Wien. Spät aber doch, hat der Winter Wien in Weiß getaucht. Sogar wenn Schnee und Eis vielerorts bereits geschmolzen sind, ist ein feiner weißer Film über die Stadt gelegt. Die Ursache: Die Reste der Salzstreuung, die der Bevölkerung vielerorts unangenehm auffallen. Grund ist ein Ausnahmereigen. Denn eigentlich gilt in Wien ein Salzstreuverbot. Das kann allerdings von der Stadt aufgehoben werden - was auch geschieht -, um die durch den alternativen Streusplit verursachte Feinstaubbelastung niedrig zu halten. Oder,  so wie heute, Mittwoch, wegen akuter Glatteisgefahr. Davon wiederum ausgenommen sind Flächen, die sich in unmittelbarer Nähe (bis zu zehn Meter) zu unversiegeltem Boden befinden - also beispielsweise Bäume oder Rasen -, durch den das Salz eindringen und bis ins Grundwasser vordringen kann. Doch auch für die Ausnahme der Ausnahme gibt es wiederum Ausnahmen. Unter Brücken etwa, oder in Haltestellenbereichen für öffentliche Verkehrsmittel darf trotzdem Salz gestreut werden.

"Die Stadt Wien ist lediglich für die Fahrbahnen zuständig", heißt es von der Magistratsabteilung 48. Den Gehsteig von Schnee und Eis freizuhalten, dafür seien die jeweils angrenzenden Liegenschaftseigentümer zuständig. Damit fallen 2.800 Kilometer Straße plus 1.100 Kilometer Radwege in den Zuständigkeitsbereich der MA48. Hinzu kommen noch Gehsteigflächen, für die kein Anwohner zuständig ist - darunter auch die erwähnten Haltestellen - und die Flächen vor Zebrastreifen. Das alles wird primär mit Salz behandelt. Genauer gesagt: mit einem Salzwassergemisch, das mit der sogenannten Feuchtsalztechnik ausgebracht wird. Durch das Versprühen der Sole, statt des direkten Ausbringens des Salzes, werden einerseits Verwehungen verhindert. Andererseits ist es so möglich, die schneeschmelzende Substanz zielgenauer anzubringen. (Das Ausbringen von Feuchtsalz ist übrigens vom Streusalzverbot ausgenommen.)

Verletzungen durch Glatteis

Mittwochfrüh ist es in Wien zu akuter Glatteisbildung auf den Straßen und Gehsteigen gekommen. Das hat auch viele Menschen überrascht, die ausrutschten und stürzten. Ein Sprecher der Berufsrettung berichtete, dass es seit 5.30 Uhr zu einem erhöhten Einsatzaufkommen kam. Auch der Gesundheitsverbund bestätigte: "Bei uns ist in den Unfallambulanzen und Notfallambulanzen Hochbetrieb." Aufgrund der steigenden Temperaturen sollte sich die Lage mittags aber entspannen.

Laut Berufsrettung haben seit der Früh eine Vielzahl an Personen den Notruf gewählt, weil sie ausgerutscht waren. Die meisten Gestürzten hätten Prellungen erlitten, einige auch Knochenbrüche. Die Rettung verteilte die Verletzten auf sieben Spitäler.

Nicht nur die Wienerinnen und Wiener, sondern auch die Nordburgenländer hat am Mittwochfrüh Glatteis auf den Gehsteigen erwartet. Laut Landessicherheitszentrale verletzten sich neun Personen in den Bezirken Eisenstadt Umgebung, Neusiedl am See und Mattersburg. Sie erlitten Bein-, Kopf- oder Schulterverletzungen. Verkehrsunfälle wurden zunächst keine gemeldet.

Bisher hat die Stadt Wien in dieser Saison übrigens 5.500 Tonnen Salz ausgebracht. Bei Rollsplit waren es im Vergleich lediglich 52 Tonnen.