Das kommende Jahr kann eigentlich nur besser werden. Die Erwartungen sind also hoch, die ersten Impfungen geben Hoffnung und sind ein Grund zum Feiern. Aber genau diese Feierlichkeiten müssen warten, denn Silvester findet heuer im Corona-Modus statt: Der Wiener Silvesterpfad und jegliche Art von öffentlichen Feiern sind abgesagt, die Ausgangsbeschränkungen bleiben aufrecht, die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben.

Polizei erwartet mehr Einsätze im privaten Raum

Da heuer besonders viele Menschen Silvester in ihren eigenen vier Wänden verbringen werden, ruft die Stadt Wien dazu auf, auf Raketen und Kracher zu verzichten: "Bitte denken Sie an Ihre Mitmenschen und verzichten Sie auf das Zünden von Krachern. Missbrauch von Pyrotechnik kann schwerste Folgen für Sie und andere haben," schreiben Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal und Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl in einer gemeinsamen Aussendung und warnen vor Verletzungen und vor Bränden, die von Raketen auf Balkonen ausgelöst werden können.

Aufgrund der Terrornacht, die Wien Anfang November erschüttert hat, werden heuer zu Silvester mehr Polizeibeamte auf den Straßen unterwegs sein als üblich, Beamte der Sondereinheiten und des sprengstoffkundigen Dienstes stehen bereit. Es habe sich gezeigt, dass hohe Polizeipräsenz in der Silvesternacht eine gute präventive Wirkung hat, heißt es seitens der Polizei auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Heuer erwartet die Polizei, dass es zu Silvester zu mehr Einsätzen in Wohnungen und Häusern kommen wird: "Wir rechnen damit, dass es zu mehr Verwendung von Pyrotechnik und zu mehr Einsätzen mit Lärmerregungen aus Wohnungen kommen wird, daraufhin wird die Polizei die Quelle des Lärms genau feststellen." Man werde zwar nicht stichprobenartig an Türen klopfen und Wohnungen kontrollieren, so der Polizei-Sprecher weiter, aber: "Sollte sich der Verdacht einer Übertretung nach der Covid-Verordnung ergeben, müssen die Beamten den Sachverhalt abklären." Steht der Verdacht einer illegalen Feier im Privatbereich im Raum, kann ein Vertreter der Gesundheitsbehörde herangezogen werden. "Hierbei muss man dann mit empfindlichen Geldstrafen im vierstelligen Bereich rechnen", warnt der Polizei-Sprecher.

Zahlreiche Partys am vergangenen Wochenende

Bereits am vergangenen Wochenende war die Wiener Polizei vielerorts im Einsatz: vier Jugendliche lösten durch das Hantieren mit einer Waffe einen Großeinsatz in der Wiener Innenstadt aus. Daneben wurden etliche unerlaubte Feiern aufgelöst: In Hietzing haben Jugendliche sogar ein eigenes Party-Haus angemietet. Aufgeflogen war die illegale Feier, nachdem sich ein Gast in der Nacht auf den Stefanitag in betrunkenem Zustand am Kopf verletzt hatte. Bei einer ersten Polizeikontrolle konnten die Partyteilnehmer im Alter von 13 bis 22 Jahren noch flüchten. Doch nur eineinhalb Stunden später wurden die Einsatzkräfte erneut zu dem Haus bestellt. Ein Anrainer hatte sich wegen Lärms beschwert und von Schusswaffen berichtet.

Daraufhin forderten die Polizisten Verstärkung an: Bezirkskräfte, die Polizeidiensthundeeinheit und Kollegen der Spezialeinheit Wega trafen schließlich bei dem Haus auf der Speisinger Straße ein, trafen aber nur noch auf 22 der geschätzten 40 bis 50 Partygäste. Die anderen waren über Nachbargrundstücke geflohen, einige hatten versucht, sich im Keller zu verstecken. Die Jugendlichen wurden wegen des Verstoßes gegen die Covid-19-Notmaßnahmen-Verordnung angezeigt, zwei Jugendliche müssen sich zudem wegen Drogenbesitz - vermutlich Marihuana - verantworten. Die vom Nachbarn erwähnte Waffe stellte sich als Schreckschusspistole heraus, die Beamten konnten aber eine Machete, ein Klappmesser und Munition sicherstellen.

Fast zur gleichen Zeit löste die Polizei eine Party in Margareten auf, nachdem sich auch hier ein Anrainer über Lärm beschwert hatte. Mehrere Anzeigen wurden ausgestellt. Insgesamt verzeichnete die Polizei in den ersten Tagen des dritten Lockdowns 50 Anzeigen und elf Organmandate wegen des Verstoßes gegen die Covid-19-Notmaßnahmen-Verordnung (zwischen 26. bis 27. Dezember, 6.30 Uhr). Dennoch spricht die Wiener Polizei den Wienerinnen und Wienern Lob aus: "Bis jetzt hat sich gezeigt, dass sich ein Großteil der Bevölkerung an die geltenden Verordnungen hält." (fib).