Beim Corporate Volunteering geben Chefs ihren Mitarbeitern frei, damit diese etwa im Seniorenheim helfen können.
Beim Corporate Volunteering geben Chefs ihren Mitarbeitern frei, damit diese etwa im Seniorenheim helfen können.

Wien. Vor einem Jahr wurde es mit dem Besuch von 119 Freiwilligenorganisationen auf Europatour im Wiener Rathaus eingeläutet, jetzt ist es zu Ende gegangen: Das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit, das laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer die Voraussetzungen für soziales Engagement verbessern sollte. Dazwischen liegen zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen. Am Einsatz der gemeinnützigen Organisationen mangelte es also nicht. Und auch die Zahl der Freiwilligen stieg auf mehr als drei Millionen Österreicher an, wenngleich das Volumen an geleisteter Arbeit gleich blieb: Die Freiwilligen investierten weniger Zeit in ihr ehrenamtliches Engagement.

Ein Trend, den das Rote Kreuz, die Volkshilfe und das Hilfswerk bestätigen. "Das liegt daran, dass die Menschen sich nicht mehr an einen Verein binden wollen, sondern lieber helfen, wenn sie gerade Zeit dafür haben", meint Susanne Ebner vom Roten Kreuz zur "Wiener Zeitung". Dieser Paradigmenwechsel in der Freiwilligenarbeit habe sich im vergangenen Jahr zunehmend herauskristallisiert - er schlage sich in neuen Formen des Engagements nieder, die das traditionelle Ehrenamt in den Schatten stellen.

"Sie sind die Zukunft der Freiwilligentätigkeit", sagte Alfred Mayer, Präsident des Roten Kreuzes, zum Ausklang des Jahres im Rahmen einer Konferenz - und meinte damit Formen wie Online, Micro, Spontaneous, Corporate oder Skilled Volunteering.

Mit Online Volunteering ist jenes Engagement gemeint, bei dem Menschen von ihrem Zuhause aus über Internet für gemeinnützige Organisationen tätig sind. Ihre Arbeit reicht von Marketing im Web 2.0 über Foren-Sozialberatung bis hin zu Übersetzungen. Diese Tätigkeiten können auch in den Bereich Micro Volunteering fallen: Jede ehrenamtliche Arbeit, die nur für kurze Zeit - zwischen zwei und 30 Minuten lang - geleistet wird. Skilled Volunteering ist ebenfalls eng damit verknüpft. Dabei bringen sich Freiwillige mit konkreten Qualitäten wie beruflichen Fachkenntnissen ein.

Per SMS zur Katastrophe


Besonders stark wächst laut Ebner das Interesse an Spontaneous und Corporate Volunteering. Ersteres ist die Hilfe bei Katastrophen: Via SMS werden die Freiwilligen verständigt, wo sie etwa zum Schlamm- oder Schneeschaufeln gebraucht werden. Corporate Volunteering unterstützt nicht nur gemeinnützige Organisationen - es ist auch ein Aufputz für Firmen. Nicht wenige rühmen sich damit, dass sie ihren Mitarbeitern einen bis mehrere Tage im Jahr freigeben, damit sich diese sozial engagieren können. Zum Beispiel im SOS-Kinderdorf, Senioren- oder Asylantenheim.

Damit sich die Organisationen und Interessierte besser finden können, haben die "Helfer Wiens" vor kurzem das Web-Tool "Freiwillig für Wien" ins Leben gerufen: Wer etwa für zwei Stunden pro Woche Hilfe sucht oder helfen möchte, bekommt "Treffer" und Kontaktdaten aufgelistet. Das Tool ist nur eine der Initiativen, die das Jahr der Freiwilligentätigkeit mit sich brachte. Zudem fand am 17. Juni der erste Freiwilligentag Österreichs mit 600 Veranstaltungen statt, auf den am 5. Dezember der Internationale Tag der Freiwilligen folgte. Erstmals haben Sozial- und Familienministerium ein Freiwilligengesetz in Begutachtung geschickt, das unter anderem einen Anspruch auf Familienbeihilfe bis 24 Jahre für Teilnehmer am freiwilligen Sozialjahr vorsieht. Damit soll laut Hundstorfer das Jahr der Freiwilligentätigkeit "noch weit über 2011 hinausreichen und nachwirken".