Coronavirus hin oder her, die Kinder wollten unbedingt sternsingen gehen. Ein Abblasen der Dreikönigsaktion stand gar nicht zur Debatte, erzählt der Fünfhausener Pfarrer Martin Rupprecht. "Jetzt besuchen sie halt nur mehrere ausgewählte Haushalte auf Bestellung." Eine abgespeckte Dreikönigsaktion wie im 15. Wiener Gemeindebezirk wird es diesmal in vielen Pfarren geben. Der Grund: Das traditionelle Sternsingen der Katholischen Jungschar, das in der Regel in der ersten Woche des Jahres bis zum 6. Jänner stattfindet, fällt mitten in den dritten Lockdown, Hygiene- und Abstandsregeln inklusive. Und weil vor allem Letztere in den Stiegenhäusern vieler Wiener Mehrparteienhäuser nicht ordnungsgemäß eingehalten werden können (hier sind Einfamilienhaussiedlungen im Vorteil), verzichten diesmal nicht wenige Pfarren darauf, ihre kleinen Könige singend von Haus zu Haus zu schicken. Wobei: Singen dürften sie ohnehin nicht, das ist ja verboten. Sie müssten also stattdessen ihre Segens- und Bittsprüche aufsagen und wären somit eher Sternsprecher.

Die "Hilfe unterm guten Stern" (so das langjährige Motto der Dreikönigsaktion) steht heuer jedenfalls unter einem denkbar schlechten Stern. Da hilft auch das neue, doppeldeutige Corona-Motto "Sternsingen - aber sicher!" wenig. Dabei wäre doch gerade jetzt die Ausgangssituation ideal: So viele potenzielle Spender waren wohl noch nie daheim wie diesmal, dank Lockdown, Homeoffice und ausfallender Weihnachtsurlaube. Doch das Risiko ist vielen einfach zu groß. "Wir wollen auch vermeiden, dass die Kinder blöd angesprochen oder gar beschimpft werden", erklärt Konstantin Niederhuber von der Pfarre Maria-Drei-Kirchen im 3. Bezirk, weshalb auch hier nur ausgewählte Haushalte besucht werden.

Auf Bestellung, im Streaming oder vor der Kirche

Niederhuber berichtet, dass für diese Hausbesuche ein eigenes Online-Anmeldeformular erstellt wurde, das gut angekommen ist. Zahlreiche Pfarren haben - nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen in den ersten beiden Lockdowns - auch für die Dreikönigsaktion die Möglichkeiten des Internets genutzt und bieten zum Beispiel einen Sternsingerbesuch via Streaming an. Unter www.dka.at/sternsingen/virtuellerbesuch  kann man sogar einen personalisierten Sternsingergruß verschicken.Manche Pfarren haben auch eigene Online-Videos gemacht. "Wir haben einen Kurzfilm erstellt, auf dem man einen kompletten Durchgang sieht: das Umziehen, den Aufbruch einer Gruppe, einen Hausbesuch, jemanden auf der Straße ansprechen, der Auftritt in der Dreikönigsmesse in der Kirche", erzählt Barbara Radlmair von der Pfarre Zum Göttlichen Wort im 10. Bezirk. "Das wird auf unsere Homepage gestellt und über Facebook geteilt." Weil ja auch die traditionelle öffentliche Sternsingermesse am Dreikönigstag heuer ausfällt, überträgt ihre Pfarre den Gottesdienst am 6. Jänner um 9.30 Uhr via Youtube.

Für ihre Pfarre ist der Lockdown doppelt bitter. Denn zum Pfarrgebiet gehört neben etlichen Wohnhäusern auch der Hauptbahnhof samt Einkaufszentrum - eine Art Cashcows für die Sternsinger, die diesmal wegfällt. Ob der Viktor-Adler-Markt, bisher ebenfalls eine Bank, heuer besucht werden kann, muss noch geklärt werden.

Und was, wenn man das Sternsingen einfach von den Häusern in die Fußgängerzone verlegt? "Auch das haben wir überlegt", sagt Niederhuber. Aber auch hier war die Sorge zu groß, dass die Kinder angepöbelt werden könnten, weil sie den Lockdown brechen - obwohl der Gesetzgeber klar formuliert hat, dass das Sternsingen als Ehrenamt zu den "unaufschiebbaren beruflichen Tätigkeiten" gehört. In der Pfarre Zu allen Heiligen im 20. Bezirk hat man einen Mittelweg gefunden: Hier stehen die Heiligen Drei Könige jeweils mehrere Stunden lang vor der Kirche. Weh tut den Pfarren auch, dass die traditionelle Messe am 6. Jänner durch den Lockdown ebenfalls wegfällt.

Sorge um Spendeneinnahmen

Angesichts der aktuellen Situation ist natürlich die Sorge groß, dass die Dreikönigsaktion eine negative Premiere erleben könnte: Wurde in den vergangenen Jahrzehnten Jahr für Jahr ein neuer Spendenrekord aufgestellt (zuletzt waren sogar plus 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr), könnten die Spendeneinnahmen nun zum ersten Mal rückläufig sein - und zwar womöglich sogar stark rückläufig. Die Verantwortlichen werden deshalb nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man ja auch online spenden kann. Und in einigen Pfarren wird überlegt, zusätzlich noch eine eigene Spendenaktion zu machen. In manchen Kirchen wurde ein spezieller Opferstock nur für die Dreikönigsaktion aufgestellt. "Dort kann man seine Spende einwerfen und auch die Segensaufkleber, Infoblätter und ein Säckchen mit Kohle und Weihrauch mitnehmen", erzählt Radlmair. "Das alles geht auch in der Kanzlei."

Bei all dem darf man nicht vergessen, warum der ganze Sternsingeraufwand eigentlich betrieben wird. Die Dreikönigsaktion ist ja nicht bloß eine Art Ferienaufbewahrungscamp für Kinder, die dabei ein Zusammengehörigkeitsgefühl erleben und im Idealfall bei ihren Touren normalerweise neben dem Geld in die Kassa auch die eine oder andere Süßigkeit in den Sack gesteckt bekommen (am Ende wird dann gerecht unter allen aufgeteilt). Vor allem geht es bei der Sammelaktion um Spenden für jene Teile der Welt, deren Bewohner schon vor Corona auf Hilfe aus den reichen Industrieländern angewiesen waren; und die sie jetzt umso mehr brauchen. Egal, auf welche Art und Weise sie zustande kommt.