Der Marketing- und Pressechef der städtischen Bestattung, Florian Keusch und seine Kollegen haben öffentlich selten etwas zu lachen. Meist sind sie mit todernsten Themen konfrontiert. Das versuchen sie seit geraumer Zeit aufzulockern. Sie haben sich einen humorvolleren Umgang mit dem Tod, als des normalen Lebens letzter Teil, auf ihre sonst schwarzen Fahnen geheftet.

Mit der Kreation einer Mundschutzmaske mit der Aufschrift "Corona leugnen sichert Arbeitsplätze - Bestattung Wien" haben die Bestatter (insgesamt 800 Mitarbeiter) in den vergangenen Wochen nun den sprichwörtlichen Totenvogel abgeschossen. Die Maske, welche auch im Bestattungsmuseum am Zentralfriedhof verkauft wird, geht weg wie sonst die Särge. Wer noch so eine will, muss sie inzwischen vorbestellen und warten, bis es wieder Lieferungen gibt. Anfangs wurden nur wenige Stück produziert, man hatte Angst, dass sie Ladenhüter werden könnten. Aber weit gefehlt. Inzwischen wurden über 20.000 zum Stückpreis von 8,90 Euro an Mann und Frau gebracht. Fast 8000 Stück sind inzwischen in den gesamten deutschsprachigen Raum exportiert.

Jetzt wird geprüft, ob auch FFP2-Masken mit dem begehrten Aufdruck versehen werden können. Die Idee zur originellen Maske hatte der Kommunikationschef selbst, dem auch Bestattungsmuseum mit Shop untersteht. Er verfremdete einen Slogan auf Zigarettenboxen, mit dem der Betrieb schon einmal vor Jahren für Furore sorgte: "Rauchen sichert Arbeitsplätze. Bestattung Wien."

Die auch nach außen sichtbare Modernisierung des gesamten öffentlichen Bestattungsbetriebs und seines Museums begann 2014 mit der Übersiedlung in ein neues Gebäude beim Zentralfriedhof. Früher befand sich beides in der Goldeggasse in Wien-Wieden. Wer damals ins Museum wollte, musste sich noch anmelden. Unter tatkräftiger Mitwirkung eines Wiener Zeitung-Mannes als Ideenlieferant, feierte dort das "Sarg ausprobieren" für breites Publikum in einer "Langen Nacht der Museen" fröhliche Urständ’.

Jetzt hat das Museum am Zentralfriedhof ein Verkaufslokal einen Online-Shop und mehrere Mitarbeiter, die gemeinsam mit dem Marketing immer lustigere Ideen realisieren dürfen. So schaffte man es einmal sogar schon in die "ZiB2" mit Armin Wolf. Begeistert zeigte dieser anlässlich der Buchwoche ein Sackerl in die Kamera. Es trug die Aufschrift: "Ich lese, bis ich verwese." Es war in Kooperation mit den Büchereien entstanden.

Zum echten Exportschlager, mit Ausfuhren bis in die Niederlande, nach Saudi-Arabien, China und in die USA, wurde das "Bestattungs-Lego": ein Mini-Krematorium mit Kutsche, Leichenwagen und Grabstätte aus Lego-Komponenten. Keusch: "Dabei geht es darum, Kindern in Ausnahmesituation bei der Bewältigung von Erfahrungen mit Tod und Friedhof zu helfen." Das Spielzeug wird nicht von Lego produziert, sondern von Keuschs Mitarbeitern Stück für Stück zusammen gebaut. "Das geschieht alles in Handarbeit. Daher ist es auch nicht ganz billig." Etwa 55 Euro kostet eine komplette Garnitur.

Stolz erzählt Keusch auch vom Erfolg eines Turnsackerls der Bestattung mit der Aufschrift: "Ich turne bis zur Urne." Auch dieses wurde zum Renner. Als Keusch es vor kurzem bei einer Seniorenmeisterschaft in Hand eines betagten Wettkämpfers erblickte, "hat mich das schon sehr gefreut".