Auch in der Wiener Klinik Favoriten - dem ehemaligen Kaiser-Franz-Josefs-Spital (KFJ) - sind am Sonntag die ersten Vakzine gegen das Coronavirus verabreicht worden. In dem Spital befindet sich eine der bedeutendsten Covid-Stationen der Stadt. Geimpft wurden hochexponierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ständigem Kontakt mit infizierten Personen stehen.

Der Vorstand der 4. Medizinische Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin, Christoph Wenisch, kam als erster an die Reihe. Den kurzen Stich mit der Nadel durfte er unter den Klängen von Beethovens "Ode an die Freude" und im Beisein zahlreicher Medienvertreter erleben. Nach der Aktion gab es Applaus. Er sei heilfroh, dass es die Impfung nun gebe, versicherte er. In drei Wochen werde er die zweite erhalten, "und die ganze Geschichte ist erledigt".

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ) verwiesen auf die Bedeutung der Infektionsabteilung. Wenisch und sein Team würden über eine sehr hohe Expertise bei virologischen Erkrankungen verfügen. Sie hätten auch zahlreiche andere Abteilungen in Wien geschult, als diese die Behandlungen von Covid-Patienten übernommen haben.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zeigte sich angesichts des nun erfolgten Impfauftakts zuversichtlich: "Heute ist der Tag der Wende." Dass der Impfstoff nun da sei, sei "sensationell". Wobei er warnte, von allzuschnellem Erfolg im Kampf gegen die Pandemie auszugehen: "Wir werden auch noch Geduld brauchen." Man habe jedoch bereits die Option für weitere zwei Millionen Impfdosen gezogen. Einmal mehr versprach Anschober, die Bevölkerung ehrlich über die Impfung informieren zu wollen.

"Es ist in der Tat ein großer Tag für uns", betonte auch Bürgermeister Ludwig. Er hoffe, dass man nun bald wieder in ein geregeltes Leben "übergleiten" könne. Denn die Kampagne werde schrittweise erfolgen, je nachdem welche und wie viele Impfdosen man erhalte. Auch der Stadtchef kündigte an, dass man Vorteile der Impfung erläutern wolle. Eine Impfpflicht lehne er hingegen ab, bekräftigte er.

Laut Gesundheitsstadtrat Hacker wird Wien im Jänner noch rund 50.000 Dosen erhalten. Zunächst stünden Bewohner bzw. Mitarbeiter in Pflegewohnhäusern und das Personal in Spitälern im Fokus. Im ersten Quartal soll dann unter anderem Rettung oder Polizei folgen. Danach werde die breite Bevölkerung Gelegenheit erhalten, sich impfen zu lassen. Im Gesundheitsverbund ist die Impfbereitschaft jedenfalls hoch, wie dessen Chefin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb beteuerte. Bei einer Befragung hätten 60 Prozent der Belegschaft angegeben, dies tun zu wollen.

Am Nachmittag erfolgt der Startschuss zur Impfaktion in den Wiener Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Zum Auftakt wird das Vakzin Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegewohnhauses Leopoldau verabreicht.(apa)