In Wien ist von Freitag auf Samstag der bisher höchste Tagesanstieg an Coronavirus-Infektionen seit Ausbruch der Pandemie registriert worden. 474 Fälle kamen in den vergangenen 24 Stunden dazu, wie aus den vom medizinischen Krisenstab der Stadt gemeldeten Zahlen hervorgeht. Das Gesundheitsministerium sprach von einem alarmierenden Plus bei den Neuinfektionen von 2,3 Prozent zum Vortag. Die bisherige Höchstmarke lag bei 444 neuen Infektionen, die am 12. September gemeldet wurden.

Die Zahl der "aktiven" Fälle ist im Vergleich zum Vortag ebenfalls etwas gestiegen. Nach 4.408 Kranken am Freitag waren es am Samstag, Stand 8.00 Uhr, 4.448. Insgesamt gab es in der Bundeshauptstadt bis dato 17.161 positive Testresultate. Außerdem sind zwei Frauen im Alter von 95 und 91 Jahren im Zusammenhang mit dem Virus verstorben. Damit gibt es nun 255 Todesfälle. 12.458 Personen sind inzwischen wieder genesen.

Österreichweit wurde am Samstag mit 1.058 neuen bestätigten Sars-CoV-2-Fällen die zweithöchste Anzahl an Neuinfektionen in Österreich binnen 24 Stunden seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Der Höchstwert datiert vom 26. März und lag bei 1.065 neuen Fällen.

"Besorgniserregende Zahl"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober sprach in einer Aussendung von einer "besorgniserregend" hohen Zahl an aktuellen Neuinfektionen in Österreich. Er rief dazu auf, die Stopp-Corona-App zu installieren, die immer besser funktioniere.

Die Zahl der insgesamt positiven Testergebnisse stieg auf 47.432, berichteten Innen- und Gesundheitsministerium. "Das hängt heute nicht an einer besonders hohen Zahl an Testungen - diese war mit 15.456 in den vergangenen 24 Stunden eingemeldeter Tests durchschnittlich", erläuterte Anschober. Es gebe nach einer ersten Analyse "besonders viele positive Testergebnisse bei Personen der Kategorie 1. Das sind Personen, die als engere Kontaktpersonen anderer positiv Getesteter bereits vor der Testung abgesondert waren. Das heißt, dass es sich zum Teil um ein Anwachsen bestehender bekannter Cluster handelt", betonte Anschober.

Neben Wien wurden besonders hohe Zuwächse aus drei weiteren Bundesländern gemeldet. Niederösterreich meldet 191 Neuinfektionen, Tirol 126 und Oberösterreich 111. Anschober appellierte vor allem an die Stadt Wien, durch eine rasche, massive Personalaufstockung sicherzustellen, damit die Vorgabe von 48 beziehungsweise 24 Stunden maximaler Zeitdauer für Testungen und Kontaktpersonenmanagement auch eingehalten werden könne. "Nur wenn Testungen und Kontaktpersonenmanagement rasch durchgeführt werden, kann die Ausbreitung rasch begrenzt werden."

Mehr Intensiv-Patienten

Mit Stand von Samstag (9.30 Uhr) sind österreichweit 809 Personen an den Folgen des Coronavirus verstorben und 38.045 genesen. Die Zahl der aktuell bestätigten Corona-positiven Fälle lag somit bei 8.578. Am Freitag hatte sie noch 8.385 betragen. Auch bei den Hospitalisierungen waren Zuwächse zu verzeichnen. Der Gesamtwert lag am Samstagvormittag mit 494 um rund 17 Prozent höher als vor einer Woche. Darunter war die Zahl an Patienten in intensivmedizinischer Betreuung mit 97 im Wochenvergleich um 21 Prozent höher. Mehr als die Hälfte der Intensivpatienten (54) wurden in Wien verzeichnet.

"Positiv ist, dass die aktuellen statistischen Auswertungen auch zeigen, dass die Stopp-Corona-App des Roten Kreuzes mit steigenden Infektionszahlen nun auch immer mehr Warnungen durchführt", berichtete Anschober. "Nach einem schleppenden Beginn haben mittlerweile bereits über 1.800 Menschen, die erkrankt sind, ihre Kontakte über die App gewarnt. Mein Appell geht daher an die gesamte Bevölkerung, diese nun offensichtlich gut funktionierende Unterstützung des manuellen Kontaktpersonenmanagements auch selbst zu installieren", sagte Anschober.

