Die Ergebnisse der vierten Erhebung der Studie "Lernen unter Covid-19-Bedingungen" der Uni Wien an der mehr als 13.000 Schüler während des zweiten "harten" Lockdowns teilnahmen, zeigen deutliche Unterschiede zwischen Oberstufenschüler die sich bereits seit dem 3. November im Home-Learning befinden, und Pflichtschüler, erklärte Christiane Spiel von der Fakultät für Psychologie am Montag:

Fast doppelt so viele Oberstufenschüler wie Pflichtschüler gaben eine Verschlechterung ihrer Lernfreude an. Als Gründe nannten sie besonders häufig gestiegenen Leistungsdruck, Belastung durch zu viele Stunden vor dem PC und die Ungewissheit, wann sie wieder in die Schule zurückkehren dürfen. Ältere Schüler berichteten auch häufiger ein schlechtes Wohlbefinden als jüngere Schüler sowie eine Verschlechterung ihres Wohlbefindens im Vergleich zum ersten Lockdown.

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Die schulischen Aufgaben gelangen den Schüler insgesamt gleich gut oder besser als während des ersten Lockdowns. Die Mehrheit der Schüler hält die Covid-19 Hygienemaßnahmen für wichtig und hält sich auch daran. Je höher der Anteil an Freunden, denen die Einhaltung der Covid-19 Maßnahmen wichtig ist, desto eher gaben die Schüler auch an, sie selbst wichtig zu finden und sich auch daran zu halten. Mit Blick auf die kommenden Wochen machen sich die Schüler - insbesondere die Oberstufenschüler - am meisten Gedanken hinsichtlich Überforderung; sie berichten über Sorgen und Ängste, den schulischen Anforderungen nicht zu entsprechen.

Konkret gaben die Schüler an, sich durchschnittlich 7,1 Stunden pro Tag mit schulbezogenen Aktivitäten zu befassen. Im Vergleich dazu lag der Mittelwert während des ersten Lockdowns in Frühjahr bei durchschnittlich 5 Stunden pro Tag. Etwa die Hälfte gab diesmal an, täglich 8 Stunden oder mehr für die Schule aufzuwenden. Rund 40 Prozent verbrachten 5 bis 7 Stunden und etwa 15 Prozent verbrachten 2 bis 4 Stunden mit Schulaufgaben. Und je älter die Schüler waren, desto mehr Zeit verbrachten sie täglich mit schulbezogenen Aktivitäten.

Hauptsächlich Mütter helfen

Rund 99 Prozent der Befragten hatten im Übrigen einen Computer/Laptop oder Tablet zur Verfügung, wenn sie es für die Schule benötigten. Etwa 26 Prozent gaben an, in der Familie keine Unterstützung beim Lernen zu erhalten. Rund 71 Prozent der Schüler, die Unterstützung in der Familie erhielten, bekamen diese hauptsächlich von ihren Müttern.

Mehr als die Hälfte der Schüler gab an, sich von den Lehrpersonen beim Lernen sehr gut oder gut unterstützt zu fühlen. Besonders gut fühlten sich die Schüler der Mittelschulen von ihren Lehrpersonen unterstützt. Im Durchschnitt standen die Schüler täglich 4 Stunden in direkten Kontakt mit ihren Lehrpersonen.

Etwa 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Aufgaben im Home-Learning gleich gut oder besser gelangen, als in der ersten Home-Learning Phase im Frühjahr. Je älter die Befragten waren, desto eher berichteten sie auch von Verschlechterungen. Dies trifft auch auf die Lernmotivation zu. Betrachtet man die Angaben der Pflicht- und Oberstufenschüler getrennt, zeigt sich, dass letztere fast doppelt so oft Verschlechterungen ihrer Lernfreude im Vergleich zur ersten Home-Learning-Phase berichten.

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Auf die Frage, was sich konkret an ihrer Lernsituation verschlechtert hatte, nannten die Oberstufenschüler besonders häufig gestiegenen Leistungsdruck und Belastung durch zu viele Stunden vor dem PC aufgrund des höheren Anteils an Videokonferenzen im Vergleich zum Frühjahr. Viele gaben an, mehr Schwierigkeiten zu haben, die Motivation und Energie für die Erledigung ihrer Schulaufgaben aufzubringen. Zusätzlich sei die Ungewissheit, wann sie wieder in die Schule zurückkehren dürfen, belastend.

Trübe Aussichten

"Das Jugendalter ist üblicherweise eine Zeit, in der man sich mit Freunden trifft, ausgeht, Reisen macht, Pläne für die Zukunft, sich und seine Grenzen erprobt; eine Zeit in der man das Leben genießt und sich auf die Zukunft freut", erklärt Christiane Spiel. Aber alles, was die Jugendlichen gerne tun möchten, sei derzeit nicht möglich. "Gleichzeitig sind die Anforderungen sehr hoch - 60 Prozent arbeiten mehr als acht Stunden pro Tag, und sie haben Sorge, dass sie das alles nicht schaffen werden", so Spiel weiter. Und was die Zukunft betrifft, sehe es auch eher düster aus - ein klares Ende der Corona-Krise sei nicht in Sicht und dazu komme dann auch noch der zu erwartende Schuldenberg und die Klimakrise.(rös)