In den Corona-Teststraßen in den drei Wiener Standorten Messe, Marx-Halle und Standhalle steht für die Massentests der Bevölkerung ab Freitagfrüh alles bereit. Testen kann sich jeder lassen, der seinen Haupt- oder Nebenwohnsitz in Wien hat und online angemeldet ist. Auf bis zu 150.000 Personen, die sich täglich bis 13. Dezember dem Antigen-Schnelltest unterziehen wollen, sind Wiens Gesundheitsressort, Arbeitersamariterbund, Rettung und Bundesheer in Wien eingerichtet. Die Prozedur für Besucher wird insgesamt knapp 20 Minuten dauern, hieß es. In der Stadthalle wurde zu diesem Zweck ein Einbahnsystem mit verschiedenen Aus- und Eingängen errichtet. Die Gäste erhalten beim Eintritt eine FFP2-Maske. Mit dieser dürfen sie sich dann in die "heiße Zone" im Inneren der Stadthalle begeben.

Für Differenzen sorgte bis zuletzt, dass die Anmeldung nur online möglich ist, während die Stadt auf eine telefonische Anmeldemöglichkeit für Menschen ohne Intenet-Zugang, speziell Ältere, gedrängt hat. Wien nützt wie auch Kärnten das vom Bund angebotene Tool für die Onlineanmeldung. Damit sollen lange Schlangen vor den drei Teststationen vermieden werden. Die Stadt kann aber keine technische Möglichkeit anbieten, sich ins Online-Portal des Bundes einzuklinken.

Im Büro von Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) wurde der "Wiener Zeitung" erklärt, es könnten auch Verwandte die Online-Anmeldung, etwa für ältere Menschen ohne eigenen Internetzugang, durchführen. Wichtig sei aber, dass sich die zu testende Person dann beim Test selbst ausweisen könne. Lichtbildausweis und E-Card sind mitzubringen. Anschober bekräftigte, dass auch an der Einrichtung einer mehrsprachigen Telefonhotline gearbeitet werde.

Im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hält man aber eine telefonische Anmeldung für sinnvoller. Das sei zuletzt auch von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) in Aussicht gestellt worden. Das Bundesheer selbst ist für die Anmeldung nicht zuständig, stellt aber allein in Wien 2000 Soldaten und Zivilbedienstete zur möglichst reibungslosen Abwicklung der Massentests. Bundesweit sind es insgesamt 5400 Soldaten.

Telefonische Anmeldung in der Steiermark möglich

Unterstützung bekam Wien vom SPÖ-Pensionistenverband. Dessen Präsident Peter Kostelka wiederholte die schon vor Tagen geäußerte Forderung nach einer Telefonanmeldung - schließlich sei eine Anmeldung Voraussetzung für die Teilnahme am Test. Und wie am Donnerstag bekannt wurde, greift man in der Steiermark für die telefonische Anmeldungen auf einen privaten Anbieter zurück, der 60 Personen dafür zur Verfügung stellt.

Die Stadt Wien erwartet, dass rund 800.000 Einwohner an den Massentests teilnehmen werden. In Wien werden von 4. bis 13. Dezember auch die Lehrer an den drei Teststandorten mitgetestet. In Vorarlberg und Tirol beginnen die Massentests ebenfalls diesen Freitag. In den beiden Bundesländern sind die Tests aber auf die Zeit von 4. bis 6. Dezember begrenzt.

Erschwerend kam für die Wiener hinzu, dass die Online-Anmeldung nur Stunden nach dem Start am Mittwoch für rund zwei Stunden ausgesetzt werden musste, was für Spott in den sozialen Medien sorgte. Es musste ein Datenleck beseitigen werden, durch das Daten nicht mehr sichtbar waren und Personen irrtümlich Zugriff auf Daten anderer erhalten haben. Dennoch habe es bereits 100.000 Anmeldungen gegeben, sagte Gesundheitsminister Anschober Donnerstfrüh. Da warb er in der Stadthalle mit Hacker und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sowie dem Bundesheer für eine rege Teilnahme an den Tests.

Beraterstab war gegen Massentests

Unterdessen wurde bekannt, dass sich der Beraterstab des Gesundheitsministeriums gegen die Corona-Massentests ausgesprochen hatte. Das geht aus einem nun veröffentlichten Sitzungsprotokoll hervor. Demnach hat Anschober die Experten am 17. November um ihre Einschätzung gebeten. "Ein wesentlicher Teil des Beraterstabs spricht sich gegen Massentestungen aus", heißt es in dem Papier. Begründet wurde die Skepsis mit der Möglichkeit sowohl falsch negativer Testungen als auch falsch positiver Ergebnisse. Begrüßt hätte der Beraterstab des Ministers dagegen regionale bzw. zielgruppenorientierte Testungen. Anschober hat die Massentests bei einer Pressekonferenz am Donnerstag erneut verteidigt. Die Massentests seien deswegen wichtig, weil dadurch eine Gesamtbestandsaufnahme der tatsächlich realen Situation - Stichwort: Dunkelziffer - gemacht werde, betonte der Minister.

Antigentest-Beschaffung wurde ausgesetzt

Die zweite Hiobsbotschaft am Donnerstag war, dass die Bundesbeschaffungsgesellschaft nach der Beschwerde nicht zum Zug gekommener Anbieter die Beschaffung von Covid-Antigentests ausgesetzt und neu gestartet hat. Die Einkäufer der Regierung hatten ohne offene Ausschreibung Verträge mit einzelnen Lieferanten abgeschlossen.

Ludwig erwartet steigende Zahlen durch Massentests

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht eine Prüfung eingeleitet hat, wurde die Vergabe vorübergehend ausgesetzt und der Vertrag ausgeschrieben. Auswirkungen auf die Massentests erwartet das Verteidigungsministerium nicht, wurde am Donnerstag versichert.

Inzwischen hat Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) angekündigt, dass es im Rahmen der Massentests bei positiven Fällen auch ein Contact-Tracing geben wird.

"In den anderen Teilen Österreichs wird ja darüber diskutiert, ob man in dieser Phase das Contact-Tracing aussetzt. Das werden wir nicht tun", sagte er. Aufgrund der Massentests erwartet er einen Anstieg bei den Neuinfektions-Zahlen in Wien. Und einmal mehr forderte Ludwig eine Einbindung in das Krisenmanagement des Bundes. "Wir müssen in Wien leider immer aus den Medien erfahren, welche Schritte vorgesehen sind oder knapp vor einer Pressekonferenz." (ett/apa)