Noch zwei Tage sind die drei Standorte Wiener Stadthalle, Messe Wien und Marx-Halle mit den Corona-Massentests beschäftigt. Während über das ganze Rundherum ausführlich berichtet wurde - wie der genaue Ablauf ist, was man beachten muss, wie viele Menschen getestet wurden, wie viele positiv waren -, konnte man kaum etwas über jene Menschen erfahren, die das alles ermöglicht haben: jene tausenden Soldaten, die einen reibungslosen Testablauf gewährleisten. Täglich arbeiten die "grünen Engel" von 8 bis 18 Uhr - und den wenigsten ist bewusst, dass diese Menschen auch selbst Familien haben und am Ende der Großaktion sowohl Nikolo als auch drei Adventsonntage verpasst haben werden. "Ich selbst war bei der Adventjause meiner Family per Videokonferenz dabei", erzählt etwa Presse-Unteroffizier Michael Gottlieber.

In den Testboxen der Stadthalle sind immer dieselben Fünfer- oder Zehnerteams tätig, die sich gegenseitig bei Laune halten. Die meisten kommen aus gemeinsamen Dienststellen, arbeiten dort aber in ganz anderen Funktionen zusammen. Wobei in der Stadthalle die einzige "Joint-Taskforce" aktiv ist: Hier stellt ein Großteil des Kommandos die Heereslogistikschule, aber es gibt auch Mitwirkende vom Versorgungsregiment aus Graz, von der Landesverteidigungsakademie, der Rossauer Kaserne und allen Dienststellen aus Wien und Umgebung. Die Marx-Halle wird hingegen ausschließlich von der Garde betrieben, die Messe mittlerweile nur noch von der 3. Jägerbrigade.

Schnelltests
vor Dienstschluss

Angst davor, das Virus mit nach Hause zu nehmen, hat hier kaum jemand. "Am Anfang habe ich mir schon Gedanken gemacht - die Vorsicht ist immer noch da. Aber wir haben ein System mit einer eigenen Schleuse, wo wir uns umziehen müssen", erzählt etwa Mario F. "So verhindern wir eine Übertragung in unseren Bereich." Außerdem können alle immer vor dem Dienstschluss einen Schnelltest machen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Sehr wohl Sorgen machen dürften sich aber die jeweiligen Familien. "Ich habe meine Eltern und meinen Freund erst nach einer genauen Erklärung der Abläufe etwas beruhigen können. Ich habe auch bereits zwei Schnelltest machen lassen, zur Sicherheit, und beide waren negativ", sagt Silvia P. "Zumindest ist eine Woche lang alles gut gegangen. Ich studiere außerdem gerade Medizin, und da wird man auch auf solche Krisensituationen sensibilisiert."

Die Atmosphäre am Standort Stadthalle beschreiben die "grünen Engel" jedenfalls als angenehm. "Die Leute kommen, machen den Test und bedanken sich hinterher, dass man für sie da ist. Und es kommt schon vor, dass wir kleinere Geschenke, meist Schokolade, bekommen. Im Gegenzug hatten wir dann am Nikolaustag kleine Aufmerksamkeiten für die Kinder parat", erzählt Oliver T.

"Viel entspannter als
in den meisten Praxen"

Schwierige Patienten seien eher eine Ausnahme, wie Volker H. berichtet: "Ich studiere im vierten Semester Medizin und habe schon außerhalb dieses Einsatzes praktische Erfahrungen sammeln können. Ich muss sagen, hier läuft alles viel entspannter und geordneter ab als in den meisten Praxen. Die Testpersonen müssen bei uns 15 Minuten auf einen Abstrich warten und danach noch einmal 15 Minuten auf das Ergebnis. Alles kein Problem, wird immer wieder gesagt. Sogar die Kiddies bleiben brav bei den Eltern sitzen." Wo es hie und da zu Unstimmigkeiten komme, sei eher der Einlassbereich. "Aber das hat sich mittlerweile ebenfalls gebessert."

Die angenehme Stimmung sei vorwiegend den hier arbeitenden Menschen zu verdanken, ist Presse-Unteroffizier Gottlieber überzeugt. Wenngleich sich auch viele darauf freuen, wenn der Einsatz nach dem Wochenende wieder vorbei ist. "Es macht mir wirklich Spaß, den Menschen hier zu helfen. Doch jetzt konzentriere ich mich noch auf die letzten Tage hier in Wien, und dann freue ich mich schon auf meine Familie in der Steiermark. Es war schon ein komisches Gefühl, zwei Adventsonntage ohne Mann und Kind zu verbringen, da sehnt man sich schon nach dem Urlaub und nach dem Christbaumschmücken mit der Familie", sagt Anita B.

"Die Klientel, die uns noch fehlt, bekommen wir nicht."

Für andere ist wiederum kein Urlaub in Sicht. Martin D. etwa war hier die ganze Woche in der Stadthalle als Auswerter der Tests in einer Testbox tätig. "In meiner Einheit bin ich Kraftfahrer eines Hakenlastsystems und werde am Dienstag wieder mit einer Nachschubsfahrt Richtung Bosnien in Marsch gesetzt."

Für das Wochenende wird jedenfalls ein größerer Zulauf erwartet. "Das sieht man an den Anmeldungen", so Gottlieber. Die Aufrufe von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) dürften Wirkung gezeigt haben - allerdings nur in begrenztem Ausmaß. "Die Klientel, die uns noch fehlt, bekommen wir nicht: Maskenverweigerer und bildungsferne Schichten, die sich leicht von Verschwörungstheorien beeinflussen lassen", so Gottlieber. "Ansonsten war alles da, von der rüstigen 92-Jährigen über die Studentin und den Arbeiter bis zum fünfjährigen Kind." Nachsatz: "Der Zulauf hängt auch ein klein wenig vom Wetter ab, sind wir draufgekommen."