Da soll noch einmal jemand sagen, die Politiker tun nichts für das Volk! Gäbe es keine Parlamentsabgeordneten, müssten sich die Wiener Autofahrer weiter auf großräumigen Umwegen rund um das Zentrum der Stadt bewegen. Dank des Parlaments darf aber seit geraumer Zeit jedermann über den Michaelerplatz Richtung Oper fahren. Auch wenn das jedermann vielleicht nicht weiß.

Das bisherige Herrschafts- und Geheimwissen über das offene Schlupfloch am Straßenkreis bei Schauflergasse, Herrengasse und dem Ende des Kohlmarkts wurde dank eines Grazer Journalisten nunmehr erst so richtig publik: Michael Jungwirth, preisgekrönter Innenpolitiker der "Kleinen Zeitung", liebt es, seit Jahren mit seinem motorisierten Zweirad von der Wohnung in der Leopoldstadt in seine Wiener Redaktion am Lobkowitzplatz zu fahren. Der kürzeste Weg führt schon immer über den Michaelerplatz. Dessen motorisierte Umkreisung war aber viele Jahre lang für jeden Verkehr mit Ausnahme von Bussen und Taxis gesperrt. Der verlockende, aber früher illegale Abschneider über ein paar gesperrten Meter kostete wiederholt teures Lehrgeld. Auch einige andere prominente Journalisten sollen schon beim wenig lohnenden Abkürzen von der Exekutive zur Kasse gebeten worden sein.

Also stieg Jungwirth lange Zeit ein Stückerl vor dem Looshaus ab, schob den Roller ein paar Meter und sparte so insgesamt viele Kilometer Umweg. Bis ihn vor Monaten ein Fiaker fragte: "Hean S’, warum mochen Sie des? Des Durchfahren is nimma verboten, seit des Parlament in der Hofburg sitzt." Tatsächlich haben die Wiener Behörden den guten Volksvertretern für die Zeit des Umbaus des Theophil-Hansen-Baus am Ring allfällige Verkehrshürden sorgsam aus dem Weg geräumt: Die Sperre wurde aufgehoben. Vom Ballhausplatz ohne Umweg auf den Josefsplatz und von dort gleich direkt weiter in Richtung der Ausfallstraßen zu den großen Autobahnen, das könnte man als öffentliches Interesse sehen.

Der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl (ÖVP), meinte jedenfalls zur "Wiener Zeitung": "Der Bezirk hat diese Lösung jedenfalls nicht betrieben und wenn der Parlamentsumbau fertig ist, wird sie auch wieder zurückgenommen." Bis dahin kann das Schlupfloch durch die Innenstadt weiter von jedermann genutzt werden. Figl: "Wir hätten keiner Lösung zugestimmt, die nur Abgeordneten offensteht."

Entschieden hat die behördliche Öffnung jedenfalls die MA 46 des damals noch rot-grünen Rathauses. Jetzt freuen sich Jungwirth, der die Sache auch publizierte, andere Journalisten, Abgeordnete und auch viele Wiener über den vorerst noch wenig bekannten Schleichweg. Seine Existenz spricht sich langsam herum. Figl: "Wenn das zu einem Verkehrs-Thema wird, werden wir uns sicher einschalten." Ein Prinzip gelte auch dann: "Gleiches Recht für alle." Bisher gibt es laut Figl "noch keine Beschwerden".

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Am 12. Dezember wurde hier vom Tor-Weltrekord des gebürtigen Wieners Pepi Bican (805 Tore in Pflichtspielen) berichtet.

Der ORF-Sport vermeldete dieser Tage einen neuen Weltrekord Cristiano Ronaldos. Diese Information entspricht nicht den Tatsachen. Bicans Spitzenwert ist aufrecht.