Es war 1971, als Wiens Polizeipräsident "Joschi" Holaubek auf seine sehr persönliche Weise eine Geiselnahme löste, die das Land erschütterte. Dieser Tage jährt sich am 10. Februar auch der Todestag des 1999 im 92. Lebensjahr verstorbenen, populärsten aller Wiener Polizeipräsidenten.

Zu seinem legendärsten Ausspruch kam es am 4. November 1971, als er im Alleingang einen Geiselnehmer zur Aufgabe überreden und festnehmen konnte. Drei Häftlinge der Strafanstalt Stein hatten einige Tage davor Justizwachebeamte überwältigt, sich ihrer Waffen bemächtigt und waren ausgebrochen. Die spektakuläre Flucht hielt ganz Österreich in Atem. Zwei Ausbrecher verschanzten sich mit vier Geiseln in einer Wohnung in Wien-Donaustadt. Einer gab bald auf. Der Zweite brauchte präsidentiellen Zuspruch. Zum Entsetzen seiner Beamten ging Holaubek allein, in Zivil und unbewaffnet vor die Tür und sprach den legendären Satz: "I bin ’s, der Präsident." Und dann: "Ich moch doch kane Schmäh. Schau nach, schau durch des Guckerl." Worauf der vollkommen verblüffte Delinquent bedingungslos kapitulierte.

Über den Ausspruch ist noch eine zweite Version überliefert: "I bin ’s DEIN Präsident." Mangels heute feststellbarer Ohrenzeugen wollen wir an dieser Stelle aber an der ersten Version festhalten. Denn "dein Präsident" erschiene nicht sinnvoll. Vor allem bekräftigte der betagte Holaubek noch vor seinem Tod in einem Fernsehinterview die erste Darstellung.

"Der Präsident", ein herzensguter Mensch, hat sich jedenfalls auch noch nach dessen Haftentlassung um den früheren "Ausbrecherkönig" gekümmert. Er besorgte ihm einen Job, gab ihm Geld aus der Privattasche und traf ihn wiederholt zum Plausch im Kaffeehaus. Die persönliche Resozialisierungsarbeit war von Erfolg gekrönt: Der "Ausbrecherkönig" wurde nie wieder rückfällig. Das Häftlingsschicksal war Holaubek geläufig. Als Sozialdemokrat saß er selbst während des austrofaschistischen Ständestaats mehrmals im "Häf’n". Später sollte er "Kinderfreunde" und "Rote Falken" wiederbeleben helfen.

Holaubek war 1947 in das Amt des Wiener Polizeipräsidenten gehoben worden. Er übte es mit Stolz und Begeisterung bis 1972 aus. Gleich nach dem Weltkrieg hatte er seit 1945 die Wiener Feuerwehr aufgebaut. Dem Weltverband der Feuerwehr (CTIF) stand er auch noch als oberster Polizist zeit seines Berufslebens vor. Als Polizeichef trat er öffentlich nie in Uniform auf. Mit seiner Leutseligkeit erlangte er schon in der Besatzungszeit rasch Popularität. Holaubek kümmerte sich um Anliegen von Passanten auf der Straße und hob im Büro oft selbst das Telefon ab. Journalisten begegnete er kollegial-väterlich. Das reichte vom Heimbringen in brenzligen Situationen bis zum unangeforderten Schutz, weil er sich um jemand sorgte. Manch heikle Angelegenheit mit den Besatzern regelt er recht jovial.

Bei der Unterzeichnung des Staatsvertrages leitete er mit Umsicht alle Sicherheitsmaßnahmen. Bei wichtigen Staatsbesuchen, wie dem Gipfeltreffen von US-Präsident John F. Kennedy und Sowjet-Chef Nikita Chruschtschow in Wien im Juni 1961, rettete er einen Staatsakt vor dem Platzen. So eskortierte er persönlich Stilikone Jacky Kennedy nach Frisurproblemen mit Blaulicht zum Staatsempfang nach Schönbrunn, wo alle auf die "Gnädige" längst und schon sehr ungnädig warteten. Seinen VW-Käfer mit dem Kennzeichen W 100.000 kannte jeder Wiener und machte auch ohne Einsatzsignale respektvoll Platz.

Mit Fernsehleuten trug "Joschi" einmal persönlich Kabelrollen in eine Ost-Botschaft, um eine Übertragung zu sichern. 1972 trat er ab. Niemand von der Exekutive erreichte in der Stadt seither jemals seine Beliebtheit. Er blieb für die Wiener "Der Präsident". Heute ist der Platz vor dem Verkehrsamt nach ihm benannt.