Nach dem Vorbild der schwimmenden Gärten von Paris hat die Stadt Wien am Donaukanal eine neue "Chill-Area" und Erholungszone zur kostenlosen Nutzung geschaffen: Am Donnerstag sind die Wiener "Schwimmenden Gärten" am Donaukanal eröffnet worden. Aber geschwommen wird dort eher nicht. Die neue Erholungsfläche im Bereich zwischen Augarten- und Salztorbrücke besteht aus Platten, die zwischen dem Ufer und einem ehemaligen Schleusenbauwerk im Kanal eingezogen wurden. Die insgesamt 1.500 Quadratmeter große Fläche wurde bepflanzt und mit Sitz- und Liegegelegenheiten ausgestattet.

Laut Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) betrug die Bauzeit drei Monate. Sie verwies aber auch darauf, dass das Projekt an sich etwas längere Zeit in Anspruch nahm, es wurde immerhin bereits 2015 angekündigt. Ein Rechtsstreit mit einem Pächter der Fläche zog sich jedoch Jahre, berichtete die Stadträtin.

Auch die ursprüngliche Idee von schwimmende Pontons, für die vergleichbare Anlagen in Paris als Vorbild dienen sollten, konnte nicht realisiert werden, erzählte Sima. "Es hat sich nicht ganz so leicht umsetzen lassen, wie ich mir das vorgestellt habe", resümierte die Ressortchefin. Nun zeigte sie sich aber höchst zufrieden mit dem Ergebnis. Man habe einen neuen Aufenthaltsbereich am Donaukanal geschaffen, betonte sie. Die Brückenkonstruktion ist großteils mit Geländern gesichert und frei zugänglich. Die Kosten für das Projekt wurden heute mit 3,5 Millionen Euro beziffert. Da gerade in diesem Abschnitt des Donaukanals kaum Grünflächen, sondern viele Betonflächen das Bild prägten, sei der neue innerstädtische Grün- und Erholungsraum besonders wertvoll, meinte Sima. Der Bau war technisch durchaus eine Herausforderung. Einige der Teile wurden sogar per Schiff angeliefert.

Fundamente 30 Meter tief

Die Fundamente für die Brücke wurden bis zu 30 Meter tief in den Boden versenkt. Die Arbeiten erfolgten zudem in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt.

Denn als Basis der Chill-Terrasse fungiert ein historisches Bauwerk, die sogenannte Kaiserbadschleuse. Der Name bezieht sich laut Stadt auf das Kaiserbad, das sich dort einst befand und 1899 abgebrochen wurde. Die Kaiserbadschleuse sollte ursprünglich den Betrieb eines ganzjährigen, innerstädtischen Umschlaghafens im Donaukanal ermöglichen. Deshalb sollten außer der Schleuse Nussdorf, die bis heute besteht, noch drei weitere Staustufen gebaut werden. Als einzige der drei geplanten Staustufen wurde jedoch nur die Kaiserbadschleuse realisiert. Obwohl die Schleuse nie in Betrieb ging, blieb das auf der gegenüberliegenden Seite situierte Schleusengebäude von Otto Wagner, das sogenannte Schützenhaus, erhalten.