Wirklich Geld hatte er zumindest früher nie. Aber Oscar Bronner (77) ist ein echter Unternehmer: Er hatte Mut, seinen ihm eigenen Idealismus, das nötige Quäntchen Glück und offenbar auch zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Ideen am richtigen Ort. Vor allem aber konnte Bronner für seine Projekte immer auch andere Unentwegte begeistern und sie mit reißen - auch wenn wieder andere ihn genau des selben Einfalls wegen für verrückt erklärten.

"Guten Tag, mein Name ist Oscar Bronner." Heute ist der geniale Zeitungsgründer wieder "nur" Künstler. - © Paul Vecsei
"Guten Tag, mein Name ist Oscar Bronner." Heute ist der geniale Zeitungsgründer wieder "nur" Künstler. - © Paul Vecsei

Immer, wenn Österreichs Printmedienlandschaft in der Zweiten Republik ganz dringend frische Luft brauchte, war Bronner mit einer Idee zur Stelle. Ihm ging es in einer Zeit wachsender Dominanz des "Boulevards" aber immer nur um Qualitätsmedien. So setzte er ab 1970 Kontrapunkte in die österreichische Szene.

Bis dahin hatte sich der gut in der Wiener Intellektuellenszene verankerte Bronner als Schreiber bei "Arbeiter-Zeitung", "Express" und "Kurier" verdingt. Den Vater, Kabarett-Legende Gerhard Bronner (1922 bis 2007), unterstützte er mit Recherchen und Ideen für dessen Sketches. Mit Beiträgen für die legendäre Fernsehsendung "Zeitventil" setzten Vater - vor der Kamera mit seinem Kabarett-Kompagnon Peter Wehle (1914-1986) - und Sohn - vorwiegend im redaktionellen Hintergrund - so manche Aufdecker-Story ins Bild. So wurde 1965 auch durch die Sendung der öffentliche Protest gegen die antisemitischen Ausritte des Nazi-Universitätsprofessors Taras Borodajkewycz befeuert. Auch daran hatte "Ossi" Bronner seinen Anteil.

Um 1970 aber hatte Oscar Bronner eine seiner Ideen: In Gesprächen in der "Kurier"-Kantine und im Café Hawelka beklagten Kollegen das Fehlen eines "Spiegel" im Land. Also gründete Bronner prompt "profil".

Ohne Geld bedurfte das vorher einiger Zwischenschritte. Ein Fundament bot Bronners Gründung einer Werbeagentur. Der Gebrauchsgrafiker hatte immer schon ein besonderes Marketing-Talent. Rasch erkannte er die Marktlücke für ein Wirtschaftmagazin. Mithilfe des Freundes und späteren tschechischen Außenministers und Vaclav-Havel-Kanzlers Karl Schwarzenberg wurde das Magazin "trend" geschaffen. Es erschien im Jänner 1970. Der riesige Publikumserfolg bot Bronner mit einer gewagten Konstruktion die Geburt des eigentlichen Projektes ab September 1970: "Mir ging es immer um das ‚profil‘", sagt er heute.

Das neue Polit-Magazin schlug in der österreichischen Öffentlichkeit ein wie ein Bombe. Ein Aufdecker-Titel jagte den anderen. Beschlagnahmungen sorgten für zusätzliche Popularität. An einer der Verteilerstellen am Westbahnhof bildeten sich am Vorabend des Erscheinungstages lange Schlangen, um ganz sicher ein Exemplar ergattern zu können.

Die etablierte Verleger-Konkurrenz erwachte. "Sie begannen mich sturmreif zu schießen", erzählte Bronner. Nach vier Jahren schaffte der "Kurier" eine Art feindliche Übernahme. Bronner: "Ich musste die Mehrheit verkaufen" - aber nicht, ohne vorher seien treuen und bis zuletzt verbliebenen Mitarbeitern 42 Prozent der Anteile zu schenken.

Der enttäuschte Bronner wandte sich sofort einem anderen Lebenstraum zu. "Ich wollte immer Maler und Künstler sein und in New York arbeiten." Also schloss er vorerst das Kapitel Wien und den Zeitungsmarkt. "Ich habe immer nur nach vorne geschaut." Als die Waldheim-Affäre 1986 ausbrach, begann sich Bronner in Amerika über die mangelnde Qualität in der heimischen Berichterstattung zu ärgern. Dem folgte wieder die Tat mit der Gründung einer Tageszeitung. Wieder nur mit guten Ideen und einer rosa ausgeklügelten Strategie. Davor waren in Österreich reihenweise Tageszeitungen eingegangen. Wieder erklärten viele Bronner einfach für verrückt.

Im Medien-Establishment aber und in den Machtzentren war man mit Erinnerungen an die Gründung von "profil" gewarnt. Also bekämpfte man über Bankeneinflüsse das Projekt.

In Österreich fand sich also nicht genug Geld. Doch am 19. Oktober 1988 hob Bronner mit seinem Team um Gerfried Sperl den "Standard" aus der Taufe. Ausgerechnet der konservative deutsche Springer-Verlag ließ sich durch Bronner zu einem liberalen Zeitungsprojekt überreden und trug es auch lange begeistert mit.

Dann wechselten die Partnerschaften. Wann immer es so aussah, als wäre die "Bronner GmbH" am Ende, hatte er, oft im letzten Moment, eine gute Idee. Bronners Verhandlungsgeschick kam ihm immer zu Gute. Dabei ist er selbst alles andere als diplomatisch. Seine ungeschminkte und direkte Ausdrucksweise kann durchaus auch verletzen. Doch verfügt er auch über herben Charme und vor allem einen unglaublichen (jüdisch-wienerischen) Humor.

Vor einiger Zeit hat er sich wieder auf sein künstlerisches Schaffen zurückgezogen und dem ältesten Sohn (Bronner hat drei Kinder) die "Standard"-Führung übertragen. Seine persönliche Werbewirksamkeit mit sonorer Stimme wird weiter gezielt eingesetzt: "Guten Tag, mein Name ist Oscar Bronner" ist ein Markenzeichen.

Er gibt sich nun abgeklärt und schließt aus, nochmals ins Mediengeschäft zurückzukehren. Aber wer weiß, vielleicht ärgert ihn etwas und es braucht einen Mann mit einer guten Idee.