Für rund 450.000 Schüler in Wien und Niederösterreich hat am Montag nach den Semesterferien wieder die Schule begonnen. Rund 280.000 von ihnen hatten nach Wochen des Distance Learning wieder die Möglichkeit, den Präsenzunterricht zu besuchen. Voraussetzung dafür war grundsätzlich ein Corona-Selbsttest an der Schule. Nach ersten Einschätzungen dürfte der Großteil davon Gebrauch gemacht haben. Dementsprechend groß war rund um den Schulbeginn um 8 Uhr der Andrang an vielen Volksschulen, wie einige Lokalaugenscheine zeigten.

Die Schüler wurden meist nur im Gänsemarsch mit kleinem Abstand eingelassen - dementsprechend war dann auch für kurze Zeit der Rückstau im Freien. Wobei manche Eltern mehr die - distanzlose - Ansammlung der Eltern vor innerstädtischen Schulen beklagten als die Verzögerungen. Einige Eltern reagierten darauf mit einer Veränderung der Morgenroutine: "Wir verabschieden uns jetzt schon eine Ecke von der Schule entfernt von den Kindern. Das letzte Stück gehen sie alleine," erzählt eine Mutter aus Neubau. So vermeidet sie, durch die Menschenansammlung vor dem Schultor zu müssen: "Dass es immer noch Eltern gibt, die vor den Schultoren stehen und ohne Maske miteinander plaudern, ist mir zu riskant."

Warten in der Kälte

An einer Volksschule im Wiener Umland mit rund 150 Kindern in sechs Klassen wurden die Kinder in der Früh schon vorab daheim getestet. Die Testkits dafür mussten die Eltern am Sonntagnachmittag in der Schule abholen. Dort getestet wird erst ab Mittwoch. Am Montag durften offenbar auch die negativ getesteten Kinder nur einzeln in die Garderobe hinein, die anderen mussten draußen in der Kälte warten. Selbst Geschwister wurden dabei nur einzeln eingelassen. "Um halb neun sind wir immer noch vor dem Schultor draußen gestanden, dabei hätte der Unterricht um acht beginnen sollen", erzählt eine Mutter. Zudem wurde im Schulhaus nochmals extra bei jedem Kind die Temperatur gemessen. Gemeinsam mit dem Einsammeln der Einverständniserklärungen für die Corona-Tests in der Schule sorgte das Ganze für eine etwas unübersichtliche Situation und Staus am Schuleingang

In einer anderen Schule in Niederösterreich waren am Montag von der 1. Klasse Volksschule fast alle Eltern da, um ihren Kindern beim Selbsttest zu helfen, was aber laut einem Vater schnell und problemlos ging. Die Kinder erhielten den Test beim Eingang vom Schulwart, gingen in einen Extraraum beim Turnsaal und testeten sich dort, nach zehn Minuten erfolgte die Abgabe beim Schulwart.

In den Volksschulen findet der Unterricht generell wieder an allen fünf Wochentagen in der Klasse statt. Die Schüler werden dabei zweimal pro Woche getestet. Außerhalb der Klassen- und Gruppenräume muss im Schulgebäude ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

An den Mittelschulen, AHS-Unterstufen und den Polytechnischen Schulen herrscht Schichtbetrieb für alle Schüler: Die Klassen werden in zwei Gruppen unterrichtet: die einen am Montag und Dienstag, die anderen am Mittwoch und Donnerstag. Am Freitag werden dann beide Gruppen im Distance Learning unterrichtet. Auch hier muss im Schulgebäude ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Generell kann Schülern die Erlaubnis zum Fernbleiben vom Unterricht erteilt werden, wenn sich diese aus mit der Covid-19-Pandemie in Zusammenhang stehenden Gründen nicht in der Lage sehen, am Unterricht teilzunehmen.

Die Sonderschulen stellen nach Möglichkeit auf Distance Learning mit Betreuungsmöglichkeit um. Präsenzunterricht ist jedoch für einzelne Gruppen, Klassen oder die gesamte Schule möglich. Die 1. bis 4. Schulstufen der Sonderschulen werden im Präsenzunterricht geführt. Außerhalb der Klassen- und Gruppenräume muss im Schulgebäude ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Für Sonderschulen ab der 5. Schulstufe gilt der gleiche Schichtbetrieb wie an den übrigen höheren Schulen.

32 Wiener positiv getestet

Zum Einsatz an den Schulen kommen im Übrigen sogenannte Anterio-Nasaltests. Dabei erfolgt ein Abstrich mit einem Tupfer im vorderen Nasenbereich. Nach der Abnahme wird dieser in einem Faltkarton mit einer Flüssigkeit beträufelt und der Karton anschließend zugeklappt. Binnen weniger Minuten erscheint das Ergebnis auf der Vorderseite

Ersten Daten des Gesundheitsministeriums zufolge wurden in Wien 32 Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. Die Gesamtzahl der in Wien Getesteten war jedoch vorerst nicht bekannt. Die Akzeptanz sei jedoch hoch gewesen, erklärte eine Sprecherin. Sie liege bei 98 bis 99 Prozent. Eine größere Bilanz wird gegen Ende der Woche erwartet, zumal dann erst auch die Zahlen des zweiten Schichtbetriebs miteinbezogen werden können. (red)