Eine besonders perfide Masche hatte sich ein Pärchen ausgedacht, das ab August 2019 in Wien gezielt betagte Personen bestohlen haben soll. Sie verschafften sich mit der Vorgabe Zutritt in die Wohnungen ihrer Opfer, sie wären von der Pensionsversicherungsanstalt. Eine Erhöhung des Pflegegelds, des Hilflosenzuschusses bzw. der Pension stünde bevor, dafür müssten jetzt körperliche Untersuchungen durchgeführt werden, meinten die Täter, die als Arzt und Krankenschwester auftraten.

Eine perfide Masche: Während sich der Arzt oder die Schwester mit dem Opfer und der Untersuchung befasste, nutzte der bzw. die andere die Gelegenheit, um Wertsachen in der Wohnung an sich zu bringen. - © unslpash, Bll Oxford
Eine perfide Masche: Während sich der Arzt oder die Schwester mit dem Opfer und der Untersuchung befasste, nutzte der bzw. die andere die Gelegenheit, um Wertsachen in der Wohnung an sich zu bringen. - © unslpash, Bll Oxford

Wie am Dienstag am Wiener Landesgericht im Prozess gegen die falsche Krankenschwester erörtert wurde, führte das Duo zum Teil in den Schlafzimmern der teilweise hochbetagten Opfer Pseudo-Untersuchungen in Bauchlage durch, nachdem sie in einigen Fällen Betroffene aufgefordert hatten, ihren Oberkörper freizumachen. Während sich der Arzt oder die Schwester dann mit dem Opfer befasste, nutzte der bzw. die andere die Gelegenheit, um Wertsachen in der Wohnung an sich zu bringen.

Schaden von 150.000 Euro

Die Anklage gegen die 50-Jährige umfasste fast zwei Dutzend Fakten, ein Schaden von fast 150.000 Euro war inkriminiert. Der falsche Arzt, mit dem die 50-Jährige in einer Lebensgemeinschaft verbunden war, konnte nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Er ist in der U-Haft gestorben.

Die Angeklagte versicherte, sie hätte ihren Partner nur vier bis sechs Mal begleitet. Er sei die treibende Kraft, das "Mastermind" gewesen. "Es tut mir von Herzen leid", versicherte die Frau. Sie habe sich "aus Naivität" auf das Ganze eingelassen. Die anderen Fakten müsse der Mann mit anderen Geliebten begangen haben, führte der Verteidiger ins Treffen. Die Angeklagte sei nicht die einzige Frau in dessen Leben gewesen. Von der Beute habe seine Mandantin nie mehr als jeweils 50 Euro erhalten.

Laut Anklage sollen sich die beiden auch den Ausbruch der Corona-Pandemie zunutze gemacht haben. Ab dem vergangenen Frühjahr traten sie mitunter mit der Vorgabe auf, Untersuchungen auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchführen zu müssen. Ein Pensionist schilderte dem Schöffensenat (Vorsitz: Petra Sattlberger), am 1. Mai 2020 habe es bei ihm geläutet. Die Schwindler hätten sich als Vertreter vom Gesundheitsamt ausgegeben und behauptet, sie müssten seinen "Gesundheitszustand" abklären. Er habe das Hemd aufgeknöpft, während er abgelenkt war, sei ein Geldkuvert mit 1.110 Euro verschwunden, gab der Pensionist zu Protokoll: "Es hat nicht einmal zehn Minuten gedauert." (apa)