Ein besonderes Fundstück aus dem realen Leben im waschechten öffentlichen Dienst fand dieser Tage die "Wiener Zeitung" im Palast des Vizekanzlers. Das ehemalige Zentralgebäude der Länderbank (bis 1919), das nach Plänen von Otto Wagner in der Hohenstaufengasse errichtet wurde, dient heute als Ministerium für "Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport".

Beim Rundgang im historisch besonders bedeutsamen Architekturjuwel sprang ein deutlicher Hinweis an der Außentüre einer Kanzlei dem Besucher ins Auge: "Jammern und meckern verboten!" steht da in dicken Lettern. Zur Ehrenrettung von Ministerium und den Beamten hinter dieser Türe, die das Schild affichierten muss allerdings gesagt sein: Das ist keine bürgerfeindliche Botschaft! Vielmehr richtet sie sich im Beamtenapparat an Ihresgleichen. Denn hinter dieser Türe gibt es weniger Parteienverkehr. Der Hinweis richtet sich also zur Ermunterung von möglicherweise etwas schlaffen Mitarbeitern in der Kollegenschaft.

Kurz nachdem die Besuchertruppe im Haus auf das Schild gestoßen war und es mit maximalem fotografischen Interesse bedacht hatte, soll "von oben" die sofortige Entfernung veranlasst worden sein. Noch ist das nicht verifiziert. In der verwaltungstechnischen Führung der Beamtenschaft dürfte es offenbar nicht allzu viel Humor für so etwas geben. Deshalb wird jetzt wohl wieder mehr gejammert und gemeckert in diesem Ministerium.