So wie der Hafen Freudenau bekommt jetzt auch der Hafen Albern ein Hochwasserschutztor. Dadurch soll der Getreide- und Baustoffhafen hochwassersicher gemacht und für die Zukunft gerüstet werden, wie Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, Umweltstadträtin Ulli Sima (beide SPÖ) sowie Magnus Brunner (ÖVP), Staatssekretär im Umweltministerium, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz erklärten. In den kommenden Monaten werden Dämme ertüchtigt, Spundwände geschlagen und die Fundamente für das riesige neue Hafentor in Albern gesetzt.

Der Hafen Albern ist neben dem Hafen Freudenau und dem Ölhafen Lobau die dritte große Hafeneinrichtung in Wien. Er zählt zu den wichtigsten Standorten für den Getreide-Umschlag im Osten Österreichs. Auf dem Gelände befinden sich insgesamt fünf große Getreidespeicher mit einer Kapazität von insgesamt 90.000 Tonnen. Auch das Schwergutzentrum (bis zu 450 Tonnen) ist im Hafen Albern angesiedelt. Neben Getreide werden hier auch Baustoffe, landwirtschaftliche Produkte und Stahlerzeugnisse umgeschlagen.

Bis Ende Jänner 2022 soll das schwere Stahltor fertig sein. - © Schneider Consult
Bis Ende Jänner 2022 soll das schwere Stahltor fertig sein. - © Schneider Consult

22 Millionen Euro

"Um den Hafen Albern künftig vor Hochwasser zu schützen investieren wir rund 22 Millionen Euro - gemeinsam mit dem Bund - in das neue Hafentor", erklärte Hanke. Auf diese Weise soll in Zukunft auch bei Hochwassersituationen ein ungestörter Warenumschlag möglich sein und damit den Hafen Wien als Logistikdrehscheibe weiter aufwerten. Szenarien wie beim Hochwasser in den Jahren 2002 und 2013, als das Hafengelände in Albern bis zu über einem Meter unter Wasser stand, sollen also bald der Vergangenheit angehören - wie auch die damals entstandenen Millionenschäden. Und laut der Umweltstadträtin sei es klimabedingt notwendig, sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen. "Aufgrund des Klimawandels werden starke Hochwasserereignisse künftig häufiger vorkommen", meinte Sima. Bereits in den vergangenen Jahren sei der Donauhochwasserschutz massiv ausgebaut worden: So wurde der rechte Donaukanal-Rückstaudamm auf einer Länge von 4,5 Kilometern erhöht sowie eine Verlängerung des Hafenspornes zwischen Donau und Hafenbecken umgesetzt. Mit Errichtung des Hafentors im Bereich Albern erfolge nun ein Lückenschluss.

Laut Fritz Lehr, kaufmännischer Geschäftsführer des Hafen Wien, sei der neue Hochwasserschutz für ein sogenanntes Jahrhundert-Hochwasser mit einer Durchflussmenge der Donau von 14.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgelegt. Ohne Hafentor und ohne Abdichtung des Hafendammes würde bei einer solchen Naturkatastrophe der Hafen bis zu drei Meter unter Wasser stehen.

Die Arbeiten im Alberner Hafenbecken laufen noch bis Ende Jänner 2022, um den gigantischen Stahlriesen planmäßig fertig zu stellen. 30 Meter lang, 14,25 Meter hoch und etwa so schwer wie zwei Blauwale - nämlich rund 250 Tonnen - soll das neue, komplett aus Stahl gefertigte Hafentor werden.

Schiebetor-Prinzip

Um dem riesigen Druck, der mit dem Hochwasser verbunden ist, standzuhalten, hat der Stahlkörper eine Stärke von 2,1 Metern und entspricht der Höhe eines dreistöckigen Gebäudes", sagte Doris Pulker-Rohrhofer, technische Geschäftsführerin des Hafen Wien. Das Hafentor arbeitet nach dem Prinzip eines Schiebetores: Noch bevor ein Hochwasser die Stadtgrenze erreicht, wird das Tor geschlossen. Je nach lokalem Wasserstand dauert es circa 20 bis 30 Minuten, bis das mächtige Tor den Hafen dichtmacht. Den Wasserstand innerhalb des geschützten Hafenbeckens regelt danach ein eigenes Pumpwerk. Drei große Tauchpumpen ermöglichen ein Abpumpen von rund zwei Kubikmeter Wasser pro Sekunde, hieß es am Mittwoch.(rös)