Die Wiener Obdachloseneinrichtungen rüsten sich für die erwarteten tiefen Temperaturen. - © APAweb
Die Wiener Obdachloseneinrichtungen rüsten sich für die erwarteten tiefen Temperaturen. - © APAweb

Wien. Die Kälte in Wien stellt weiterhin zahlreiche Obdachlose vor große Probleme: Die anhaltend frostigen Temperaturen sorgen für großen Andrang in den Notschlafquartieren. Aus diesem Grund wird die Kapazität nun weiter aufgestockt. Am Freitag Abend öffnet die Caritas das Winternotquartier Lacknergasse in Währing. In den Räumlichkeiten, wo schon im Winter vor zwei Jahren die "Zweite Gruft" provisorisch eingerichtet wurde, werden jetzt kurzfristig 45 zusätzliche Schlafplätze für obdachlose Männer geschaffen.

"Dort werden gemeinsam mit dem Fonds Soziales Wien (FSW) 45 zusätzliche Plätze geschaffen", kündigte Caritas-Sprecher Klaus Schwertner an. Am Abend werden die Tische beiseite gerückt und Schlafsäcke sowie Isomatten an die Bedürftigen verteilt. Geschlafen wird am Boden. Das zusätzliche Winterquartier soll nicht nur die kommenden Tage geöffnet haben, sondern bis ins Frühjahr, kündigte der Sprecher an: "Für uns als Caritas ist es wichtig, dass jeder Obdachlose, der einen schützenden Schlafplatz braucht, diesen auch erhält."

Unterkünfte "komplett voll"
Anhaltend groß ist der Andrang in den beiden Caritas-Einrichtungen "Gruft" in Mariahilf bzw. in der zweiten Gruft in Neubau, die vor allem wohnungslosen Ausländern ein Dach über dem Kopf bietet. In der Nacht auf Donnerstag haben sich in der Gruft unter der Barnabitenkirche rund 80 Menschen aufgehalten. Auch die zweite Gruft sei "komplett voll" gewesen: "Es haben in den vergangenen Nächten regelmäßig 67 Menschen dort geschlafen", berichtete Schwertner. Vorgesehen sind 62 Plätze.

Aufgrund der Minustemperaturen wurden schon in den vergangenen Tagen die Kapazitäten einiger Wiener Quartiere aufgestockt: Unter anderem hat das Rote Kreuz zehn weitere Schlafmöglichkeiten im Haus Hermes im Bezirk Landstraße geschaffen. Auch in der Caritas-Einrichtung U63 in Meidling gibt es nun drei weitere Plätze, berichtete eine FSW-Sprecherin der APA.

Insgesamt fördert bzw. betreut der FSW derzeit 425 Notquartiersplätze. In der Nacht auf Donnerstag sei die Auslastung bei nahezu 100 Prozent gelegen, berichtete die Sprecherin. Vier Plätze seien noch frei gewesen.

Weiterer Bedarf in den kommenden Tagen
"Wenn sich abzeichnet, dass die Plätze voll sind und viele Leute nachfragen, können wir kurzfristig weitere Plätze zur Verfügung stellen", betonte die Sprecherin. Angesichts der Temperaturen geht der FSW davon aus, dass in den kommenden Tagen weiterer Bedarf bestehen wird. So gebe es die Möglichkeit, etwa beim Roten Kreuz kurzfristig weitere 80 Notschlafplätze einzurichten. In einem "Wieder Wohnen"-Nachtquartier speziell für Frauen könnten laut FSW bei Bedarf fünf zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Kapazitätsprobleme während der kalten Tage hat auch die soziale Einrichtung der Diakonie Österreich in Wien, das Häferl: "Die Nachfrage nach einem warmen Platz und einem warmen Essen ist kaum bewältigbar", hieß es in einer Aussendung. An normalen Wochentagen würden 60 bis 80 Mittagessen serviert und jetzt, an Spitzentagen, bis zu 160, berichtete Roberta Rastl-Kircher von der Diakonie Österreich der APA. Zudem gebe es nur einen kleinen Gastraum. In diesem würden sich die Bedürftigen nach dem Essen aufgrund der Kälte länger als sonst aufhalten. Dadurch gibt es kaum Platz für andere Hungrige. Es kommt daher zu längeren Wartezeiten bei der Essensverteilung, denn: "Es wird niemand weggeschickt."

Eine Gelegenheit auf eine warme Mahlzeit und warme Räumlichkeiten bietet in den kommenden Tagen die Dompfarre St. Stephan. Bis Sonntag wird jeweils von 17 bis 19 Uhr im Curhaus der Dompfarre warme Suppe ausgegeben, die im Hotel Le Meridien gekocht wird. "In einem reichen Land wie Österreich gibt es immer noch genügend Möglichkeiten, tätige Nächstenliebe zu praktizieren. Obwohl eine warme Suppe nicht die große Not wenden kann, versuchen wir im Kleinen unsere Mitverantwortung im Schatten des Stephansdomes wahrzunehmen", betonte Dompfarrer Toni Faber in einer Aussendung.