Vor 19 Jahren segnete der geborene Wiener Josef "Pepi" Bican am 12. Dezember 2001 in Prag das Zeitliche - und hinterließ eine zeitlos scheinende Weltrekordmarke. An der versucht derzeit Cristiano Ronaldo zu kratzen. Der Fußballspieler aus Wien hat im Lauf seines Lebens (1913 bis 2001) für seine Vereine in Pflichtspielen 805 Mal die Lederkugel in einem gegnerischen Tor versenkt. Am meisten profitiert haben davon Rapid Wien und ab 1939 Slavia Prag, wo der Stürmer die meiste Zeit seines Lebens werkte. Ronaldo hält derzeit bei 751 Pflichtspieltreffern. Er jagt zur Zeit der Rekordmarke des großen Pelé mit 767 "Türl’n" hinterher. Und vor diesem rangiert ebenfalls noch ein Brasilianer: Romario mit 772 Toren.

Ob Pepi Bicans absolute Rekordmarke jemals erreichbar ist, wird die Zeit zeigen. Er wurde jedenfalls noch zu Lebzeiten, im Jahr 1997, neben Pelé und der deutschen Fußballlegende Uwe Seeler von der International Federation of Football History and Statistics zum besten Stürmer des 20. Jahrhunderts gewählt. In Erinnerung gerufen hat dies alles erst kürzlich der Fußballhistoriker, Buchautor und Journalist ("Der Standard") Wolfgang Weisgram. Er hat über die Zentralfigur des berühmt gewordenen "Wunderteams" der 1930er Jahre, Matthias Sindelar, einen Roman verfasst: "Im Innern der Haut", erschienen im egoth verlag.

Dabei machte der Autor darauf aufmerksam, dass Sindelar, der später wegen seiner Beweglichkeit von den Wienern zum "Papierenen" geadelt werden sollte, gemeinsam mit Bican in der Quellenstraße gewohnt hatte. Beide Familien stammten aus Tschechien - und sie waren gut befreundet. Beide Buben begannen beim nahe gelegenen ASV Hertha. Sindelar, zehn Jahre älter als Bican, wurde Violetter. Der Pepi landete bei Rapid.

Bican sollen seine Erfolge als Profi recht bald zu Kopf gestiegen sein. Weisgram berichtet, er sei manchmal mit zwei Taxis zu seinen Zielen vorgefahren: In einem saß er selber, im anderen fuhren sein Stock und sein Hut mit. Irgendwann wechselte er von Rapid zu Admira. Für viel Geld gab man ihn dann zu Slavia nach Prag frei. In der Stadt an der Moldau blieb er den Rest seines Lebens. Weisgram dazu: "Bican wurde zum Inbegriff tschechischer Fußballkunst und Sturmgewalt: beidbeinig, ein Antritt wie eine Rakete, eine Schussgewalt wie ein Škoda-Mörser, alles in allem also: wie Ronaldo."

Mitropacup-Sieger, mehrmals österreichischer sowie tschechoslowakischer Meister und Cupsieger lautet Bicans Bilanz. Welchem nationalen Verband er letztlich "gehört", bleibt offen. Denn der Stürmer spielte 19 Mal für Österreich und 14 Mal für das Nationalteam der Tschechoslowakei. Die nationale Zuordnungsfrage der Stürmerlegende löst Weisgram mit einem Bonmot des früheren tschechischen Außenministers Karel Schwarzenberg: "Tschechen und Österreicher sind eine Nation, die sich den Luxus leistet, zwei Sprachen zu sprechen." Weisgrams Fazit: "Da müssen wir halt manche Fußballer teilen."