Die Platane, die seit fast 90 Jahren in der Josefstadt wächst und wächst, ist gerettet: Sie wurde in der Nacht auf Dienstag von der Ecke Josefstädter Straße/Auerspergstraße in den Bettina-Huber-Park beim Schmerlingplatz versetzt. Der Baum, der sich bis zuletzt direkt vor dem Café Eiles befand, drohte gefällt zu werden, weil die Wiener Linien an ihrer Stelle eine U-Bahnausgang der U2/U5 errichten.

Genaue Kosten nicht bekannt

Der Baum wurde bei dichtem Schneefall ausgegraben, von einem Kran auf einen Tieflader gehievt und dann an seinen neuen Bestimmungsort beim Justizpalast gebracht, wo er nun steht. Die genauen Gesamtkosten für das Projekt waren vorerst nicht bekannt. Eine Privatinitiative finanzierte die Umpflanzung der Platane. Die Wiener Linien übernahmen die Transportkosten in der Höhe von rund 50.000 Euro. Der Baumverpflanz-Spezialist Manfred Saller, der den Einsatz leitete, verzichtete auf sein Honorar.

"In Zeiten des Klimawandels muss die Politik alles tun, um bestehende Natur zu erhalten und mehr Grün in die Stadt zu bringen", sagte der Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ). "Der Öffi-Ausbau U2xU5 ist das richtungsweisendste Projekt der Stadt Wien und eine wirkungsvolle Antwort auf die zwei großen Herausforderungen unserer Zeit, die Klima- und die Corona-Krise. Dennoch war für mich von Anfang an klar, dass ich trotz der technischen Mammutaufgabe für jeden Baum kämpfen werde." Die Platane stehe "symbolisch für die ökologische Haltung der Wiener Stadtregierung", so Hanke. "Die Umpflanzung hat Symbolcharakter und setzt neue Standards für die Zukunft", sagt Gerhard Heilingbrunner vom Kuratorium Wald, das an der Seite von Baumchirurg Saller für die Umsetzung mitverantwortlich war.

Vorab war unklar, ob die Umsiedlung tatsächlich gelingen wird. Im Vorfeld ließen die Wiener Linien prüfen, wie sich der Baum retten ließe. Das ernüchternde Ergebnis: Zwei Unternehmen beurteilten die Umpflanzung als "technisch und fachlich nicht möglich", ein drittes Unternehmen gab an, einen 100-Tonnen-Kran für die Größe des Wurzelballens zu benötigen. Doch die Gesamtlast durfte 60 Tonnen nicht übersteigen, da die darunter liegende U2-Röhre maximal 60 Tonnen trägt. Bei einer Verkleinerung des Wurzelballens wäre jedoch das Überleben des Baumes nicht garantiert, argumentierten die Unternehmer. Dieses Risiko wollten die Wiener Linien nicht eingehen, weshalb der Baumchirurg Saller einsprang.

Andere haben weniger Glück

Andere Bäume haben weniger Glück als die Platane: In der Landesgerichtsstraße in der Josefstadt werden aufgrund der U-Bahn-Bauarbeiten in den kommenden zwei Wochen rund 40 Bäume gefällt, 30 davon im Bereich der Universität. Die Grünen in der Josefstadt und im Alsergrund kritisieren die Fällungen, die Neos ebenso. Die Wiener Linien argumentieren, dass für den U-Bahn-Bau Schächte und Tunnel gegraben werden müssen. 130 Bäume bleiben erhalten, 18 werden umgepflanzt. Für die gefällten 70 Bäume soll es Ersatzpflanzungen im Bereich Universitätsstraße/Landesgerichtsstraße geben. (fib)