In den vergangenen Jahren hat man beim Verein Wiener Frauenhäuser (VWF) festgestellt, dass Smartphones und soziale Medien gewaltbereiten Männern neue Möglichkeiten bieten, Frauen zu überwachen, zu kontrollieren, zu beschämen, zu bedrohen oder wirtschaftlich zu schädigen.

Die von Frauenstadträtin Kathrin Gaal in Auftrag gegebene und nun veröffentlichte Studie "Cybergewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen" bestätigt diese Feststellung. "Hier handelt es sich definitiv um eine neue Gewaltform gegen misshandelte Frauen, die ihre Situation - oft auch nach einer Trennung - noch schwieriger macht", erklärte Andrea Brem, Geschäftsführerin des VWF, am Mittwochabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Meist sei Cybergewalt eine Fortsetzung oder eine Ergänzung zu "analoger", physischer und psychischer Gewalt - gerade in Gewaltbeziehungen. "Das ist sehr beängstigend, weil die Gewalt nicht mehr nur in den eigenen vier Wänden stattfindet, sondern eine unbegrenzte Reichweite hat", sagte die Studienautorin Elfriede Fröschl. Betroffene Frauen seien sozusagen eingebettet in ein "Kontinuum der Gewalt": "Was früher eine private Angelegenheit war, kann heute innerhalb von Sekunden an eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt gesendet werden", heißt in der Studie.

Im Zuge der Studie wurden 140 von Gewalt betroffene Frauen zu dem Thema befragt. Ergebnis: 61 Prozent der Frauen gestatteten scheinbar "freiwillig" den Zugriff auf Smartphone, Tablet oder Computer. Und zwar "freiwillig" oft deswegen, um ihren Partnern zu beweisen, dass sie nichts zu verheimlichen hätten - und in der Hoffnung, dass sie weniger kontrolliert werden. Darüber hinaus wurden viele Frauen daran gehindert, andere Menschen anzurufen. 59 Prozent der von Cybergewalt betroffenen Frauen gaben an, dass ihre Aktivitäten im Internet kontrolliert werden. Die Hälfte gab an, dass ihr Partner ihr Profil überwachte bzw. das Mobiltelefon dazu benutzte, sie zu überwachen. 57 Prozent bekamen gegen ihren Willen E-Mails oder andere Nachrichten, 46 Prozent gaben an, dass ihre (Ex-)Partner "schlimme" Gerüchte über sie mittels digitaler Medien verbreitete. Und mehr als 40 Prozent waren von Einschüchterung, Bedrohung oder Erpressung durch E-Mails oder Textnachrichten betroffen. Die rechtlichen Möglichkeiten, gegen Täter vorzugehen, seien begrenzt. Es herrsche nach wie vor fehlendes Bewusstsein - auch innerhalb der Justiz, wie die Vorsitzende des VWF, Martina Ludwig-Faymann ausführte. Deswegen sei es auch wichtig, dass betroffene Frauen etwa per Screenshots Beweise sammeln.

Neue Kompetenzstelle

Hilfe im Umgang mit Cybergewalt soll ab sofort auch eine neue Kompetenzstelle der Stadt bieten: IT-Sicherheitsspezialisten der Stadt arbeiten jetzt eng mit dem 24-Stunden Frauennotruf und den Wiener Frauenhäusern zusammen, wie Gaal erklärte. Sie springen dort ein, wo Beraterinnen an ihre technischen Grenzen stoßen und spezialisiertes IT-Wissen benötigt wird - etwa um gelöschte Dateien wiederherzustellen bzw. werden auch Fälle strafrechtlich analysiert, um sie gegebenenfalls an die Polizei weiterzuleiten.