Unter Leitung der Wiener Wirtschaftskammer fand dieser Tage ein Treffen der Wirtschaftskammern von Peking, Berlin, London, Paris, Moskau, Sao Paulo und Wien statt. Die Zusammenkunft fand allerdings nicht, wir ursprünglich geplant, in Wien statt, sondern nur online. Schwerpunkt war der Vergleich und der Austausch von Smart-City-Themen der jeweiligen Metropolen. Auf der Tagesordnung stand auch ein Erfahrungsaustausch zur aktuellen Corona-Krisenbewältigung.

In einer Smart City sollen moderne Technologien aus den Bereichen Energie, Mobilität, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation so miteinander vernetzt werden, dass sich die Lebensqualität für die Bewohner steigert. Laut Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck beleuchtete die Konferenz Smart City-Ideen und Konzepte, mit denen Städte durch Einsatz moderner Technologie effizienter und damit klimaschonender sowie lebenswerter werden sollen. So finden sich in allen Städten verwaltungsvereinfachende Online-Services, umweltfreundliche Verkehrslösungen, energieeffiziente Ansätze, smartes Datenmanagement und Maßnahmen für Kollaborationen von Unternehmen.

"Wien ist weltweit führend im Smart City Index, für den Unternehmensberater Roland Berger weltweit 153 Städte analysiert hat. Neben Wien können sich einige andere europäische Städte, etwa auch die C-X Mitglieder London und Paris, unter den zehn smartesten Citys der Welt einreihen, so Ruck.

Für Zugang der Unternehmen zu Infrastruktur und Daten

Und obwohl die Smart-City-Ansätze der Metropolen oft sehr unterschiedlich sind, setzen angesichts steigender Bevölkerungszahlen, zunehmendem Verkehr und der damit einhergehenden Luftverschmutzung alle auf digitale Technologien als Lösungsansatz. Doch erst wenn diese durch ein Smart-City-Konzept miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden, können die einzelnen Maßnahmen ihre Wirkung voll entfalten, sind sich die Städte einig. "So gehören zu einem E-Mobilitätskonzept immer auch ein Verkehrsmanagementsystem und ein intelligentes Lademanagement. Dafür braucht es eine ganzheitliche Strategie, die zentral geplant und gesteuert wird", hieß es bei der Konferenz.

Aus der wirtschaftlichen Perspektive betrachtet wurde in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt, wie Mitgliedsbetriebe bestmöglich von den implementierten Smart-City-Strategien profitieren können und wie die einzelnen Städte dafür die nötigen Voraussetzungen schaffen. Und die lauten: Zugang der Unternehmen zu Infrastruktur und Daten.

Die Stadt Wien hat bereits 2019 eine Rahmenstrategie für ihre Smart City-Zukunft präsentiert, die auf den Lebensbereichen der Bewohner fußt: Wohnen, Verkehr und Transport, Kreislaufwirtschaft, Energie und Gesundheit. Gemeinsam mit Unternehmen wurden inzwischen mehr als 100 konkrete Projekte entwickelt - darunter Lösungen für assistiertes Leben im Alter namens Waalter oder für Energie-autarke Abwasseraufbereitung, aber auch die selbstfahrenden Busse in Aspern gehören dazu oder die digitale Baueinreichung (Brise).

Wie sich bei der Konferenz herausstellte, setzt jede Metropole in Sachen Digitalisierung und Smart-
City-Lösungen andere Akzente - so ermöglicht etwa Peking seinen Bürgern Zugang zu Echtzeit-Information und Services in allen Bereichen von Wirtschaft, Umwelt, Energie, Verkehr und Bildung mithilfe einer eigens dafür entwickelten App. Sie bietet mehr als 1.000 verschiedene Anwendungen, vom Zahlungsverkehr bis zum Ansuchen für Genehmigungen - ähnlich der Stadt-Wien-App, nur viel umfangreicher. Darüber hinaus gibt es einen breit angelegten Plan für einen internationalen Big-Data-Austausch. Die wirtschaftliche Relevanz des Smart-City-Themas scheint auf der Hand zu liegen: Peking prognostiziert, dass die Wertschöpfung seiner digitalen Wirtschaft bis 2022 einen Anteil von 55 Prozent am regionalen BIP haben wird - was die chinesische Hauptstadt zu einer führenden Region für die globale digitale Wirtschaftsentwicklung machen soll.

Schulnoten in Moskau
online abrufbar

Auch Moskau bietet mit dem Moscow Innovation Cluster 300 Services, die Bürger und Unternehmen bei den täglichen Bürokratieabläufen unterstützen - 8,8 Millionen Bürger nutzen bereits die "mos.ru services". Abgefragt werden können hier u.a. persönliche Accounts von Familienmitgliedern, Rezeptverschreibungen und sogar die Schulnoten der Kinder.

In Berlin wird gerade der frühere Flughafen Berlin-Tegel zur "Berlin TXL - the urban tech republic" umgestaltet - geplant ist hier ein Forschungs- und Industriepark für mehr als 1.000 Unternehmen und 20.000 Angestellte die an Urban-Technology-Lösungen arbeiten sollen. Für den kuratierten Standort wurden sechs Kernthemen urbaner Technologien definiert: klimaneutrale Energiesysteme und der effiziente Einsatz von Energie, umweltschonende Mobilität, sauberes Wasser, Recycling, der Einsatz neuer Materialien für Anwendungen wie nachhaltiges Bauen und die vernetzte Steuerung von Systemen.

Paris hat eine eigene Open-Data-Plattform für Datenzugang geschaffen und mit einer Ideen-Plattform der Bevölkerung eine Basis zur Verfügung gestellt, wo neue Projekte entwickelt werden können. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs errichtet die Stadt eine neue, vollautomatische U-Bahn-Linie. London setzt auf die Vernetzung von Wissen, Ökologie und Können in der Gesellschaft - Letzteres auch um die Inklusion zu steigern. Und Sao Paulo fokussiert vor allem auf den Bereich Verkehr. Ziel ist es hier, den Verkehrsmix nachhaltig zu verändern: Einerseits wurde ein Radwegenetz aufgebaut, zum anderen drei Inkubator-Standorte entwickelt, um Innovation in diesem Bereich zu fördern.

Treiber zum globalen Zusammenschluss der Wirtschaftskammern ist Alexander Biach, Standortanwalt und stv. Direktor der Wirtschaftskammer Wien.

Netzwerk mit Nutzen für
die Mitgliedbetriebe

"Wir haben schon mit vielen ausländischen Kammern gemeinsame Kooperationsprojekte erfolgreich abgewickelt und sehen als Teil des weltweiten Netzwerkes einen maßgeblichen Nutzen für die Mitgliedsbetriebe", betonte Biach am Rande der Konferenz. So sei etwa die Renovierung der Rotenturmstraße nach dem Hamburger "Business Improvement District"-Modell unter Einbindung privater Unternehmer erfolgt. Und über die Big-Data-Plattform Pekings konnten erfolgreich Händler für MNS-Masken vermittelt werden. Derzeit in Arbeit ist laut Biach eine gemeinsame Plattform aller C-X-Mitglieder, um die jeweiligen Smart City-Projekte zu präsentieren und für die anderen zugänglich zu machen.

Aber nicht nur die Belebung der heimischen Wirtschaft sei für die international verflochtenen Hauptstädte von Bedeutung. "In Zeiten der Globalisierung und besonders jetzt in Zeiten der Corona-Epidemie ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit besonders wichtig", so Biach.