Jungforscher ab Beginn der 1980er Jahre im Postgasse-Trakt sehr gut. Als "Zeitzeuge" bestätigte der nunmehrige Minister auch den langjährig tristen Zustand des Areals, der nun endgültig ein Ende finden soll. Die Geschichte der Anläufe zur Sanierung sei lang gewesen. Umso erfreuter zeigte sich Faßmann, dass es nun gelinge, mit dem möglichst offenen Wissenscampus eine Art Gegengewicht zu den touristischen Brennpunkten im westlichen Teil der Wiener Innenstadt zu schaffen. Dazu wird auch die neue Begegnungszone in der Bäckerstraße zählen.

Komplettiert wird die laut Weiss neue "Uni- und Forschungsmeile" mit der nahe gelegenen Postsparkasse am Georg-Coch-Platz. Mit der ÖAW, der Uni Linz, der Uni für angewandte Kunst Wien und dem MAK - Museum für angewandte Kunst ziehen in den kommenden Jahren vier Institutionen in das von Otto Wagner geplante Gebäude an der Ringstraße ein. In diesem Ensemble werde die ÖAW auch in den kommenden Jahren den Großteil ihrer derzeit teils weit über die Stadt verteilten Institute räumlich zusammenfassen.

Enge Zusammenarbeit mit Bundesdenkmalamt

Diese in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt durchgeführten Vorhaben "werden die Innere Stadt bereichern", sagte Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP). All das bedeute zwar "viel Bautätigkeit" für die Anrainer, am Ende werde man es aber mit einem vielfach aufgewerteten altehrwürdigen Areal zu tun haben, "wo Richtung Zukunft gedacht wird".