Der 48-jährige Markus Posch liebt seinen Beruf. Seine Vorgesetzten bezeichnen ihn in als "Naturburschen", der am liebsten in freiem Gelände unterwegs ist. Er ist am Wiener Zentralfriedhof auch noch weit bis in den November mit kurzer Hose anzutreffen. "Mir is nie kalt. Ich hab immer was zu tun", erklärt er der "Wiener Zeitung".

Markus Posch mit seiner "Braut", einem alten Waffenrad. - © Paul Vécsei
Markus Posch mit seiner "Braut", einem alten Waffenrad. - © Paul Vécsei

Die Tätigkeit eines Totengräbers ist auch heute noch körperlich intensiv. Trotz Maschinen muss man irgendwann zum Spaten greifen und immer ordentlich zupacken. Das Handwerkszeug wird geachtet und gewartet. Regelmäßig wird der Spaten selbst geschliffen. Für diesen hat Posch eine eigens gestaltete Verankerung auf sein Dienstfahrzeug gebaut. Ein solches steht ihm zur Verfügung. Markus Posch liebt auch dieses, wie andere ihre Nobelkutsche. In seinem Fall ist es ein altes Steyr-Waffenrad. Zwanzig Stück dieser als unverwüstlich geltenden Oldtimer gibt es bei den Totengräbern noch. Posch baute sich dafür einen eigenen Sattel und alle möglichen Vorrichtungen, "die man am Friedhof halt so braucht. Das ist meine Braut", sagt er lachend. Auf die ist nicht einmal seine Frau eifersüchtig. Sie arbeitet auch am Friedhof, in der Verwaltung.

- © Paul Vècsei
© Paul Vècsei

Durch familiäre Verbindungen ist der gelernte Zimmerer zu seiner Arbeit an den Grabstätten in Wien gekommen. Die Vorteile soziale Sicherheit, Arbeiten in freier Natur und hohe Kameradschaft und Solidarität bei der schweren körperlichen Tätigkeit, schätzt Markus Posch besonders: "Bei uns hilft ein jeder jedem". Drückebergertum gibt es am Friedhof keines. Das gilt für beide Kategorien der Totengräber, der "Helfer", wie der "Gehilfen". Erstere sind für das "Zuagraben" zuständig, Zweitere für qualifiziertere Tätigkeiten, wie etwa das "Exhumieren". Die Gehilfen, wie Posch, schreiten auch uniformiert jedem "letzten Weg" an der Spitze des Konduktes zum Grab voran. "Wir kümmern uns um den Versenkungsapparat und stellen den Sarg rauf." Für alles davor vom Abholen von der Sterbestätte bis zur Aufbahrung sind die Kollegen von der Bestattung zuständig. Trinkgelder gelten heute als verpönt. Vor nicht allzu langer Zeit war das noch ganz anders.

- © Paul Vécsei
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Totengräber bekommen in Wien Arbeiterlöhne. Eis, Kälte und Hitze gehören zum Berufsalltag. Die Normalarbeitszeit (circa
7 bis 15 Uhr) ist moderat.

Die psychische Belastung ist nicht jedermanns Sache. Posch: "Wenn man instabil ist, soll ma des besser net machen. Wenn man in der Nacht zu viel darüber studieren tut, kannst net schlafen." Den letzten Weg von Babys oder Kindern zu begleiten, finden auch hartgesottenste Totengräber schlimm. "Aber man muss das abschalten können", sagt Posch. "Man muass halt mit dem Tod umgehen können."

- © Paul Vécsei
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Posch fühlt sich durch seinen "Traumberuf" nicht diskriminiert. Dennoch ist er der einzige der rund zwei Dutzend Wiener Totengräber, der gern über den Job mit Medien spricht. Seine kleine Tochter erzählt in der Volksschule ohne Scheu von Papas Beruf. Und wenn ihm einmal jemand mit einem blöden Spruch kommen sollte, ist Posch um eine Antwort nicht verlegen: "Na warten S’ nur. Bei mir liegen Sie richtig!"