Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat die Vorkommnisse Montagabend in der Wiener Innenstadt als "widerwärtigen Terroranschlag" verurteilt. "Unsere Polizei wird entschlossen gegen die Täter dieses widerwärtigen Terroranschlags vorgehen. Ich bin froh, dass unsere Polizisten bereits einen Täter ausschalten konnten. Wir werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen und diese Angriffe mit allen Mitteln entschieden bekämpfen", sagte Kurz in einer Stellungnahme.

"Wir erleben gerade schwere Stunden in unserer Republik. Ich möchte allen Einsatzkräften danken, die insbesondere heute für unsere Sicherheit ihr Leben riskieren. Das ganze Land ist in Gedanken bei den Opfern, Verletzten und ihren Angehörigen, denen ich mein tiefes Mitgefühl ausdrücke", so Kurz. Er bedankte sich auch bei der Spitze der Europäischen Union und den internationalen Partnern für ihr Mitgefühl und die Bekundungen ihrer Solidarität.

Damit sich die Polizei ganz auf die Terrorismusbekämpfung konzentrieren kann, habe die Bundesregierung entschieden, dass das Bundesheer den bisher durch die Polizei durchgeführten Objektschutz in Wien ab sofort übernehmen wird, so Kurz in seiner ersten Stellungnahme.

Augenzeuge: "Gezielt auf Menschen vor Bars geschossen"

Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister wurde Zeuge, wie auf Menschen im Bermudadreieck geschossen wurde. "Mindestens ein Angreifer - es ist sehr schwer zu sagen, wie viele es waren - hat auf die Menschen geschossen, die vor den Bars und Pubs im Bermudadreieck gesessen sind", sagte Hofmeister der "Presse" und der "ZiB".

Daraufhin seien die Menschen panisch in die Lokale gerannt, der oder die Angreifer hinterher. Laut Hofmeister wurde auch in den Bars noch geschossen. Er habe die Polizei gerufen, die "ewig nicht gekommen" sei - dann aber mit Spezialeinheiten. "Plötzlich waren in den Hauseingängen überall Sondereinheiten positioniert. Die Polizei hat nach eventuellen Verletzten gerufen und aus den Bars hörte ich Rufe: ,Ja, hier gibt es zwei Verletzte! Und hier ist auch einer.'"

"Ich kann nicht aus meiner Sicht nicht bestätigen, dass das ein Angriff auf die Synagoge war", sagt er in der "Presse". "Warten wir einmal ab, was die Ermittlungen ergeben, aber was ich gesehen habe, haben der oder die Angreifer ganz gezielt auf die Menschen vor den Bars geschossen und dann auch in die Bars hinein. Das Bermudadreieck ist hier in der Gegend das Ausgehviertel in der Nacht, da wird heute am letzten Abend vor dem Lockdown einiges los gewesen sein."

Ein Stück weiter oben in der Bognergasse ist der Schanigarten vor dem Schwarzen Kameel voll. "Es war der letzte Abend, wo sich alle noch einen schönen Abend machen wollten, bevor sie sich nicht mehr sehen", sagt Chef Peter Friese. "Das Wetter war schön, alle waren draußen."

Er selbst erfuhr früh, dass etwas nicht stimmt, berichtet er der "Presse" am Telefon. Eine Mitarbeiterin habe Kontakte zur Polizei. Eben war er noch am Überlegen, wie er die Gäste informieren und ins Haus bringen soll, wollte noch den Stadthauptmann anrufen, "aber dazu bin ich nicht mehr gekommen, da ist schon die Panik ausgebrochen. Auf einmal sind die Tische geflogen, alle sind vom Schanigarten reingerannt, in die Toiletten, in den Keller."

Als ihn die "Presse" erreicht, hat er die Gäste bereits im ganzen Haus verteilt, manche sind in der Beletage, im Büro, in seiner Privatwohnung. Sein Handy läutet irgendwo im Haus, wird ihm von einem englischsprachigen Gast nachgetragen. "Wir haben das ganze Haus belegt", berichtet er, immer noch mit zitternden Händen und heißem Gesicht, "wir versuchen die Menschen zu verköstigen, aber sie wollen gar nichts trinken, sie sehen fern, haben alle das Handy in der Hand."

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner hat sich am Abend "tief erschüttert, fassungslos und entsetzt" über den Anschlag in Wien geäußert. Auf Twitter sprach sie von einem "abscheulichen Terroranschlag".

Auch FPÖ-Obmann Norbert Hofer zeigte sich "entsetzt", er sprach auf Twitter von einem "schrecklichen Terroranschlag". Sein Mitgefühl gelte "allen Opfern der feigen Terroristen".

Europäische Spitzenpolitiker verurteilen Tat

EU-Ratspräsident Charles Michel hat die mutmaßliche Terrorattacke in der Wiener Innenstadt als feigen Akt gegen das Leben und die menschlichen Werte verurteilt. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Menschen in Wien nach dem schrecklichen Anschlag von heute Abend", teilte Michel am Montag mit. Europa stehe an der Seite Österreichs.

Ähnlich äußerten sich auch EU-Parlamentspräsident David Sassoli und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Sassoli kommentierte: "Mit Trauer und Entsetzen verfolgen wir die Nachrichten von einem erneuten Anschlag in Europa". Borrell sprach von einem "feigen Akt von Gewalt und Hass".

Auch deutsche und französische Spitzenpolitiker bekunden auf Twitter ihre Solidarität mit Österreich. "Wir, Franzosen, teilen den Schock und die Trauer von der Österreicher nach einer Angriff in Wien", heißt es wörtlich bei Präsident Emmanuel Macron auf Deutsch. Bundesfinanzminister Olaf Scholz schreibt von "entsetzlichen Nachrichten", Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erklärt: "Der Terroranschlag von Wien erschüttert uns zutiefst." (apa, dpa)