In Wien-Josefstadt hat am Sonntagvormittag eine Störaktion für Aufsehen gesorgt: Ein Fahrzeug beschallte via Lautsprecher die Umgebung mit Schusssalven und einem Muezzin-Gebetsruf. Das Fahrzeug wurde von einem Polizeiwagen begleitet, wie auf einem Video, das auf Twitter kursierte, zu sehen ist. Gemutmaßt wird dort, dass es sich um eine Aktion rechtsradikaler Aktivisten gehandelt hat.

Die Polizei hat sich nun Sonntagnachmittag dafür entschuldigt, die Störaktion des ehemaligen Pegida-Sprechers Georg Immanuel Nagel nicht vorzeitig beendet zu haben. "Für die Vorfälle in der Josefstadt und des Umstandes, dass die dort stattfindende Kundgebung nicht unmittelbar unterbunden wurde, wollen wir uns als Polizei Wien bei allen Menschen in Wien entschuldigen, insbesondere bei den Menschen, welche durch diese Versammlung verängstigt wurden", twitterte die Polizei.

"Dies hätte so nicht stattfinden dürfen", hieß es. Gegen die Demoteilnehmer würden Anzeigen wegen der Störung der öffentlichen Ordnung gelegt und Erhebungen bezüglich des Verdachts auf Verhetzung geführt. "Natürlich bedarf ein solcher Vorfall auch einer internen Aufarbeitung, welche bereits eingeleitet wurde", so die Polizei.

Der Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi dürfte einer der ersten gewesen sein, der eine Aufnahme des Geschehens gepostet hat. Das Video sei ihm von einem arabischsprechende Bewohner der Josefstadt, der sich gefürchtet habe, geschickt worden, sagte er im Gespräch mit der APA.

Al-Rawi kritisierte die Aktion scharf: "Wir brauchen die Spalter auf beiden Seiten nicht." Auch den Urhebern der Aktion sei gesagt "schleicht's euch ihr Arschlöcher", meinte er in Anlehnung an jene Worte, die sich als Absage an den Terror in Wien etabliert haben. Die Wiener Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) forderte via Twitter ebenfalls Aufklärung über das Geschehen.

Auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat die heutige Kundgebung des rechten Publizisten Georg Immanuel Nagel am Sonntag via Twitter verurteilt. Die Störaktion, bei der die Wiener mit Schüssen und Muezzinrufen erschreckt worden seien, sei "völlig inakzeptabel". Man lasse sich aber nicht spalten, Wien halte zusammen, zeigte sich Ludwig überzeugt. (apa)