Ende Mai wurde an dieser Stelle von der Nacht-und-Nebel-Aktion der Verrückung des Radetzkydenkmals im Jahr 1912 berichtet. Damals wechselte das bronzene Reiterstandbild des bei den Habsburgern so beliebten Kriegsherren vom Platz Am Hof vor das heutige Regierungsgebäude am Stubenring. So konnte Kaiser Franz-Joseph das Denkmal des verehrten Feldmarschalls wenigstens gleich zweimal enthüllen.

Der "Goldflussbrunnen" steht nun in Hinterindien. - © Invisigoth67, CC BY-SA 3.0
Der "Goldflussbrunnen" steht nun in Hinterindien. - © Invisigoth67, CC BY-SA 3.0

Enthüllungen der ganz anderen Art gehen auf den Wiener Bibliothekar und vielfachen Buchautor Thomas Hofmann zurück. Ihm verdanken die Leser der "Wiener Zeitung" interessante Informationen über weitere Verrückungen von Werken aus den Ateliers von Wiener Künstlern und Bildhauern: Beispielsweise hatte Hans Muhr im Jahre 1991 für die Wiener Fußgängerzone in der Kärntner Straße den "Goldflussbrunnen" geschaffen. Über tauerngrünes Serpentin ließ der Bildhauer hier Wasser auf einer Wand von oben nach unten fließen.

Der "Nasse Stein" fand Platz vor dem Donauspital. - © Invisigoth67, CC BY-SA 3.0
Der "Nasse Stein" fand Platz vor dem Donauspital. - © Invisigoth67, CC BY-SA 3.0

Das rann aber nur bis 2009. Dann wurde die von vielen Wienern wenig schmeichelhaft genannte "Pissoirwand" von der Bundeshauptstadt ganz weit nach Osten bis nach Hinterindien verschifft. Ein "Geschenk" der Stadt an Singapur bot den Stadtvätern und -müttern eine wunderbare Gelegenheit, sich des ungeliebten Stücks ganz elegant zu entledigen. Dabei war der "Goldflussbrunnen" schon der zweite Versuch der Stadt Wien gewesen, ihren Bürgerinnen und Bürgern in der zentralen Fußgängerzone der City ein künstlerisch hochwertig gestaltetes Rinnsal als weithin akzeptierte Skulptur schmackhaft zu machen. Ab 1974 war in der Kärntner Straße ein "Nasser Stein" des Architekten Wilhelm Holzbauer aufgestellt worden.

Das gute Stück des Haus- und Hof-Architekten der Salzburger Festspiele Holzbauer weckte jedoch bei Kaufleuten und Besuchern auch urinale Assoziationen und fand so nicht nur begeisterten Anklang. Auch er - der Stein - wurde verrückt. Heute steht er in Transdanubien und ziert den Vorplatz des Donauspitals.