Innerhalb des Gürtels kennt er selbst nur noch einen anderen Kohlenhändler am Alsergrund. Peter Hinterhoger (58) aus der Kandlgasse in Wien-Neubau ist einer der letzten Kohlenmänner alten Typs. Diese Spezies ist in Wien im Aussterben begriffen. In den Außenbezirken weiß Hinterhoger nur noch von zwei weiteren Betrieben in Fünfhaus und Hernals.

Verschärfte Umweltvorschriften gegen Staub, Abgase aber auch den Transportlärm machen das Überleben ebenso schwer wie der immer mehr vom Aussterben betroffene Anteil älterer Menschen, die noch ihre Wohnungen mit Koks- und Kohleöfen heizen. Aber es gibt sie noch, die Koksheizer und auch die Kohlenmänner. Frauen gibt es in dieser Branche höchstens im Büro und der Buchhaltung. Bis zu sechzig Kilo schwere Kohlensäcke am Rücken in das oberste Stockwerk eines Gebäudes zu schleppen, ist eindeutig reine Männersache.

Hinterhoger und sein einziger Helfer beherrschen noch diesen Job richtig. Der Chef ist 1,83 Meter groß und 92 Kilo schwer. Der Helfer ist etwas kleiner. Das habe auch Vorteile: "Der Klanere tuat sie leichter beim Anheben, der kann die Kohlen schöner nehmen." Fast 100 Tonnen schleppt jeder der beiden pro Saison auf seinem Rücken daher.

Mit ihren kleinen, langsamen, aber dafür bärenstarken, dreirädrigen Fahrzeugen beliefern sie die Kundschaft in der näheren, aber auch der schon immer weiteren Umgebung. "Motorkuli" heißen die Fahrzeuge mit 50 Kubikzentimeter Hubraum. Bis zu einer Tonne Last befördern diese pro Liefertour auch durch engste Gassen. Früher durfte man mit so einem Gefährt auch am Gehsteig vor einem Haustor stehen bleiben um die Riesenmengen vom Wagen weiter zu tragen. Damit ist es durch die immer strengere Parkraumüberwachung längst vorbei. Jetzt wird die Last am Gehsteig zwischengelagert, Parkplatz gesucht und dann "hinaufgetragen."

Früher ging das mit Butten und Jutesäcken. Jetzt heißt es oft "Plastik statt Jute". Denn wegen des Staubs dürfen Kohlen im 25-Kilo-Gebinde nur mehr in Nylonsäcken verpackt werden. Die zehn Kilo gibts noch in Papier. "Ich werde jetzt durch die Sackeln viel dreckiger als früher", sagt der in schwarzen Staub gehüllte Hinterhoger. Er ist kein Freund der Grünen und ihrer "immer strengeren Vorschriften, die das Geschäft zerstören." Maximal vier Jahre will er seinen Betrieb "Kohlen Weber" noch leiten. Der ist noch immer nach dem Onkel benannt, von dem Hinterhoger das Geschäft vor fast 25 Jahren übernahm. "Blöd" sei er damals gewesen, sagt der Kohlenmann heute. "Aufhören" würde er am liebsten, "ich hab’ es bereut, weil immer weniger Geld überbleibt." Jetzt gehe es darum, noch "die Pension zu erreichen".

8,30 Euro kann er diese Saison für die Anlieferung eines 10-Kilo-Sacks Kohle erzielen. Beim Koks sind es 8,90. Die Preise sind vom einzigen Großhändler mehr oder weniger "diktiert" bzw. abhängig. Das Geschäft mit Holz für Studenten und die zunehmend wieder beliebten Kachelöfen und offenen Kamine hält sich auch in Grenzen: Für 20 Kilo Anschleppen gibt es 11,50 Euro. Und die 13 Prozent Steuer darauf "sind reiner Wahnsinn". Schließlich gebe es auch noch die "fixe Kohlenabgabesteuer von 50 Cent pro Packung", stöhnt der Kohlenhändler. Obwohl es "immer weniger Trinkgeld gibt", sei auch noch dieses unabhängig von der Höhe mit einer monatlichen Fixgröße besteuert und nicht erfolgsbezogen.

Wenn Hinterhoger "einmal zumachen muss", werden ausgerechnet die seltenen Kohlenwagerl ein Kapital sein. Passionierte Liebhaber lauern jetzt schon darauf und bieten pro Stück bis zu 2.000 Euro.