Wann und warum ist eine Reha nach einer Corona-Erkrankung sinnvoll, und wieso brauchen manche Post-Covid-19-Patienten einer Corona-Erkrankung einen Rollstuhl? Der Lungenfacharzt Stefan Kaltenegger beantwortet Fragen zur Post-Covid-Reha.

Stefan Kaltenegger, 1979, ist Lungenfacharzt und leitet die pulmologische Rehabilitation des stationären Rehabilitationszentrums Raxblick der OptimaMed-Gruppe. - © OptimaMed
Stefan Kaltenegger, 1979, ist Lungenfacharzt und leitet die pulmologische Rehabilitation des stationären Rehabilitationszentrums Raxblick der OptimaMed-Gruppe. - © OptimaMed

"Wiener Zeitung": Seit wann gibt es die Post-Covid-Rehabilitation? Wie ist das angelaufen?

Stefan Kaltenegger: Die Anfangszeit war etwas verhalten, die ersten Post-Covid-Patienten hatten wir im Juni. Der Grund war, dass wir innerhalb kurzer Zeit auf diese neue Infektion und ihre Folgebeschwerden reagieren und ein Rehabilitationskonzept für eine Post-Covid-Rehabilitation erstellen mussten. Derzeit behandeln wir zwischen 30 und 40 Post-Covid-Patienten und sind gut ausgelastet.

Wann sollte man mit einer Post-Covid-Reha beginnen?

Es wird empfohlen, mit der Rehabilitation so früh wie möglich nach der Erkrankung zu beginnen. Teilweise übernehmen wir die Patienten direkt aus dem Krankenhaus. Im Zuge der Rehabilitation führen wie auch eine umfassende Verlaufsdiagnostik durch.

Warum ist es, nachdem man Corona hatte, so wichtig, sich von Fachärzten durchchecken zu lassen?

Bei Post-Covid-Patienten kommt es oft zu einer Störung der Sauerstoffaufnahme. Bei der Erkrankung schwillt das Bindegewebe zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen an und es kommt zu Entzündungen. Wenn diese Entzündungen lange anhalten, kann es zu Vernarbungen der Lunge kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Lungenfunktion mittels einer Diffusionsmessung zu überprüfen. Bei schweren Verläufen wird auch ein Herzultraschall empfohlen.

Waren Ihre Post-Covid-Klienten immer im Krankenhaus?

Nein. Und leider haben nicht immer die, die zuhause sind, auch einen milden Verlauf. Bei uns ist zum Beispiel eine junge Frau zur Rehabilitation, bei der es besser gewesen wäre, sie wäre ins Krankenhaus gegangen. Aber es ist zum Glück gut ausgegangen und wir können ihr mit unseren Therapien sehr gut weiterhelfen.

Unter welchen Langzeitfolgen leiden die Patienten?

Die Spätfolgen sind extrem vielfältig. Wir beobachten Patienten mit starken Schmerzen im Rumpfbereich, andere wiederum haben neurologische Beschwerden, die vor allem bei milderen Verläufen vorkommen. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns kehrt dagegen in der Regel rasch zurück. So gut wie alle Betroffenen leiden unter einem "Fatigue-Syndrom", also unter ausgeprägter Schwäche. Besonders dabei sehen wir, dass sich diese Symptomatik im Zuge der Rehabilitation deutlich bessert. Das spricht dafür, dass diese Beschwerdesymptomatik womöglich keine spezielle Corona-Langzeitfolge ist, sondern sich wie bei jeder schweren Krankheit nach einiger Zeit wieder bessert.

Was beinhaltet Ihre Post-Covid-Reha?

Wir beginnen zurückhaltend mit Kraft- und Ausdauertraining sowie Atemmuskeltraining. Zusätzlich liegt ein Schwerpunkt auf der Lockerung der Atemmuskulatur und vor allem auch Behandlungen wie Bindegewebsmassagen und Moorpackungen haben sich bewährt.

Wie wirkt sich eine Corona-Erkrankung auf die Psyche aus?

Neben der physischen Belastung einer Corona-Infektion ist vor allem die psychische Belastung ein wesentlicher Faktor dieser Erkrankung. Vor allem für Menschen, die auf einer Intensivstation behandelt werden mussten, ist das immer eine extreme psychische Belastung. Aber auch die, die zu Hause allein in Quarantäne waren, sind psychisch sehr belastet. Sie haben das Gefühl, sie wurden allein gelassen. Aus diesem Grund bieten wir im Zuge unserer Post-Covid-Rehabilitation psychologische Einzelbetreuung für alle Patienten an.

Wie lange dauert die Reha?

Die Basisrehabilitation dauert bei uns drei Wochen, die je nach therapeutischem Fortschritt und Beschwerdestatus der Patienten verlängert werden kann und von den Versicherungen auch immer entsprechend genehmigt und verlängert wird.

Wie geht es den Menschen nach der Post-Covid-Reha?

Viele, die zu uns kommen, sind so erschöpft, dass sie einen Rollator oder einen Rollstuhl brauchen. Nach der Rehabilitation hat bisher niemand mehr Gehhilfen benötigt. Bei Post-Covid-Patienten sehen wir sehr schöne Rehabilitationserfolge.