Not macht erfinderisch. Betreibt man dieser Tage ein Reisebüro, ist die Not groß. Niemand liegt in der Karibik unter Palmen. Niemand taucht in Australien nach Korallen. Niemand schippert kreuzfahrend übers Meer. Niemand schlürft Rum auf Kuba. Urlaub ist erstmal gestrichen. Schneeregen und Quarantäne bestimmen unseren Alltag. Reisebüros sind überflüssig. In Österreich stehen etwa 1.000 Filialen leer. Eine davon betreibt Robert Chlebec seit 25 Jahren - das Reisebüro Stafa auf der Mariahilfer Straße im 6. Bezirk. In der Not hat er es kurzerhand zum Testzentrum umfunktioniert.

"Reisebüros liegen seit einem Jahr brach", sagt Chlebec gegenüber der "Wiener Zeitung". "Im Frühling haben wir die Reisen noch auf den Herbst umgebucht. Im Herbst haben wir sie dann storniert." Im Fernsehen sah Chlebec Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) immer wieder die gleichen drei Worte sprechen: "Testen, testen, testen." "Ich habe überlegt, wie ich etwas beitragen kann, die Pandemie zu beenden", sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau - einer Krankenschwester - hatte er die Idee, statt Reisen Corona-Tests anzubieten.

Corona-Tests kann man überall machen. Auch in einem Reisebüro. Leerstand bringt schließlich niemanden etwas. Und so wird seit Ende November im Reisebüro Stafa getestet. Um die hundert Kunden kommen laut Chlebec täglich - trotz kostenloser Teststraßen der Stadt Wien. "In Spitzenzeiten sogar bis zu 300." Er bietet Antikörpertests um 19 Euro, Antigentests um 29 Euro und PCR-Tests um 120 Euro an. Mit ärztlichen Attest. "Das bekommen sie in der Apotheke nicht", sagt er.

Chlebec arbeitet mit einem Arzt und dem Labor Wien West zusammen, das die Tests auswertet. Durch seine Frau ist er gut mit Ärzten und medizinischem Personal vernetzt. Einen diplomierten Krankenpfleger stellte er an. Vor der Pandemie hatte Chlebec vier Mitarbeiter, heute sind es sechs. Statt Reisen wickeln sie den Check-in des Testzentrums ab. "Hätte ich nicht auf Tests umgestellt, hätte ich alle Mitarbeiter kündigen müssen." Der Umsatz komme nicht an jenen von vor der Pandemie heran. Überleben kann Chlebec nun aber sicher.

Role-Model für die ganze Branche

Außerdem sieht er sein Engagement nicht nur als Möglichkeit, Geld zu verdienen. Er wolle auch etwas für die Gesellschaft tun. Mithelfen, die Pandemie so schnell wie möglich zu überwinden. Es würde auch in seinem Sinn liegen, wenn die Menschen wieder in den Urlaub fahren könnten.

Sein Testzentrum sieht er als Role-Model für alle Reisebüros des Landes. Reisebüros wären als Corona-Testzentren geradezu prädestiniert. Sie sind zentral gelegen, haben die ideale Größe und die perfekte Software, um den Testbetrieb abzuwickeln. Das Programm war schnell umgestellt. "Statt Reisetickets verschickt es jetzt Testergebnisse", sagt Chlebec.

Seit Herbst bemüht sich Chlebec seine Idee an die Politik heranzutragen. "Erst habe ich bei Gesundheitsstadtrad Peter Hacker (SPÖ) urgiert, dann beim Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Und schließlich sogar bei Anschober." Rückmeldung gab es keine. Chlebec will der Politik sein Reisebüro auch als Impfzentrum anbieten, sobald die Immunisierungen in die Bereite gehen. In der Impfung sieht er die einzige Chance, wieder zur Normalität zurückkehren zu können.

Und in der Normalität fahren die Leute auf Urlaub. In die Karibik. Nach Asien. Dann will Chlebec wieder einen Ausweg bieten. Aus den pannonischen Wintern des Landes.