Grafik zum Vergrößern anklicken.
Grafik zum Vergrößern anklicken.

Wien. Die einen wollen ihn "verhindern", die anderen "unmöglich machen" und gar "crashen". Wieder andere rufen öffentlich zum "Fressen der Burschis" auf. Raue Töne wie diese sind die Besucher des umstrittenen Balls des Wiener Korporationsrings (WKR), der am Freitagabend in der Hofburg eröffnet wird, seit Beginn der Proteste vor vier Jahren gewohnt.

Allerdings ist der Unmut unter linken Gruppen wie "Antifa" und der "Offensive gegen rechts", aber auch in Gewerkschaften, Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde heuer doppelt groß. Bitten doch die Wiener Burschenschaften ausgerechnet am 27. Jänner, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, prominente FPÖ-Politiker sowie das "Who-is-Who der europäischen Rechten" zum Tanz. Mit der Folge, dass für diesen Tag gleich drei Demonstrationen gegen den Hofburgball angemeldet wurden. Den Anfang macht Freitagvormittag die Initiative "Jetzt Zeichen setzen", deren Anhänger - aus 50 Organisationen und Vereinen - um 10 Uhr am Heldenplatz gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus demonstrieren werden. Ebenfalls zu Protestmärschen in die Innenstadt aufgerufen haben die Antifaschisten und das Bündnis "Offensive gegen rechts", die ab 17 und 18 Uhr in zwei Kolonnen vom Westbahnhof und von der Universität zur Hofburg ziehen werden.

Terminkollision ein "Zufall"


Die Exekutive wiederum rechnet Freitagabend mit rund 3000 Demonstranten, wie Polizeisprecher Roman Hahslinger im Vorfeld der Proteste erklärte. Vor gewalttätigen Ausschreitungen - wie etwa vor zwei Jahren - warnen will er nicht. "Wir wissen von intensiven Mobilisierungsversuchen im In- und Ausland", so Hahslinger. Allerdings habe es bisher noch keine Sachbeschädigungen oder Aktionen gegeben. Nicht zuletzt deshalb habe man die Kundgebungen am Heldenplatz gestattet, wobei hier eine Sperrzone die Demonstranten von den Ballgehern trennt.

Beim Wiener Korporationsring versteht man die Aufregung ganz und gar nicht. Dass der Veranstaltungstermin mit dem Holocaust-Gedenktag kollidiere, sei ein "Zufall", meinte Ballorganisator Udo Guggenbichler am Mittwoch im ORF. Und der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer kritisierte, dass der Ball "Zielscheibe einer linkslinken Jagdgesellschaft geworden" sei.

Aufgrund der Möglichkeit, von den Demonstranten auf der Straße für Burschenschafter gehalten zu werden, hat am Donnerstag auch der Österreichische Cartellverband seine Mitglieder zu erhöhter Vorsicht geraten. "Wenn sich ÖCVer in die Nähe der Hofburg begeben, dann werden die Demonstranten nicht weit sein", warnte ÖCV-Generalsekretär Karl Wolfgang Schrammel in einem E-Mail an die Studentenverbindungen. Die Leute könnten demnach nicht unterscheiden, ob sie einen katholischen Studenten oder einen Burschenschafter angreifen.

Ring ab 17 Uhr gesperrt


Um Gewalt und Übergriffen vorzubeugen, hat die Polizei mehrere 100 Beamte für die Demonstrationen abgestellt und das Gelände rund um die Hofburg hermetisch abgeriegelt. Zeitweise für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden unter anderem die Schottengasse, die Teinfaltstraße, die Löwelstraße und der Ring zwischen Volksgarten und Oper. Die Mariahilfe Straße ist zwischen 17 und 18.30 Uhr nicht passierbar.