Es war gegen 23 Uhr, als sich am Weihnachtsabend des Jahres 1958 eine Air-France-Maschine dem Flughafen Wien-Schwechat näherte. Die Lockheed Constellation L-749A kam aus Paris Orly und hatte das Kennzeichen F-BAZX. In der Dunkelheit streifte sie nach einer Landeschleife eine Stromleitung und stürzte mit 34 Passagieren und Besatzungsmitgliedern auf ein Feld in Klein-Neusiedl.

Der bekannte Film- und Burg-Schauspieler Walther Reyer (1922 bis 1999) war damals mit an Bord. Wie auch alle anderen Insassen sollte er wie durch ein Wunder überleben. "Einen Riesentuscher" habe es gemacht, sollte Reyer in den Jahren danach immer wieder seinen sechs Kindern von dem Unglück erzählen. Die zweitälteste Tochter Claudia-Maria ("Clasha") und die um ein Jahr jüngere Schwester, das spätere Model Cordula Reyer, können sich bis heute gut daran erinnern. Clasha Reyer: "Er war überzeugt, er sei damals und immer schon unter Gottes Schutz gestanden."

Walther Reyer mit den Töchtern "Clasha" und Cordula am Weihnachtsfoto. Seinen Kindern erzählte er oft von "meinem Schutzengel". - © Familie Reyer
Walther Reyer mit den Töchtern "Clasha" und Cordula am Weihnachtsfoto. Seinen Kindern erzählte er oft von "meinem Schutzengel". - © Familie Reyer

Einen sprichwörtlichen Schutzengel haben die Überlebenden von 1958 auch tatsächlich gebraucht: Kaum war das Flugzeug auf dem Ackerboden eines Feldes hart aufgeschlagen, fing es auch schon Feuer und brannte total aus. Reyer packte rechtzeitig und geistesgegenwärtig die neben ihm sitzende Schlagersängerin Liane Augustin und zerrte sie aus dem Wrack. In ihrem Schock wollte sie noch im brennenden Flugzeug nach Schmuck und Pelzmänteln suchen. Walther Reyer beruhigte sie, redet ihr zu und gab ihr in der eiskalten Nacht des Weihnachtswunders zunächst einmal seinen eigenen Mantel ohne jeden Pelz. Er selbst hatte lediglich "versengte Haare und Wimpern", zu beklagen, weiß Clasha Reyer. Eine schöne lange Frisur hatte er sich extra für seine bevorstehende Bühnen-Rolle als "Prinz von Homburg" wachsen lassen.

Nachdem alle Flugzeuginsassen lebend geborgen worden waren, gab es für die Wartenden im Flughafengebäude weitere ordentliche Schockwellen. Das Flughafenpersonal schickte alle Wartenden nach dem Absturz mit wenig hoffnungsfrohen Worten einfach nach Hause. Reyers damalige Frau, die Schauspielerin Gretl Elb, die vom sicheren Tode ihres Mannes ausgehen musste, fiel dann mitten in der Nacht gleich nochmals aufgelöst aus allen Wolken, wenn diesmal auch vor Glück. Denn Walther meldete sich plötzlich bei ihr aus einer Telefonzelle am Flughafen und das sehr lebendig.

Tochter Cordula Reyer, die ab 1988 als absolutes Top-Model etwa für Helmut Lang, Yves St. Laurent und die Vogue arbeiten sollte, reflektiert heute über ihres Vaters "Wunderglauben". Er sei nach dem Unglück immer "unendlich dankbar gewesen, dass wir alle bei einander sein können und darüber "zeit seines Lebens beglückt" gewesen. "Er war doch recht gläubig. Eine zerrissene Persönlichkeit, mit der Bibel auf der einen Seite, seine Libido auf der anderen." Beide Töchter berichten von rührenden Weihnachtsfeiern, an denen der Vater an das Flugzeugunglück zu denken pflegte: "Er hat gesagt, jetzt stoßen wir auf meinen wiederholten Geburtstag an", erzählt Tochter Clasha. Walther Reyer habe kein Flug-Trauma erlitten und keine Angst vor weiteren Flügen gehabt. Im Gegenteil, noch zu seinem 75er lud er die gesamte Familie mit den daraus entsprossenen Enkelkindern zu einem Alpenrundflug im Raum Innsbruck ein. Clasha Reyer über des Vaters große Lebensfreude: "Der hat sich vor nichts mehr in seinem Leben gefürchtet. Als eines der kleinen Enkelkinder beim Flug aus Angst zu zittern begann, hat er es tröstend zu sich nach vor auf den Schoß genommen und nur gesagt, ‚Schaut’s doch, wie herrlich das alles ist.‘"