Montagfrüh lief das Telefon von Johanna Bukovsky, Pressesprecherin des Tiergartens Schönbrunn, heiß. "Das ist jetzt schon der 15. Anruf, den ich heute zu dem Thema bekommen habe", stöhnte die Zoo-Sprecherin ins Telefon. So hatte sie sich die Tage kurz vor der geplanten Wiedereröffnung wohl nicht vorgestellt. Aber sie versicherte den Journalisten: "Ich bin an dem Thema dran und melde mich, sobald ich mehr dazu weiß."

Was war geschehen? Die Initiative "Zukunft Stadtbaum" hatte sich in einem Schreiben an diverse Medien des Landes gewandt und kritisiert, dass im Zuge des geplanten Tiergarten-Ausbaus mehr als 100 Bäume gerodet werden sollen. Das vermeintlich-belastende Material wurde als E-Mail-Anhang mitgeschickt: Auf den Fotos waren rot markierte Baumstämme zu sehen - laut den Baumschützern ein Zeichen dafür, dass diese bereits zur Fällung freigegeben seien. "Mit der großflächigen Rodung dieses unverzichtbaren Waldbestandes mitten in Schönbrunn muss in den nächsten Tagen gerechnet werden", skandierte der Sprecher von "Zukunft Stadtbaum".

Der Baumkataster war’s

Doch bevor das Ganze zur Zeitungsente werden konnte, gab die Tiergarten-Sprecherin Entwarnung: "Die roten Markierungen sind lediglich Vermessungspunkte für den Baumkataster. Auf besagtem Gelände werden derzeit Vermessungsarbeiten für die Erstellung eines Lage- und Höhenplans durchgeführt", so Bukovsky. Dazu gehört auch die Erstellung eines Baumkatasters, in dem von der Stadt Wien alle Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 20 Zentimeter in einem Meter Höhe erfasst werden. Die rot markierten Bäume werden also nicht gefällt, sondern lediglich gezählt.

Im Oktober hatte der Tiergarten bekanntgegeben, dass unter anderem das Elefantengehege vergrößert und modernisiert werden soll. Insgesamt ist eine Vergrößerung um 40.000 Quadratmeter geplant, doch das 23,5-Millionen-Euro-Projekt sei derzeit noch "in der Startposition, quasi in der Konzeptfindungsphase", so die Zoo-Sprecherin Bukovsky. Auch die Vergrößerung des Elefantengeheges liege noch in weiterer Ferne - "aktuell arbeiten wir noch nicht an der konkreten Planung" - als Ort sei aber das Areal südlich des Tirolerhofs geplant, so Bukovsky. Der dortige Baumbestand soll laut Bukovsky jedenfalls berücksichtigt und "Teil des Elefantengeheges werden".

Im Frühjahr hat die "Wiener Zeitung" berichtet, dass einige Tiere während des ersten Lockdowns unter Langeweile litten, weil die Besucher ausblieben. War das nun wieder der Fall, bekamen die Tiere im grauen Herbst gar eine Winterdepression? Die Zoo-Sprecherin winkt ab: "Die wichtigsten Bezugspersonen, die Pfleger, sind ja nach wie vor für die Tiere da, und es kommt auch stark darauf an, um welche Tiere es handelt. Aber ja, manchen Tieren wie den Orang-Utans oder den Papageien, die gerne Besucher beobachten, geht der Trubel schon ab. Hier bemühen sich die Pfleger, ihnen noch mehr Beschäftigung zu Bieten."

Öffnung am 24.12. nicht sicher

Bald soll der Trubel wieder losgehen: Wenn der Zoo wie geplant am 24. Dezember seine Tore öffnet, wäre das wohl vor allem die Besucher ein schönes Geschenk, denn so manche Familie verkürzt das Warten aufs Christkind gerne mit einem Besuch im Tiergarten.

"Die Wiedereröffnung des Tiergartens ist nach wie vor für den 24. Dezember geplant", bestätigt ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage der "Wiener Zeitung", wobei er hinzufügt: "Aber in Tagen wie diesen ist nichts in Stein gemeißelt." Wenn, dann öffnen jedoch nur die Außenareale. Denn anders als etwa in Museen, die wieder aufsperren durften, können Abstandsregeln in den engeren Tiergarten-Innenräumen nur schlecht eingehalten werden. Außerdem seien die Belüftungsanlagen im Zoo weniger leistungsstark als jene in den Museen.

Keine Online-Anmeldung

Die Jahreskarte wird, wie bereits im Frühjahr während des erstens Lockdowns, um jene Monate, die der Tiergarten geschlossen war, automatisch verlängert. Die Online-Anmeldung auf der Homepage des Tiergartens, die nach dem Lockdown im Frühjahr verpflichtend war, wird aufgrund des geringeren Andrangs im Winter jedenfalls nicht mehr notwendig sein, so die Zoo-Sprecherin Bukovsky.