Victor Tilgner (1824 bis 1896) gilt als einer der wichtigsten Steinbildhauer. Er prägte in der Gründerzeit mit seinen Denkmälern das Wiener Stadtbild nachhaltig. "Er ist der Hauptvertreter des Neobarock innerhalb der Plastik der Wiener Ringstraße", liest man über ihn im Nachschlagwerk Wikipedia.

Er schuf unter anderem das Rubens-Denkmal an der Fassade des Künstlerhauses, die Bruckner- und Makart-Statue und verewigte zahlreiche Dichter, von Shakespeare, über Goethe und Schiller bis Grillparzer als bekannte Skulpturen in der Wiener Innenstadt.

Kaiser Franz Joseph war so von Tilgner begeistert, dass er ihn mit Aufträgen in Bad Ischl, Mayerling, bei der Hermesvilla am Stadtrand, und mit Gestaltungen bei den beiden großen Museumsbauten an der Ringstraße beauftragte.

Auch dutzende Abbilder der Vertreter der damaligen Wiener Medizinischen Schule mit Weltgeltung in der Poliklinik sind von Tilgners Künstlerhand gezeichnet.

Eines seiner Hauptwerke ist aber ohne Zweifel die große, aus weißem Marmor gemeißelte Figur des gleichnamigen Komponisten auf dem Podest des Mozartdenkmals, das heute den Wiener Burggarten ziert. Konzipiert und zunächst auch dort aufgestellt wurde die Statue 1896 aber an einem ganz anderen Ort: Zwischen Albertina und dem heute noch existenten Café Mozart - etwa gegenüber von jenem Bereich, wo heute der Eingang zu Alfred Hrdlickas "Denkmal der Republik" situiert ist.

Tilgner sollte weder die erste Aufstellung seiner Statue noch deren spätere Transferierung an einen anderen Ort persönlich erleben. Er verstarb wenige Tage vor der allerersten Enthüllung seines Meisterwerkes.

Etwa um 1903 gab es Pläne, den Wolfgang Amadé im Stadtpark aufzustellen. In der Nähe jener Stelle, wo heute der goldene Walzerkönig Johann Strauss mit seiner Fidel ein millionenfaches Fotomotiv für Wien-Besucher bietet. Der "Wiener Zeitung"-Autor, Archivar und Verfasser mehrerer historischer Sachbücher, Thomas Hoffmann, hat dazu auf der Titelseite des "Neuen Illustrirten Extra-Blattes" vom 9. April 1903 sogar eine Visualisierung entdeckt und in einem Beitrag im "Extra" im September 2018 ausführlicher beschrieben. Die Stadtpark-Idee wurde rasch wieder verworfen.

Das fast acht Meter hohe Denkmal vor der Albertina hatte 1896 der Architekt Karl König konzipiert. Er war der Planer des dort errichteten Philipphofs. In dem zu trauriger Berühmtheit gelangten Gebäude und seinen Kellern sollten am 12. März 1945, kurz vor Kriegsende hunderte Frauen, Kinder, Männer und Versehrte bei einem Bombenangriff zu Tode kommen. Zahlreiche Opfer sind noch heute dort in der Tiefe unter den eingeebneten Trümmern begraben. Es waren so viele, dass man sie einfach dort ruhen ließ.

Auch das Mozartdenkmal erlitt bei der Bombenattacke Beschädigungen. Es wurde weggeschafft und jahrelang restauriert. Im Juni 1953 erblickte es dann im Burggarten wieder das Licht der Welt. Die Statue wurde neuerlich enthüllt und steht nun so gut platziert, als wäre es von jeher für diesen Platz geplant gewesen.