Bim, Rad und Füsse besorgen 71 Prozent des Wiener Verkehrsaufkommens

Der Radfahr-Anteil in Wien ist mit sechs Prozent immer noch sehr niedrig, wenn man ihn mit Städten wie Kopenhagen oder Amsterdam vergleicht. Oder meinetwegen auch mit Graz, Salzburg oder Bregenz: Da ist der Radanteil längst zweistellig oder liegt bei über 20 Prozent. Warum ist Wien so lahm?

Wir haben in Wien ein extrem gutes Angebot von öffentlichen Verkehrsmitteln. Öffis, Gehen und Radfahren zusammen stellen 71 Prozent des Verkehrsaufkommens. Nur 29 Prozent der Alltagswege in Wien werden mit dem Pkw gefahren. Allerdings: Gemessen an seinem Anteil am Verkehr beansprucht der Autoverkehr ein Vielfaches an Platz. Und das ist ungerecht. Das Auto ist der einzige Gegenstand, den ich kaufen und dann ungestraft im öffentlichen Raum deponieren kann. Probier das einmal mit deinem Bett.

Autos dominieren nicht nur das Straßenbild. Die Rechtsordnung privilegiert sie auch in anderen Bereichen. So verpflichtet die Stellplatzverordnung jeden Bauherrn, Garagen zu errichten. Im Manifest sprechen wir uns dafür aus, dass statt Garagen Fahrradstellplätze vorzuschreiben. Findest du das auch gut?

Dass man nicht für jeden Wohnbau Garagenplätze einrichten muss, ist der richtige Weg. Ich glaube, dass es da bereits zu einem Umdenken kommt. Das zeigt sich bei autofreien Siedlungen oder der neuen Bike City. Das Problem in Wien ist dennoch, dass man bei den Verkehrsthemen deutlich langsamer agiert als anderswo. Zürich hat sogar eine Stellplatzobergrenze für Pkw und eine Mindestanzahl für Fahrradabstellplätze festgelegt. Das ist genau das, was wir auch für Österreich brauchen. Die derzeitige Gesetzeslage in Österreich besagt aber genau das Gegenteil.

Warum dauert es in Österreich so viel länger?

Die Schweizer zum Beispiel nähern sich den Themen rationaler und weniger emotionsgeladen. Die direkte Demokratie dort hat unter anderem den Vorteil, dass nicht auf Basis von Vermutungen über die öffentliche Meinung Politik gemacht wird. Stattdessen fragt man die Menschen einfach. In der Schweiz hat sich bereits in den 1990er-Jahren eine Mehrheit für einen integrierten Taktfahrplan bei der Bahn ausgesprochen. Das hat dazu beigetragen, die Qualität des öffentlichen Verkehrs zu heben. Ähnlich ist es im städtischen Bereich, wo Fahrradgaragen und großzügige Radfahranlagen Standard sind. Nicht emotional geführte, populistische Debatten, sondern das, was inhaltlich vernünftig ist, leitet dort die verkehrspolitischen Entscheidungen.