Tausende Blumen und Kerzen, die am Tatort der Terrornacht vom 2. November in der Innenstadt abgelegt wurden, sind inzwischen weggeräumt. Weggeschmissen wurde aber nichts. Die Überreste des Lichtermeers hat die MA48 in 300 Säcke gepackt und der Wiener Künstlerin Sabine Wiedenhofer übergeben, die alles schreddern ließ. Anschließend fuhr sie mit zwei Tonnen kleinsten Teilchen zu einem Glasproduzenten im italienischen Murano, wo das Ganze erhitzt und das flüssige Glas mit den geschredderten Materialien ummantelt und eingeschmolzen wurde. Daraus sollen nun ein Mahnmal und mehrere kleine Skulpturen entstehen.

Buntes Oktagon im Park

Das Mahnmal wird 26 Meter groß und breit und soll bald in einem Wiener Park stehen. Wo genau, dürfe sie noch nicht verraten, sagt Wiedenhofer zur "Wiener Zeitung": "Es soll ein farbenfroher Ort der Kommunikation und der Begegnung werden, mit Sitzgelegenheiten für die Öffentlichkeit."

. . . wurde von der Künstlerin Sabine Wiedenhofer geschreddert und eingeschmolzen. - © Atelier Wiedenhofer
. . . wurde von der Künstlerin Sabine Wiedenhofer geschreddert und eingeschmolzen. - © Atelier Wiedenhofer

In der Terrornacht war Wiedenhofer selbst in der Nähe des Tatorts und versteckte sich mit ihrer Tochter in einem Lokal. Mit ihrem Kunstwerk möchte sie "jeden Gedanken auffangen und den Opfern und ihren Familien gedenken". Zusätzlich zum Mahnmal erinnern vier 80 Zentimeter große Skulpturen an die vier Todesopfer, 20 kleinere sind den 20 Verletzten gewidmet. Die Werke sollen im April bei "Art at the Park" im Hotel Hyatt vorgestellt und zum Verkauf angeboten werden. Den Reinerlös wird an Terroropfer gespendet. Das Mahnmal, das im Juni bei der Art Austria im Museumsquartier präsentiert wird, soll unter 100.000 Euro kosten und wird von privaten Sponsoren finanziert.

Nicht im Auftrag der Stadt

Daraus wird nun ein Oktagon entstehen. - © Atelier Wiedenhofer
Daraus wird nun ein Oktagon entstehen. - © Atelier Wiedenhofer

"Das ist ein Geschenk an die Stadt. Ich will den Menschen, vor allem den Opfern und ihren Familien, die Erinnerungen zurückgeben", so die Künstlerin. Für Verwunderung sorgt nun, dass es keine offizielle Projektausschreibung gab. Schließlich muss Erinnerungskultur im öffentlichen Raum vorab vom Beirat zur Errichtung von Gedenk- und Erinnerungszeichen begutachtet und anhand von inhaltlichen und qualitativen Kriterien beurteilt werden. "Es gab keine Beauftragung der Stadt Wien für ein Mahnmal zum Terrorakt vom 2. November", heißt es dazu aus dem Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, man habe sich für einen schlichten Gedenkstein entschieden, der nächste Woche enthüllt wird. "Ob die Stadt an meinem Kunstwerk Interesse hat, kann ich nicht beurteilen. Mir war es wichtig, dass das Material nicht verlorengeht", so Wiedenhofer.