Schwechat, Groß-Enzersdorf und Kaltenleutgeben - diese drei Gebiete im Wiener Umland sollen in den kommenden Jahren durch einen Straßenbahnausbau verkehrstechnisch erschlossen werden. Die Pläne dafür werden nun erstmals konkret: Bis 2023 soll eine neue Linie vom Zentralfriedhof bis Schwechat entstehen, die Kaltenleutgeber-Bahn soll ab 2026 auf der bereits vorhandenen Gleisstraße vom Bahnhof Liesing wieder ihren Betrieb aufnehmen und die Linie 25 wird in Zukunft bis nach Groß-Enzersdorf fahren. Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) betont, dass man bereits in Gesprächen mit niederösterreichischen Kollegen sei. Gemeinsam habe man auch schon die Planungsgemeinschaft Ost beauftragt, ein Konzept für die Umsetzung zu erarbeiten. Die Prüfung soll bis zum Frühjahr abgeschlossen werden. Klar sei jedoch, dass Wien nicht alleine für die Kosten aufkommen könne. "Wenn es grenzüberschreitende Projekte gibt, dann wird natürlich eine Co-Finanzierung der betroffenen Länder eine Rolle spielen", bestätigt Sima.

Aus Niederösterreich kamen am Freitag auch prompt positive Signale. Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) versicherte, dass man den Plänen offen gegenüberstehe. Gemäß einer Expertenschätzung rechne man mit Baukosten von rund 400 Millionen Euro, dazu kämen noch jährliche Bestellkosten des Verkehrsangebots in Höhe von 40 Millionen Euro. "Welche Kosten hier durch die Nahverkehrsmilliarde des Bundes finanziert werden können, wie man die Angebotsbestellung organisiert und viele weitere Fragen müssen jetzt beantwortet werden", so der niederösterreichische Landesrat.

"Wunder-Wuzzi" Straßenbahn

Neben dem geplanten Ausbau in das Wiener Umland stehen noch zehn weitere Projekte (eines davon bereits realisiert) in den Startlöchern. Der Fokus liegt auf der Entwicklung und Erweiterung der Gebiete rund um den Nordbahnhof, den Nordwestbahnhof und die Seestadt Aspern.

Bis 2029 sollen dadurch insgesamt bis zu 900 Millionen Euro in die Erweiterung des Straßenbahnnetzwerkes fließen. Rückenwind für einen geplanten Straßenbahnausbau könnte eine am Freitag gemeinsam mit Ulli Sima präsentierte Studie des Wiener Standortanwaltes Alexander Biach (ÖVP) bringen. Denn Biach attestiert dem Straßenbahnausbau ein hohes Job- und Wertschöpfungspotenzial. "Straßenbahnen sind die Wunder-Wuzzis schlechthin", bekräftigt er die Ergebnisse der Studie. Sie würden nicht nur zur Ankurbelung der Wirtschaft beitragen, sondern auch ökologische und konsumtechnische Aspekte bedienen.


Ihr Browser kann leider keine SVG-Grafiken darstellen!

28 Linien mit 220 Kilometern Gesamtbetriebslänge transportieren pro Jahr rund 300 Millionen Fahrgäste durch die Bundeshauptstadt. Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum: Rund eine Milliarde Wertschöpfungszuwachs und über 5000 neue Arbeitsplätze wurden durch den Straßenbahnausbau in den letzten Jahren geschaffen. Laut den Ergebnissen der Studie würden bereits durch die Bauphase der bis 2029 geplanten Projekte Effekte von 538,5 Millionen Euro auf das Bruttoregionalprodukt Wiens und über eine Milliarde auf das Gesamtbruttoinlandsprodukt in Österreich erzielt werden.