"Ash to go" lautet das Motto am heutigen Aschermittwoch: Anders als sonst wird nämlich das Aschenkreuz nicht mit dem Finger auf die Stirn gezeichnet, sondern der Ritus wurde pandemiebedingt abgeändert: Die vatikanische Kongregation für den Gottesdienst hat festgelegt, dass der Priester erst ein Segensgebet über die Asche spricht und sie ohne weitere Begleitworte mit Weihwasser besprengt. Danach sagt er einmal für alle Anwesenden eine der beiden Formeln: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium." Oder "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst." Dann reinigt der Priester seine Hände, setzt die FFP2-Maske auf und lässt bei den einzelnen Gläubigen die Asche auf deren Kopf fallen, ohne etwas dabei zu sagen.

In Wien spendet Erzbischof Christoph Schönborn in einem Gottesdienst ab 18 Uhr im Stephansdom das Aschenkreuz (live auf Radio Klassik Stephansdom und im Online-Livestream). um 15 Uhr gibt es auch eine kurze Andacht im Dom. Außerdem wird im "Raum der Stille" im Kellergeschoß des Wiener Hauptbahnhofs heute noch bis 18 Uhr das Aschenkreuz verteilt. Auch das Begegnungszentrum "Quo Vadis" am Stephansplatz 7 ("Zwettlerhof") bietet zwischen 11 und 17 Uhr "Ash to go" an. Passanten sind eingeladen, ins Gespräch zu kommen, zu beten und das Aschenkreuz zu empfangen.

Asche: Zeichen von Trauer und Hoffnung

Seit dem 6. Jahrhundert beginnt 46 Tage vor Ostern die Fastenzeit. Da die Sonntage nicht als Fasttage gelten, ergibt das bis einschließlich Karsamstag 40 Tage der "Umkehr und Buße". Abhängig vom Ostertermin (erster Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond)  fällt der Aschermittwoch frühestens auf den 4. Februar, spätestens auf den 10. März. Sein Name kommt von der Asche, die ursprünglich an diesem Tag öffentlichen Büßern auf das Haupt gestreut wurde.

Seit dem 11. Jahrhundert empfangen alle Gläubigen dieses Zeichen der Umkehr und des Neubeginns. Sie wird aus den verbrannten Palmzweigen des Palmsonntages aus dem Vorjahr hergestellt. Der schlichte Ritus der Aschenauflegung kann gerade unter den aktuellen Bedingungen ein stimmiger Ausdruck der Trauer aber auch der Hoffnung auf einen Neuanfang sein. Beides steckt in der biblischen Symbolik von Asche. Hiob etwa, der in der Asche sitzt und mit Gott ringt bekennt am Ende: "Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub." (Hiob 19,25)

Fastentuch im Stephansdom: "Zieht's euch warm an!"

Während Corona also auch in der Kirche vieles verändert hat, so ist doch eines gleich geblieben: das Fastentuch im Stephansdom. Zum zweiten Mal hängt dort während der Fastenzeit ein riesiger Pullover, den Erwin Wurm gestaltet hat. Der Künstler und auch Wiens Dompfarrer Toni Faber verbinden mit der fast 80 Quadratmeter großen Installation über dem Hauptaltar das, wonach in Zeiten der Pandemie und des Social Distancing die Sehnsucht besonders groß ist: Wärme, Nächstenliebe, Geborgenheit. Denn passend zum Pulover wurde draußen an der Südseite des Domes auch wieder eine ebenso überdimensionale orange Wärmflasche - aktuell ausgerechnet im Schnee - angebracht.

Die Botschaft des Pullovers könnte laut Dompfarer Toni Faber lauten: "Zieht's euch warm an!"  - © Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub
Die Botschaft des Pullovers könnte laut Dompfarer Toni Faber lauten: "Zieht's euch warm an!"  - © Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub

Die Botschaft des Pullovers, der ja schon vor der Corona-Pandemie konzipiert und geschaffen wurde, könnte lauten "Zieht's euch warm an!", meint Dompfarrer Faber. "Wir müssen durchhalten, einander Nächstenliebe und Wärme schenken. Zugleich macht der Pullover deutlich: Wir sind auf jemanden angewiesen, der uns schützt, der uns ein Schutzmantel ist." Zudem habe der Pullover auch appellativen Charakter, insofern er dem Betrachter zurufe: "Tut es Gott gleich und umarmt den Nächsten wärmend!"

Tatsächlich ließ sich Wurm bei dem Kunstwerk von der christlichen Ikonografie, konkret von der Schutzmantelmadonna inspirieren. Die Verbindung von avantgardistischer Kunst und Tradition, wie sie hier umgesetzt wird, ist für ihn gewissermaßen "eine Rückkehr zu meinen Anfängen". Schließlich war eben diese Verbindung in seiner Ausbildung und Frühzeit wichtig. (kathpress/red)