Klaus Matzka (81) ist ein aufmerksamer "Wiener-Zeitung"-Leser. Der ehemalige ORF-Kameramann geht mit offenen kunstsinnigen Augen durch die Stadt. "Wo ist der ,Nasse Stein‘ von Wilhelm Holzbauer nun wirklich", schrieb er vor rund zwei Wochen an die Redaktion. Davor war in dieser Rubrik von einer Verrückung des Brunnens 1991 hin zum Donauspital berichtet worden. Ursprünglich war das Kunstwerk in der Fußgängerzone Kärntner Straße gestanden. In ausländischen Nachschlagewerken wird noch immer mit Foto auf das Spital als Standort zeitgenössischer Kunst verwiesen. Allein, das Kunstwerk gibt es so nicht mehr. Leser Matzka entpuppte sich als Aufdecker und Whistleblower. Denn der ungeliebte Brunnen, der seinerzeit in der Fuzo der City gelegentlich auch als Pissoirwand Verwendung gefunden haben soll, hatte auch vor dem Donauspital nicht nur Freunde. So verschwand er 2017 eines Tages fast unbemerkt. Den Anlass bot der Umbau des Spitals-Eingangs, der im Zuge des U-Bahn-Anschlusses barrierefrei werden musste. Dass der Brunnen für immer fern bleiben sollte, fiel niemandem besonders auf.

Der "Nasse Stein" war aus vielen Gründen im Weg. Das Donauspital hatte ihn unter Helmut Zilk oktroyiert bekommen, weil ihn niemand anderer wollte. Zum "tollen" Kunstgeschenk konnte man schwer Nein sagen. Schließlich hatte es einst der hochlöbliche Kunstsenat der Stadt ausgesucht.

Aber auch in der Donaustadt diente es nicht nur einmal als Pissoirwand. In dieser Not durfte die Bauleiterin des Spitals, Sabine Schugetich, die Kastanien aus dem Feuer holen. Den Brunnen wollte weiter niemand. "Das Kulturamt erklärte ihn im Zuge eines behördlichen Umbauverfahrens für nicht erhaltenswürdig." Das bestritt eine Sprecherin von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler am Freitag vehement: "Wir haben auf unsere Unzuständigkeit verwiesen, weil der Brunnen niemals in unserer Obhut war."

Die übrig gebliebene Granit-Platte des "Nassen Steins" befindet sich nun zwischen zwei Stiegenaufgängen zum Eingang des Donauspitals. - © Paul Vécsei
Die übrig gebliebene Granit-Platte des "Nassen Steins" befindet sich nun zwischen zwei Stiegenaufgängen zum Eingang des Donauspitals. - © Paul Vécsei

Schugetich wollte das Werk zumindest aus Respekt und als Erinnerung zum Teil erhalten. Also nahm man die Granitplatte, montierte sie zwischen Stiegenaufgänge und entsorgte den Rest. Architekt und Ex-Partner Holzbauers, Dimitris Manikas, sieht "eine unfassbare Barbarei des Kulturamtes". Dort ist man sich keiner Schuld bewusst: "Die MA 7 war definitiv nie damit befasst." Im Spital wundert man sich über diese Aussage. Fortsetzung folgt.