Zuwächse in Nachbarländern

Dramatisch seien die aktuellen Zuwächse bei einigen Nachbarn: Tschechien verzeichnete mit einem Plus von 5,1 Prozent einen Tageszuwachs von 3.796 neu bestätigten Fällen, die Slowakei lag bei einem Plus von 6,2 Prozent, Ungarn bei plus 4,8 Prozent. Österreich rangierte bei der Sieben-Tages-Inzidenz laut Daten des Innenministeriums mittlerweile bei einem Wert von 56,2. Mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab es in Wien (113,0), Tirol (52,7) und Vorarlberg (50,4).

Während etwa die Beschränkung der Personenzahl bei Events die Kontaktnetzwerke der Österreicher wieder leicht reduziert, stiegen die Covid-19-Zahlen zuletzt weiter auf höherem Niveau. Der Simulationsforscher Niki Popper erwartete im APA-Gespräch eine leichte Entspannung, wenn die wichtigen Faktoren "Kontaktreduktion" und "Kontaktnachverfolgung" zusammenspielen und warnte zugleich vor dem Zeitpunkt, an dem das Tracing nicht mehr nachkommt. Der Forscher mahnte zu rascherem Testen, Tracen und Isolieren.

Eine Mehrheit der Österreicher sprach sich unterdessen dafür aus, die Sperrstunde in der Gastronomie bei steigenden Corona-Infektionszahlen auf 22.00 Uhr zu verlegen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Unique research für das Nachrichtenmagazins "profil" hervor. 27 Prozent der Befragten halten diese Maßnahme demnach für sehr sinnvoll, 25 Prozent für eher sinnvoll. Einige westliche Bundesländer hatten die Sperrstunde in der Gastronomie bereits im September auf 22.00 Uhr vorverlegt. (apa)

In Wien ist von Freitag auf Samstag der bisher höchste Tagesanstieg an Coronavirus-Infektionen seit Ausbruch der Pandemie registriert worden. 474 Fälle kamen in den vergangenen 24 Stunden dazu, wie aus den vom medizinischen Krisenstab der Stadt gemeldeten Zahlen hervorgeht. Die bisherige Höchstmarke lag bei 444 neuen Infektionen, die am 12. September gemeldet wurden.

Die Zahl der "aktiven" Fälle ist im Vergleich zum Vortag ebenfalls etwas gestiegen. Nach 4.408 Kranken am Freitag waren es am Samstag, Stand 8.00 Uhr, 4.448. Insgesamt gab es in der Bundeshauptstadt bis dato 17.161 positive Testresultate. Außerdem sind zwei Frauen im Alter von 95 und 91 Jahren im Zusammenhang mit dem Virus verstorben. Damit gibt es nun 255 Todesfälle. 12.458 Personen sind inzwischen wieder genesen.

Österreichweit wurde am Samstag mit 1.058 neuen bestätigten SARS-CoV-2-Fällen die zweithöchste Anzahl an Neuinfektionen in Österreich binnen 24 Stunden seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Der Höchstwert datiert vom 26. März und lag bei 1.065 neuen Fällen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte die Lage in Östereich zuletzt als stabil bezeichnet. Die Anzahl der Neuinfektionen sei aber "zu hoch": "Es geht dabei nicht nur um den Gesundheitsschutz, das alles hat vehemente Auswirkung auf unsere Wirtschaftsentwicklung", sagte Anschober. Er will daher in den kommenden ein bis zwei Monaten eine Halbierung der Fälle erreichen: "Wir müssen runter mit diesen Zahlen." Erreicht werden soll das vor allem durch zusätzliche regionale Maßnahmen.

"Rekordwerte an Testungen"

Anschober erklärte, dass die derzeitigen Infektionszahlen nicht mit jenen aus dem Frühling verglichen werden können. Denn mittlerweile gebe es österreichweit "Rekordwerte an Testungen". Habe man im Frühjahr noch 4.000 bis 5.000 Tests täglich durchgeführt, so liege man nun bei bis zu 22.000 Tests. "Die Testzahlen laufen in die richtige Richtung", sagte der Gesundheitsminister.

Im September wurden rund 438.000 Tests durchgeführt, davon waren 15.373 positiv. Mit 8.024 Fällen entfiel knapp die Hälfte auf Wien. In der Bundeshauptstadt wurde mit Abstand auch am meisten getestet: 146.043 Mal, das sind 34 Prozent aller Tests. Rund die Hälfte der Gesamtfälle lässt sich laut der Agentur für Ernährungssicherheit Clustern zuordnen. "Die Haushaltscluster dominieren noch immer", sagte Epidemiologin Daniela Schmid, Sprecherin der Corona-Kommission.