16 Jahre lang hat sie das größte Society-Event des Landes organisiert: Lotte Tobisch (1926-2019) wurde als "die" Opernball-Lady zur Legende. Der "Grande Dame" der Wiener Gesellschaft konnte auch keine ihrer Nachfolgerinnen das Wasser reichen. Tobischs Eleganz und ihr prägender Stil entsprachen ihrem Wesen und waren niemals aufgesetzt. Das oft recht neureiche Getümmel nahm Tobisch, die aus einer Adelsfamilie stammte (Lotte Tobisch von Labotyn), mit dem ihre eigenen Witz.

Tobisch selbst war dabei nie abgehoben. Sie war sozial sehr wach und engagiert. Und sie war blitzgescheit. Mit dem linken Philosophen, Soziologen und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno führte sie über Jahre einen intensiven Briefwechsel. Die Korrespondenz hat die im vergangenen Oktober im Badener Künstlerheim im Alter von 93 Jahren Verstorbene der Wien-Bibliothek vermacht.

Dem Wien Museum zeigte sich Tobisch immer sehr verbunden. Im August wurde dort stolz auf einen Teil des Nachlasses verwiesen, den die Opernball-Lady dem Museum vermacht hat. Drei Bilder, darunter ein Porträt der verstorbenen Schauspielerin aus dem Jahr 1947. Es war von Josef Dobrowski gemalt worden.

Diese Reminiszenz und der Schulstart in Österreich haben auch beim Autor dieser Zeilen eine Erinnerung wachgerufen: Vor drei Jahren zu Schulbeginn erzählte mir Tobisch im Gespräch von ihrem ganz persönlichen Schulstart und ihrer weiteren Karriere als Schülerin. Die Anekdoten zeigen, wie wenig angepasst die spätere Opernball-Lady eigentlich von Kindheit an war:

"Mit Schrecken" erinnerte sich die spätere Opernball-Lady an den Beginn ihrer Zeit hinter der Schulbank. Diese fiel in die 30er- und 40er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. "Ein Zeit, die ich nicht habe leiden können", sagte sie.

Der erste Schultag im noblen Sacre Coeur am Rennweg in Wien war zwar noch "eine sehr feierliche große Sache". Doch schon bald folgte in einer Ära, als man noch mit Federkiel und Tintenfass schreiben lernte, eine klerikal geprägte Ernüchterung für die kleine Lotte: "Das liebe Jesulein wird sich aber kränken, wenn Du so viele Tintenpatzer machst", mahnte die geistliche Schwesteroberin (Soeur superieure). Sie bekam jene frühreife Antwort, welche jegliche Ausbildung im Sacre Coeur prompt beendete: "Da kann man halt auch nix machen", konterte die achtjährige Lotte selbstbewusst.

"Das ist mir bis heute geblieben, dass ich mir kein Blatt vor den Mund nehme", erzählte Tobisch damals weiter. "Gegen jeden Schuldrill habe ich mich gleich zur Wehr gesetzt. Vor allem in der Nazizeit habe ich gegen alles in diese Richtung die Haare aufgestellt." Dennoch sei sie letztlich "immer durchgekommen, denn Lernen war mir doch zeitlebens wichtig".

Die glücklichste Zeit ihres Schülerlebens verbrachte Tobisch schließlich in der Waldorf-Schule "Schloss Marquardtstein" in Oberbayern. Dieser Lebensabschnitt als Teenager "war wirklich wunderbar". Die Matura erreichte Lotte Tobisch schließlich doch nicht. "Denn da kam leider der Krieg dazwischen." Die Lebensschule absolvierte die Grande Dame als unerreichte Opernball-Organisatorin mit besonderer Reife.