Wien. Der Weihnachtshandel sorgt für Nervosität in der Wiener Wirtschaftskammer (WKW). Wie das Karnikel auf die Schlange schaut man dort in gebannter Erwartung auf die Entwicklung der Umsatzzahlen. Immerhin gehört die Adventzeit zu den wichtigsten und einträglichsten für den Handel. Da könnte so manche coronabedingte Einbuße wettgemacht werden. Bei Spielzeuggeschäften oder Juwelieren macht das Weihnachtsgeschäft beispielsweise laut WKW elf Prozent des Jahresumsatzes aus. Wenn also am Montag der Handel wieder aufsperrt, ist das auch gleichzeitig der Startschuss in die Hochsaison des Weihnachtsgeschäfts, die über Erfolg und Misserfolg des Geschäftsjahres entscheiden kann.

Um den heimischen Handel zu unterstützen, wird die Wirtschaftskammer ab 8. Dezember österreichweite Werbung schalten, die dazu aufruft, bei Wiener Händlern zu kaufen. Dass man sich bei der Reklame nicht nur auf Wien beschränkt, hat seinen guten Grund: "Wien ist ein Magnet für innerösterreichischen Tourismus und der ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben", erklärte WKW-Chef Walter Ruck bei einem Pressegespräch am Freitag. Werbung für einen Einkauf in Wien zu machen sei also in etwa so, als würde Tirol Werbung fürs Skifahren machen.

Während die Wirtschaftskammer auf möglichst viele Kunden in den Geschäften hofft, hat sie umgekehrt aber keine Angst vor einem ungehemmten Ansturm und damit verbundener Seuchenbefeuerung. Immerhin haben laut einer Gallup-Umfrage die Hälfte der Österreicher noch nicht seine Weihnachtseinkäufe erledigt. "Die Händler haben das schon nach dem ersten Lockdwon sehr gut gehandhabt", sagte dazu Ruck.

Lockdown als Werbekampagne für Amazon

Der Erfolg vom Weihnachtsgeschäft wird auch davon abhängen, ob die Österreicher beim Einkauf im Internet auf einheimische statt internationale Plattformen zurückgreifen werden. Immerhin wollen laut der Umfrage 40 Prozent der Kunden auch online einkaufen. Wie Gallup-Chef Michael Nitsche am Freitag meinte, würden heimische Online-Plattformen dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. "Der Lockdown wirkt daher als riesige Werbekampagne für Amazon und leitet einen beträchtlichen Teil der verfügbaren Budgets dorthin um." Laut Anton Salesny vom Institut für Handel & Marketing haben sich weniger als 20 Prozent der Online-Käufer entschlossen, ausschließlich bei heimischen Anbietern zu kaufen. In Wien haben rund 4.000 Händler einen Webshop. Wie wichtig dieser Bereich ist, zeigt alleine schon, dass 3.000 Unternehmer voriges Jahr an WKW-Webinaren zum Thema "Wie werde ich online fit" teilgenommen haben.

Im Zuge ihrer Weihnachtsoffensive fordert die Wirtschaftskammer erneut den Ausbau von Paketabholstationen. "Die kann man sich wie Postkasterl für den Häuserblock vorstellen", erklärt Ruck. Sie sollen aber nicht wie bisher lediglich den jeweiligen Betreibern wie etwa der Post zur Verfügung stehen, sondern auch für den stationären Handel da sein. Das soll den Einkauf erleichtern, wenn man etwa auf dem Weg zur Arbeit ein geeignetes Geschenk findet, dieses aber nicht den ganzen Tag mit sich herumschleppen möchte. Auf diese Weise könnten auch Leerfahrten bei der Zustellung vermieden werden.