Paketlieferungen haben in Wien stark zugenommen - und zwar nicht erst seit Corona. Während vor allem durch den Onlinehandel die Zahl der versandten Packerl steigt, zerbrechen sich Experten den Kopf darüber, wie man das Ganze effizienter und somit auch umweltfreundlicher gestalten könnte.

Allein 2019 gab es in Wien ein Plus von neun Prozent bei den Sendungen im Vergleich zum Vorjahr. In Zahlen waren es knapp 96 Millionen Packerl, die ausgeliefert wurden. 2025 werden es Schätzungen zufolge bereits 150 Millionen sein. Deutschland liegt bei Kurier-Express-Diensten mit 32 gelieferten Paketen pro Kopf und Jahr weltweit im Spitzenfeld. Zum Vergleich: Ganz Österreich liegt im Durchschnitt bei 18 Paketen. Wien wiederum hält bei 36 Paketen.

"Kampf dem gelben Zettel!", sagte der Wiener Standortanwalt Alexander Biach bei einem Mediengespräch am Freitag. Gemeint ist jener Zettel, der bei Nicht-Anwesenheit eines Lieferkunden hinterlegt wird, um einen weiteren Zustellversuch zu kommunizieren oder anzugeben, wo das Packerl abzuholen ist. Dieser Zettel bedeutet nämlich eine Leerfahrt, also, dass völlig umsonst eine Sendung spazierengefahren wurde. Schlecht für die Umwelt und schlecht für das Logistikunternehmen, dem unnötige Kosten entstanden sind.

Bis zu 60 Prozent weniger Transportemissionen

"Internationale wissenschaftliche Studien zeigen, dass durch Kollaborationen und innovative Distributionslösungen 30 bis 60 Prozent an Fahrtstrecken und CO2 Emissionen eingespart werden können", erklärt Logistik-Professorin Margaretha Gansterer von der Universität Klagenfurt. Im Fall London sei eine mögliche Ersparnis von 60 Prozent der Fahrstrecken und somit eine Reduktion in Höhe von 52 Tonnen CO2 errechnet worden. Ähnliche Werte seien in Wien erzielbar.

Eine der Lösungen seien Plattformen, die Transportaufträge sammeln und dann auf teilnehmende Transportdienstleister verteilen, sodass es zu keinen überlappenden Touren kommt. Auch das Potenzial von Paketboxen wird international untersucht. Diese sollen Menschen eine zusätzliche Anlieferoption bieten. Etwa wenn man arbeitsbedingt nur ein sehr enges Zeitfenster bei der Lieferung nach Hause hat. Bereits jetzt gebe es Kooperationen zwischen Wien und Niederösterreich, durch die solche Paketboxen etwa in Park-and-Ride-Anlagen errichtet wurden. Dorthin geliefert, können die Packerl bequem auf dem Weg von der Arbeit nach Hause mitgenommen werden. Solche Paketboxen können - auch jetzt schon - ebenfalls in Wohnhäusern installiert werden.

Mögliches Verteilzentrum am Heldenplatz

Standortanwalt Alexander Biach wünscht sich eine Verankerung von Paketboxen in der Wiener Bauordnung. Neu errichtete Immobilien müssten dann verpflichtend mit solchen Paketboxen ausgestattet sein, um eine Zustellung der Pakete auch in Abwesenheit des Kunden sicherzustellen. Ein weiterer Punkt sind die sogenannten Mikro-Hubs, also zentrale Lager und Verteilzentren, von denen aus die sogenannte "letzte Meile" vorgenommen wird, also die letzte Kurzstrecke bis zur Wohnungstür. Biach hat da etwas ganz Bestimmtes im Sinn. "An der Heldenplatz-Lösung wird kein Weg vorbeiführen", so der Standortanwalt in der Wirtschaftskammer Wien. Dort herrscht schon seit Jahrzehnten ein Tauziehen um den Bau einer neuen Garage. Geht es nach Biach, wird dort auch ein Cityhub entstehen, also ein Güterumschlags- und Verteilungszentrum.

Wie die Entwicklung in weiterer Zukunft aussehen könnte, erklärt wiederum Gansterer: Ihrer Meinung nach wird es in Richtung selbstfahrender Lieferwagen und Lieferroboter gehen.